Ausflüge: 1) Nach Prambanan; mit der Bahn (Rückfahrkarte I. 1,75, II. 1 Fl.) von Djokja in 40 Min. nach dem Dorf Prambanan, der dritten Station der Bahnlinie Djokja-Solo, dann zu Fuß oder mit Wagen in 1 / 4 St. zum alten * Hindutempel von Prambanan; beim Tempel gutes Rasthaus mit Kaffeehaus. Drei Mauern umgeben die riesige Anlage; mitten zwischen 157 kleinen Dagobas stehen auf quadratischer Terrasse acht große Tempel, gopuraartige Aufbauten mit breiten Treppen. Der größte Tempel hat noch zwei Seitentreppen, im obern Tempelraum ist eine Schiwafigur, im Nebenraum seine Gattin Durga auf getötetem Stier; die Javanen nennen das schöne Erzbild »Lora Djonggrang«, eine Märchenprinzessin, der sie Frucht-und Blumenopfer bringen. Im dritten Tempelraum ist der elefantenköpfige Sohn beider, Ganesa. In einem andern Tempel ist ein großen Reichtum spendender steinerner Zebustier. Das Schönste sind die kunstvollen, oft naiv-lustigen Steinfriese an den Außen-und Innenwänden der Haupttempel; sie stellen die brahmanische Götterlehre und das indische Epos Ramâyana dar; vorzüglich erhalten ist die Geschichte vom treuen Affen Hanumân. Der Nebentempel zeigt groteske Darstellungen zu Ehren der Göttin der Fruchtbarkeit. Die Tempelanlage gilt als Grabstätte der alten hindustanischen Kaiser von Mataram, etwa im 8. Jahrh. erbaut.
—Rückweg zum Bahnhof nehme man über die Tausend Tempel ( Tjandi Sèwoe ), 20 Min. nördl., mit einem großen Mitteltempel, umgeben von 240 kleinen in vier Reihen; der Haupttempel ist beim Erdbeben 1867 beschädigt, zeigt aber noch vorzügliche Götterbilder; erwähnenswert sind die schönen Frauenfiguren an den Treppenmauern der Westseite, die eine Vision Buddhas darstellen. (Beschreibung des Tempels von Dr. Groneman beim Tempelwächter zu haben.)
2) Nach * Boro-Boedoer (wer in Djokja mit Mittagsschnellzug ankommt, hat auf dem Bahnhof sofort Anschluß mit der Dampfstraßenbahn nach Moentilan), 32 km nw.; 2 St. Fahrt mit Automobil (stellt Hotel Toegoe für 65 Fl. für 5 Personen, hin und zurück über Magelang); oder mit Dampfstraßenbahn, vom Bahnhof Djokja abgehend, nördl. durch gut bebautes Land, meist Reisfelder, Dörfer mit Märkten, bis nach (25 km) Moentilan; von da mit Zweispänner (3,5 Fl.; Dreispänner [7 Fl.] kaum nötig, Fuhrwerk bestelle man unterwegs beim Zugführer oder beim Bahnhofsvorstand) in das Hochland von Kadoe, das »Paradies von Java«, in dessen Mitte der wunderbare Tempel von Boro-Boedoer liegt, umgeben von Bergen, darunter die Vulkane Merapi (2875 m) und Merbaboe (3145 m). Man fahre zuerst zum Vortempel Tjandi-Mendoe, mit Riesensteinbild Buddhas. Etwa 4 km weiter, nach 15 Min. Fahrt, erreicht man nach Überschreiten eines Flusses den Hügelrücken, worauf, gegenüber dem Haupttempel, das (14 km) Rasthaus ( pesanggrâhan ) mit Wirtschaft (gut zum Essen und Übernachten) steht. Wenn Zeit ist, übernachte man dort, weil Sonnenunter- und-aufgang in Boro-Boedoer unvergleichlich schön sind. Der Tempelwächter ist ein Deutscher.—Der große * »Tempel« von Boro-Boedoer ist das großartigste buddhistische Bauwerk auf Java, erbaut im 8. oder 9. Jahrh., 1907-11 durch die Regierung gut renoviert. Er ist kein eigentlicher Tempel, sondern ein kuppelförmiges Denkmal ohne Innenraum zum Andenken Buddhas (Stupa). Auf quadratischer Grundfläche von 153 m Seitenlänge erhebt sich »jenes in Terrassen aufsteigende, seltsam grandiose Bauwerk, das an Mächtigkeit alle andern buddhistischen Tempelbauten so weit überragt, wie das Land, in dem es steht, an Schönheit den Standort jener übertrifft« ( Hans