Der gesamte internationale Postanweisungsverkehr ergab für das Jahr 1884 eine Summe von rund 7⅖ Mill. Stück Anweisungen im Gesamtbeträge von 390 Mill. Mark.
Einschließlich der in obiger Tabelle nicht genannten Länder bezifferte sich während des Jahres 1884 der Gesamtanweisungsverkehr im Gesamtbereiche des Weltpostvereins auf 150 Millionen Stück mit einem Werte von 8845 Millionen Frcs.
2. Postnoten (postal orders) und Postkreditbriefe (titoli postali di credito). Die englische Postverwaltung giebt seit 1880 sogenannte Postnoten aus, d. h. auf feste Beträge lautende Postanweisungen, die gegen eine geringe Gebühr bei allen inländischen Postanstalten eingelöst werden und mithin ein Mittelding zwischen Papiergeld und Postanweisung darstellen. Die Einrichtung besteht gegenwärtig in England, Britisch Indien, den Vereinigten Staaten von Amerika, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und in den australischen Kolonieen. — Die Postkreditbriefe sind eine Einrichtung der italienischen Post; durch sie wird die Möglichkeit gewährt, bei jeder Postanstalt des Königreichs beliebige Beträge innerhalb der eingezahlten Summe abzuheben. Solche Kreditbriefe werden von den Provinzial-Postdirektionen in den größeren Städten, wie in Rom, Florenz, Genua etc., bis zur Höhe von 10000 Lire, von den übrigen Provinzial-Postdirektionen bis zu 3000 Lire ausgestellt.
3. Postnachnahmen. Das Postnachnahmewesen besteht darin, daß die Post die Verpflichtung übernimmt, gewisse Sendungen den Adressaten nur gegen Zahlung des vom Absender bezeichneten und demselben zu erstattenden Geldbetrags auszuhändigen. Auch dieses Verfahren wird vom Publikum gerne benutzt. Obenan steht Deutschland, das in der Berner Statistik für 1884 mit einer Jahressumme von 8354500 Stück Nachnahmesendungen im Betrage von über 78 Mill. Frcs. vertreten ist. Das Postnachnahme-Verfahren besteht übrigens nur in wenigen Ländern, gleichwohl ergab sich für 1884 im ganzen ein internationaler Jahresumsatz von 12½ Mill. Frcs.
4. Postaufträge. Durch das Postauftragsverfahren ist es möglich, durch die Post die Einziehung von Schuldbeträgen bis zur Höhe von 600 M. bewirken zu lassen. Den umfangreichsten Verkehr hat auch in diesem Geschäftszweige Deutschland aufzuweisen mit einem Gesamtbeträge von gegenwärtig jährlich 519 Mill. Frcs. Dann folgen Belgien mit 390 Mill. und Frankreich mit 140 Mill. Auch das Postauftragsverfahren hat noch nicht in sehr vielen Ländern Eingang gefunden[80].
5. Postsparkassen[81]. Mißstände in der Verwaltung der in England bestehenden Privatsparkassen veranlagen 1860 den Banquier Sykes aus Huddersfield, dem englischen Ministerium die Errichtung von Postsparkassen vorzuschlagen. Dieser Vorschlag fand lebhaften Anklang, und 1861 bereits wurden dort die Post Office Saving Banks begründet.
Auf dem europäischen Kontinente folgte dem Beispiele Englands zuerst Belgien, und zwar am 1. Januar 1870. 1875 gelangten die Postsparkassen zur Einführung in Italien, 1880 in den Niederlanden, 1882 in Frankreich, 1883 in Österreich, am 1. Januar 1884 in Schweden, und Ende des Jahres 1884 ist auch in Deutschland ein diesbezüglicher Gesetzentwurf seitens der Reichsregierung dem Reichstage vorgelegt worden. Leider wurde derselbe seitens des Reichstags abgelehnt. Bei der Reform des dänischen Sparkassenwesens im Jahre 1879 scheiterte die Einführung der Postsparkassen nur an dem Bedenken, daß den mäßig besoldeten Postbeamten daraus eine größere Last erwachsen könnte. In Ungarn wird gleichfalls die Einführung derselben beabsichtigt und ebenso in der Schweiz.
Außerhalb Europas richtete zuerst Canada (1882: 51463 Conti mit 9473661 Dollars Gesamtguthaben) Postsparkassen nach englischem Muster ein; dann folgten die Straits-Settlements (Straßenansiedlungen an der Straße von Malacca) und andere englische Kolonieen (Victoria 1879: 49233 Einleger mit 950101 Pfd. St.). 1875 führte auch Japan das Postsparkassen-Institut ein, beiläufig mit dem Erfolge, daß am Ende des Rechnungsjahres 1881/82 die Zahl der Einnahmestellen 1164, die Zahl der Einleger 221000 und die Summe der Einlagen nahezu 4 Mill. M. betrug. Endlich hat auch die britisch-indische Regierung, zunächst in der Provinz Bengalen und im Nordwesten Indiens, einen diesbezüglichen Versuch gemacht. Dem nordamerikanischen Repräsentantenhause ist bereits vor längerer Zeit eine Bill vorgelegt worden, welche die Einrichtung der Postsparbanken auch für die Vereinigten Staaten empfiehlt.
Die Organisation des Postsparkassenwesens ist übrigens noch nicht abgeschlossen. Schon besteht zwischen Frankreich und Belgien ein Vertrag, kraft dessen das Guthaben der Einleger ohne Kosten von einem Lande aufs andere übertragen werden kann, desgleichen zwischen Belgien und den Niederlanden. Ähnliche Übereinkommen will Frankreich auch mit England, Italien und Österreich abschließen, und diesen Kartellen gedenken auch die Niederlande beizutreten. So ist bereits der Anfang gemacht zu einer internationalen Organisation der Postsparkassen, welche im Weltpostverein leicht weitere Ausbildung wird erfahren können.