Die Gesamtkosten für den Bau und die erste Einrichtung des Kanals (inkl. der Kosten für die Verbesserung des Kanals und die Anleihen) betrugen bis Ende 1878: 479175683 Frcs.
5. Bedeutung des Kanals für den Weltverkehr. Die große Umwälzung, welche durch den Suezkanal im Weltverkehr hervorgerufen wurde, besteht vor allem darin, daß der Handel zwischen Europa einerseits und Ostasien und Australien andererseits den Weg um das Kap größtenteils verlassen und nunmehr die weit kürzere Route an der Ostseite Afrikas benützt. Diese Wegverkürzung beträgt von Southampton in England, von wo die meisten großen ostasiatischen Dampfer ausgehen:
| nach | ums Kap Seemeilen. | über Suez Seemeilen. | Unterschied. | |
| Seemeilen. | Tage für Dampfer à 200 Seemeilen. | |||
| Sansibar | 8000 | 6040 | 1960 | 10 |
| Bombay | 10740 | 5940 | 4800 | 24 |
| Point de Galle | 10500 | 6580 | 3920 | 19 |
| Calcutta | 11600 | 7680 | 3920 | 19 |
| Singapur | 11780 | 8070 | 3710 | 18 |
| Hongkong | 13180 | 9500 | 3680 | 18 |
| Melbourne | 11140 | 11200 | 60 | ⅓ |
Die Wegeunterschiede zwischen anderen europäischen Häfen und Bombay sind folgende:
| nach | ums Kap Seemeilen. | über Suez Seemeilen. | Unterschied. | |
| Seemeilen. | Tage. | |||
| Brindisi | 11107 | 3703 | 7404 | 37 |
| Triest | 11504 | 4100 | 7404 | 37 |
| Genua | 10696 | 4208 | 6488 | 32 |
| Marseille | 10560 | 4280 | 6280 | 31 |
| Bordeaux | 10640 | 5752 | 4868 | 24 |
| Liverpool | 10896 | 6008 | 4888 | 24 |
| London | 10912 | 6024 | 4888 | 24 |
| Amsterdam | 10694 | 6076 | 4618 | 23 |
| Hamburg | 11222 | 6332 | 4890 | 24 |
Noch viel größer ist natürlich die Zeitersparnis eines via Suez gehenden Dampfers gegen einen via Kap gehenden Segler. In diesem Falle beträgt die Reise von Southampton:
| nach | ums Kap per Segelschiff. | über Suez per Dampfer. | Ersparnis. | |||
| Bombay | 100 | Tage | 27 | Tage | 73 | Tage |
| Calcutta | 103 | „ | 37 | „ | 66 | „ |
| Hongkong | 100 | „ | 44 | „ | 56 | „ |
Übrigens hat die Ausdehnung des Kanalhandels, so groß die Zeitersparnis auch ist, und so sehr dieselbe vom Kaufmann wegen des Zinsengewinns, der Erhaltung der Waren in gutem Zustande, der Versicherungsprämie u. s. w. veranschlagt werden muß, doch auch ihre Grenzen. Der Dampferverkehr via Suez ist nämlich gegenüber der Segelschiffahrt um das Kap kostspieliger als letztere. Diese Mehrauslagen können aber nur dann getragen werden, wenn die zu transportierenden Güter einen so hohen Wert haben, daß sich die Mehrkosten der Fracht durch Ersparnis an Zinsen des in den Waren engagierten Kapitals und die verminderte Versicherungsprämie wieder einbringen lassen. Im allgemeinen nimmt man an, daß Waren kanalfähig, d. h. rentabel durch den Suezkanal zu führen sind, wenn ein Centner derselben 30 M. kostet.
Durch die Umlegung der asiatischen Welthandelsstraße vom Kap nach Suez sind ferner die Mittelmeerhäfen mehr und mehr wieder in jene begünstigte Stellung eingerückt, die ihnen einst so große Blüte und Bedeutung verschaffte. Die Seestädte am Mittelmeere, Triest, Genua, Marseille u. s. w., liegen wieder an der Weltpassage und sind aufs neue befähigt, England, das bisher auf Grund seiner Überlegenheit zur See in Mitteleuropa sein Großhandelsmonopol geübt, an die Peripherie zu drängen, wo es sich bis zur Entdeckung der Seewege nach Ost- und Westindien befunden. Dermalen zwingt England mit seiner gewaltigen Kapitalkraft freilich noch viele aus Indien und Ostasien kommende und dorthin gehende Waren, an den Mittelmeerhäfen vorbei ihren Weg nach und von den mitteleuropäischen Bestimmungsorten über London, Liverpool und Southampton u. s. w. zu nehmen. Baumwolle und Wolle aus Indien und Australien, Thee und Kaffee aus China, Java und Ceylon, Indigo und Gewürze aller Art aus Ostasien u. a. m. werden, selbst wenn sie für Österreich und Süddeutschland bestimmt sind, an Triest und Genua vorbei nach England geführt, um von dort aus über die niederrheinischen und deutschen Nordseehäfen nach Mitteleuropa verbracht zu werden. Ebenso schlagen deutsche Ausfuhrartikel nach dem fernen Orient, namentlich Erzeugnisse der Textilindustrie, Nürnberger- und Kurzwaren u. s. w., vielfach den Weg über England ein, anstatt die kürzere Straße nach den Mittelmeerhäfen zu nehmen. Gleichwohl lassen sich die ersten Anfänge des Umschwungs zu Gunsten der Mittelmeerhäfen bereits erkennen, und die englischen Handelsämter selbst sind es, die nicht ohne Besorgnis darauf hinweisen, zunächst in Bezug auf die Handelsbeziehungen zwischen England und Ostindien.