Meyer ). Der Unterbau besteht aus fünf 20eckigen, von 1,5 m hohen Steinmauern eingefaßten Terrassen übereinander, jede mit reichverziertem Tor in der Mitte, neben dem Treppenstufen zur höhern Terrasse hinaufführen. Alle Terrassen sind mit Buddhafiguren, Löwen und Stieren und reichen Ornamenten geschmückt. Über der obersten 20eckigen Terrasse erheben sich noch drei kreisrunde, die je 32, 24 und 16 (insgesamt 72) sitzende Buddhafiguren unter offenen (teilweise eingestürzten) Kuppeldächern (Dagobas) tragen. Als Krönung des ganzen Baues steht auf der obersten 37 m hohen Terrasse eine 6 m hohe Dagoba; sie enthielt früher einen Buddha, der jetzt vor dem Tempel steht. Leider sind viele Steinfiguren barbarisch verstümmelt; man zählt über 400 Buddhabilder. Von den 1500 Basreliefs sind fast 1000 noch gut erhalten und bilden den künstlerisch wertvollsten Teil des Ganzen; man erkennt auf ihnen Segelschiffe mit zwei Masten, prächtige Rüstungen, Speichenräder. * Aussicht prächtig von der Kuppel des Tempels, besonders bei Sonnenauf-und-untergang! (Beschreibung des Tempels von Dr. Groneman ist beim Tempelwächter zu haben; ausführlicher ist das Werk: »Die Buddhalegende in den Skulpturen des Tempels von Bôrô-Budur« von C. M. Pleyte, mit 120 Abbildgn., Amsterdam, Verlag de Bussy.)
Vom Tempel zurück kann man mit der Dampfstraßenbahn ab Moentilan 16 km nach Magelang ( Hôtel Loze ) fahren und von da mit Wagen in die Hochebene von Diëng (2171 m; gutes Rasthaus), die mit dem amerikanischen Yellowstone Park (II. Teil, S.151 ) verglichen wird.—Sehr schön ist die Wagenfahrt (17-20 Fl.) von Magelang durch das paradiesische * Kedoetal über den Pinggit-Paß (686 m) nach (35 km) Ambarawa ( Hotel van Rheeden, genannt di Atas, gute Verpflegung, Pens. 4 Fl.; Hotel di Bawa ), einem idyllischen Landstädtchen; von dort Eisenbahn nach Samarang (s. S.207 ).
Von Djokjakarta fährt die Bahn durch Reisfelder und große Dörfer am Fuße des Vulkans Merapi entlang, r. die scharfzackigen Felsen der südlichen Gebirge, nach dem Bahnknotenpunkt
(620 km) Soerakarta oder Solo (104 m; Hotel Slier, weit vom Bahnhof, Wagen zu haben), Hauptstadt des gleichnamigen Vasallenstaats mit 109459 Einw., darunter etwa 5000 Chinesen und 1200 Europäer, Sitz des Susuhunan (Kaisers) des ehemaligen Reiches von Mataram und des von diesem unabhängigen Prinzen Mangkoe Negoro sowie eines beide überwachenden niederländischen Residenten. Der Kraton, die Kaiserstadt, ist mit hohen Mauern umgeben; Eintrittserlaubnis erhält man durch ein Schreiben an den Residenten. Gelegenheit zur Teilnahme an Hoffesten mit interessanten, Jahrhunderte alten Hofbräuchen und schönen Tänzen der kaiserlichen Bedojohs (Tänzerinnen fürstlicher Abkunft), dazu Gamelang-(Orchester-) Spiel, »wajang-wong« (Schattenspiele; vgl. S.192 ) und »topèng« (Maskentanz). Der Kaiser erscheint stets von Zwergen, Lanzen- und Schildträgern und großem Hofstaat umgeben. (Gesuche um Audienz müssen vom Generalgouverneur befürwortet sein und mindestens vier Tage voraus beim niederländischen Residenten in Soerakarta angemeldet werden.)— Rundfahrt durch die Stadt sehr lohnend wegen des bunten Volkslebens; morgens besuche man den Markt (pasar). Sehenswert der schöne Palast ( dalem ) des Prinzen Mangkoe Negoro, mehrere Tigerkäfige und der Elefantenstall des Kaisers; kleiner Zoologischer Garten mit schönen Schlangen, Affen und Tigern. Prächtige Tamarindenalleen führen zum holländischen Fort Vastenburg, in der Mitte des Europäerviertels. Auch das lebhafte Chinesenviertel ist besuchenswert.
