Ich fragte Betti gestern abens — in fertraun — was mein Hertz so geschwind gehn macht, wenn Lischen im Zimmer kommt un sie lachte un lachte, wi wenn es sehr schpaßig wer, das zu fragn un dann sagte sie: »Weiß du nich Schorschi?« un ich sagte »Nein!« un sie sagte: »Nun, du kleiner Narr, du bißt ferlibt!« Aber sie ferschprach es nimann zu erzehln, weil ich es auch nie erzehlt hab, wenn sie ihrn jungen Mann in der Kiche Kuchn gegebn hat. So is es also ein Geheimniß zwischn mir un Betti, bis ich Gelegnheit hab es Lischen zu sagn, un ich hab Zeit genug, weil sie ein pahr Wochn bleibt. Dokter Moor gab mir 50 Cent, damit ich ihm das Ferd halte, wi der Mann krank wahr un ich ging mit ihm herum, es lif aber weg un zerbrach den Wagn ein bischen. Er mußte das Ferd ferkaufn, aber mir wahr nich fihl geschehn un so gab ich ihm di 50 Cent nich zurik. Ich kauffte ein prachfolles Bukeh um das Geld un schenkte es Lischen. Ich gab ach, ob sie rot wird, weil Betti sagte es is ein Zeichn, das sie mich auch libt. Sie wurde aber nich roht un ich firchte, es is deßwegn, weil ich so schpaßig ausschau mit den langen Schtreifn Hefftpflaster iber der Nase, wo mir di Haut abgeschundn worn is, wi das Ferd durchging — aber was is die Libe eines Medchens wert, wenn sie einem Jungen nich grad so lib habn kann mit einen Schtikchen Heffpflaster? Es ferlezt meine Gefihle tif, wi sie immer lacht, wenn sie auf mir schaut. Es tut mir leid, das ich di 50 Cent an eine solche hertzlose ferschwendert hab.
Es is ein Junge da dribn iber der Schtraße — er is zwelf un hat ein Gesicht foll fon Sommerschprossn un ein neies blaus Gewand, wi wenn er was wer, un so bin ich ausgeschtochn. Gut, laß sie laufn. Ich wer nich mehr so eiffrig mit Heflichkeiten gegen ihr sein. Ibrigens hab ich sofil mit die komendn Waln zu thun, das ich wenig Zeit zun Ferlibtsein hab. Es wahr schön, so lang es dauerte.
Es is große Aufregung in unsrer Schtadt. Man mechte sie kaum erkennen; iberall fladtern Fanen, schpiln Musikbandn un sin Fakllichproßejohnen un in der neu'n Schtadthalle wern Redn gehaltn. Ich denke, weil sie sofihl Schpetakl damit machn, es wird sicher einer oder der anre fon di Kandedahtn gewehlt wern — filleich beide. Es wer zu dumm, sofil Geld fir nix auszugebn. Mein Fater sagt es is gut fir uns Jungen, Polletik zu ferschtehn anzufangen, solang wir noch jung sin — die Zukunff hengt an jung Amerka. Ich schtimme iberein mit ihn. Ich hab mein bestes getan, di gute Sache zu ferdern. Papa sagt, wenn jeder sofil getan hedte, wi der kleiner Schorschi, so wer das Land nich mehr zu redtn.
Das is ein großes Wort, aber ich verdin es. Ich wahr nich einem Abnd mißig, seit di Wahln angefangen habn. Ich hab mich heiser geschrihn, bin mit den Haufn maschirt, hab die Kanohne am Plaz abgefeiert, hab mit jeden Bubn in der Nachbarschaff fon meiner Greße oder kleiner geraufft, un hab den Mennern geholfn Holtz zu schlepn zu di Freudnfeier. Es is wahr es sin mir ein pahr Unglicke zugeschtoßn, un ein pahr Zufelle passihrt; aber ich glaub, der Presedennt wird trotz alln gewehlt wern.
Meine Schwester Elsbett un ein pahr anre fon unsre noblen junge Damen habn eine Supschkripzjohn ereffnet, um eine prachfolle Faane fir di Freiwillgn zu kaufn, di mit der Fakllichprozeßjohn zur Parade gehn wolln. Sie wahr 12 Fuß lang, aus Seide gemacht, mit ihrn Nahmen in geschtiktn Bukschtabn drauf, di die Damen selbs machtn — eine wunderbahre Faane! Der Faklzug wahr gestern abns. Die Freiwillgen kamen am nachmitag in der Schtadthalle zusamm, um die Faane aus die schönen Hende fon die hibschesten Medchen zu emfangen.
Der kleine Schorschi wahr der Lewe des Tages. Er wurde auf einer Pladtform geschtellt, auf der alle Dahmen prachfoll geputzt schtandn, um eine Rede zu haltn, die Faane in der Hand bis der Hauptmann herauf kahm un seine Rede hilt un fon der Hand des kleinen taffern Jungen (das bin ich) die Faane nam, so das ein par Damen weintn, weil sie so ergriffn wahrn un ich nahm mein Taschntuch herfor, das zufellig foll Schnufftaback wahr, so das der Hauptmann jedesmahl, wenn er anfing fon den amerkanschen Adler zu schprechn, sagte »der großer amerkanscher Hapschi-dler« oder »Tschi-dler« oder »Krr-adrll« oder sons einem Unsinn, grad wi wenn man einem Fogl kennen mecht, der Krr-tschi-tschi-haptschi-dler heißt, bis alle lachtn un klatschn un schrihn, das man sein eignes Wort nich herte, un der armer Offezihr wahr so roht wi Feier un seine Augn foll Trehnen, so das er dem Faanenschtok nich sah, dem ich ihm hinhilt, das er ihm pakt, sonder den seidnen Sonnenschirm fon meiner Schwester nam un damit henunterschtig. Die Leite wußtn nichs fon den Schnufftaback; sie dachtn, er hat pletzlich die Fiehseiche bekommen. Sie schrien dreimahl Hurra, was ihm doch hedte zufridn machn solln un nich sagn, er wird den armen Schorschi den Kragn umdrehn, wenn er ihm draußn erwischt.