Was dann geschah, kann ich nich sagn, denn wi mein Kopf an der Hofmauer anschlug, wußte ich eine gute Weile nichs fon mir. Kann sein, das die Schreibtischlade herausrutschte, kann sein, die Ticher warn nich fest genug zusammgeknipft, alles was ich weiß is, das ich zuers die Schterne sah un dann — wahr alles schwarz wi die Nacht. Fater sagte wi ich wider zu mir kam: »Er is unferbesserlich. Ich gebe ihm auf, es is alles umsons. Oh wi schade, das er wider zu sich gekommen is!«

Nun, warum krigtn sie mich dann? Ich habe es nich ferlangt. Warum krigtn sie nich einen gutn kleinen Jungen fon Frau Meyer anschtatt so einen schlechtn, schlechtn Jungen wi mich? Ich glaub wenn Papa bei Brod un Wasser eingeschperrt, war wi ein Strefling in Zuchhaus, mechte er die Leintücher noch erger zerreißn wi ich. Große Leite sin sehr ungerecht zu Kindern.

[Unter dem Tisch]

Ich weiß nich warum Susann immer so eilt, wenn die Post kommt. Man kennte glaubn sie mecht schterbn, wenn sie ihre Brife nich finf Menutn, nachdem die Post kommt ferschlungen hat. Ich muß aufhern Kugl zu spiln oder was ich grad tu, un direk zur Post hin gehn — es leg mir ja nix dran, wenn sie mir nur ein Schpil ferdorbn hedt, aber sie hat mir wengstens 3 hundert ferpatzt.

Ich kann dise Post nicht auschtehn. Heut schikte sie mich wider, wi gewehnlich. Ich war in große Eile; ich hadte Tommi Tilden ferschprochn hinter der Scheune fon seinen Fater zu kommen um ihm das Taschnmesser abzukaufn, das ihm sein Onkl Ben bein Wegfahrn geschenkt hadte un ich firchtete er mechte es einen andern Jungen ferkaufn. Weil also nur 1 Brif fir Susann da wahr, un noch dazu nich eimal fil drinschtehn konnte, so ein kleiner rosafarbner war es, dachte ich, ich kann ihm lesn un wenn er nich sehr wichtig is, wegwerfn un mich nich noch damit ergern, das ich deswegn zuhaus laufn muß.

Der Postmeister un ein par andre Kerle lachtn wi si sahn das ich ihm aufriß. So einen Brif hab ich noch nie gesehn; die Seitn warn klein aber ganz klein follgeschribn un dann noch driber geschribn un die Eckn auch noch follgeschmirt. Ich wollte die Zeit nich mit solchn Unsinn lesn ferbringen un gab ihm den Postmeister zurick zum aufhebn, bis jemand fon unsre Leit kommt ihn zu holn. Un jetz is wider der Schpetakl fertig.

Wie gewehnlich bin ich wider schuld. Un grad nur, weil der Postmeister eine sehr alte Schwester hat di so neigirig wahr den Brif zu lesn un das Medchen, die ihm geschribn hadte, fragte Susann aus Schpaß: »Sin dise Fleschchen Haarfarbe, die mit der Post kommen, wirklich fir Fräuln Hornbleser?«