Von Soerakarta nach Samarang. Von der Hauptroute zweigt eine nördliche Linie ab und führt über Goendih und Kedoengdjatti (Zweigbahn nach Ambarawa, s. oben) nach
(125 km) Samárang, Seehafenstadt mit 96000 Einw. (5000 Europäer).
Gasthöfe: Hôtel du Pavillon, am Bodjongweg, Pens. 5,5-6,5 Fl.;— Hôtel Jansen, Heerenstraat, beide gut.— Hôtel Tjandi, für längern Aufenthalt, oberhalb der Stadt, Dampfstraßenbahn bis Djomblang, dann mit (voraus zu bestellendem) Gasthofswagen hügelaufwärts. Viele Pensionen; gute Restaurants.
Post u. Tel. neben dem Rathaus, Telephon neben dem Rathaus.— Wagen zu haben.— Straßenbahnen: vom Bahnhof zur Zentralstation und von da am Rathaus vorbei den Bodjongweg entlang zur Wohnung des Residenten; vom Bahnhof durch Oengaran-Allee südwärts bis Djomblang.— Eisenbahn nach Cheribon (Anschlußstrecke nach Krawang im Bau, zur Herstellung einer direkten Linie Batavia-Samarang) und über Soerakarta nach Soerabaja.— Dampfer der Koninklijke Paketvaart Mij., wöchentlich in 2 Tagen nach und von Batavia und in 1 Tag nach und von Soerabaja Landung in Samarang mit Dampfbarkassen (2 Fl.) oder Segelprauen (1 1 / 2 Fl.). Im Westmonsun ist die Landung oft gefährlich. — Dampferagenturen: Norddeutscher Lloyd, C. A. Bertsch (Tel.-Adr.: Nordlloyd, Samarang); Rotterdamsche Lloyd, Internationale Credieten Handelsvereeniging »Rotterdam«; Stoomvaart Mij. Nederland und Koninklijke Paketvaart Mij.; Messageries Maritimes.
Bank: Javasche Bank; Nederlandsche Handels-Maatschappij, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank.— Konsulat: Deutsches Reich: Generalkonsulat in Batavia.
Die alte Stadt Samarang, nahe der Mündung des Ngaran oder Samarangflusses, war bis 1824 befestigt, wovon noch das Fort Prins van Oranje erhalten ist. Der neue Stadtteil liegt hauptsächlich an der von Kanarienbäumen und Tamarindenbäumen beschatteten Bodjong-Allee. Im Stadtgarten Mi. und So. Konzert. Eine Oberstadt liegt auf einem 100 m hohen Hügel etwa 3,5 km südl. von Samarang in Tjandi; dorthin führt die schöne Oengaran-Allee bis Djomblang, einen Teil des Chinesenviertels durchschneidend. Lohnende Wagenfahrt nach dem chinesischen Felsentempel Gedong Batoe. Am Westende der Stadt liegt das arabische und javanische Viertel, das bei Westmonsun früher oft überschwemmt wurde. Samarang bietet wenig für Vergnügungsreisende, ist aber der zweitgrößte Handelsplatz Javas; lebhafte Ausfuhr von Kaffee, Zucker, Kopra, Indigo und Büffelhäuten.
Von Soerakarta nach Soerabaja führt die Hauptbahnlinie durch die mitteljavanische Ebene zwischen den nördlichen Hügelketten und den südlichen Vulkangebirgen hindurch nach (95 km) Madioen (Hotel Madioen) und weiter über (175 km) Djomblang und (215 km) Modjokerto nach
(265 km) Soerabaja ( Surabaya ), Seehafenstadt mit (1905) 163611 Einw., darunter 8000 Europäer und 11200 Chinesen.