Endlich noch einiges über die Schreibgeräte!

Auf Wachstafeln schrieb man mit Griffeln aus Knochen oder Metall. Sehr früh begann man aber auch schon mit gefärbten Flüssigkeiten zu schreiben, und dazu diente das Rohr, das wie unsere Schreibfedern gespalten und zugespitzt war. Das stumpf gewordene Rohr wurde mit Bimsstein wieder geschärft. Später trat an Stelle des Rohrs die Kielfeder, deren Gebrauch schon im fünften Jahrhundert sich nachweisen läßt; allgemein in Gebrauch kam dieselbe erst im neunten Jahrhundert. In unserer Zeit hat die Kielfeder wiederum der Stahlfeder Platz gemacht[103]. — Die Tinte der Alten bestand meist aus Leimwasser, das mit Ruß gerührt wurde, oder aus dem Saft der Maulbeeren oder aus dem Blute des Tintenfisches. Doch müssen dieselben auch schon den Gebrauch von Metallsalzen bei Anfertigung ihrer Tinten gekannt haben, da man bei vielen griechischen und römischen Manuskripten, die durch Radierungen undeutlich geworden waren, den Text durch Behandlung mit Reagentien auf vitriolhaltige Stoffe wiederhergestellt hat. Im Mittelalter waren in den meisten Fällen die Hauptbestandteile der Tinte, wie noch heute, Galläpfel und Vitriol.

2. Die Freimarke. Die Geschichte der Freimarke reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück[104]. Nach dem Berichte des Chronisten Pellisson-Fontanier wurde nämlich von Ludwig XIV. im Jahre 1653 dem Maître des requêtes (Staatsrat, Berichterstatter über Bittschriften) Vélayer das Privilegium erteilt, in den verschiedenen Stadtteilen von Paris Briefkästen aufstellen und die in dieselben eingelegten, an Einwohner der Stadt selbst gerichteten Briefe gegen eine Gebühr von einem Sou bestellen zu lassen. Eben dieser Vélayer war es nun auch, welcher, wie derselbe Chronist des weitern mitteilt, zuerst auf den Modus der vorherigen Erhebung der Gebühr bei Bestellung von Briefen, d. i. die Frankierung kam. Die Entrichtung dieser Gebühr geschah nun in der Weise, daß ein „billet de port payé“, das an bestimmten Stellen zu kaufen war, zur Frankierung verwendet wurde. Als die eigentliche Erfinderin dieser Francobillets des Mr. Vélayer wird indes eine Hofdame, Madame de Longueville, bezeichnet.

Unter den Gründen, welche zu Gunsten der neuen Beförderungsgelegenheit angeführt werden, figurieren zum Teil recht naive. So heißt es z. B., die neue Einrichtung werde sich sehr bald unentbehrlich erweisen für alle, „welche... verhindert sind, selbst auszugehen, wegen ihres Gesundheitszustandes oder wegen ihrer Gläubiger“; dann für solche, welche in Strafanstalten sitzen oder in Klöstern und Kollegien sich befinden; für Prozeßführende, die mit aller Welt zu thun haben...; ferner für die Herren und Damen bei Hofe, die stets auf den Beinen sind und doch oftmals nicht die Hälfte derjenigen Anstandsverpflichtungen erledigen können, die sie gern erledigen möchten.

Die Entwertung der billets de port payé geschah durch den Absender selbst, indem nur solche Briefe befördert wurden, auf welchen das Billet durch handschriftliche Ausfüllung des Aufgabedatums in dem hierzu bestimmten Vordruck: „port payé, le... jour du mois de... l’an 16...“ für nochmalige anderweite Verwendung unbrauchbar gemacht war.

Wie lange und in welchem Umfange dieser Stadtpostdienst bestanden hat, ist leider nicht bekannt geworden; jedenfalls war er ein Jahrhundert später (1760) gänzlich in Vergessenheit geraten und mit ihm auch die erste Anwendung der Postfreimarke.

Erst im 19. Jahrhundert kam das zur Entrichtung der Postgefälle so einfache und für das korrespondierende Publikum so bequeme System der Postwertzeichen wieder in Anwendung, und zwar gebührt dem Königreich Sardinien das Verdienst, diese Bahn zuerst wieder betreten zu haben. Dort wurden 1819 Postwertzeichen in Form gestempelter, zum Einschlagen der Briefe bestimmter Viertelbogen weißen Papieres ausgegeben. Das Papier selbst trug an den Rändern ringsum den Wasserstempel: „Direzione Generale delle Regie Poste.“ Die Wertstempel, einen blasenden Genius zu Pferde darstellend und in Beträgen zu 15, 25 und 50 Centesimi angefertigt, wurden im nächsten Jahre durch farblose Trockenstempel ersetzt und blieben bis zum Jahre 1836 in Gebrauch.

Dem Vorgange der sardinischen folgte zunächst die englische Postverwaltung, die 1840, zugleich mit Einführung des Penny-Portos, ebenfalls gestempelte Briefumschläge anfertigen ließ, und zwar solche zu einem Penny in Schwarzdruck und zu zwei Pence in Blaudruck. Die für die Aufschrift bestimmte Vorderseite dieser Umschläge trug eine Illustration von Mulready (eine allegorische Verherrlichung des britischen Weltverkehrs) und am Fuße in Druckschrift die Wertbezeichnung „Postage one penny“ oder „Postage two pence“. Einige Monate später wurden die ersten eigentlichen Briefmarken zu einem Penny und zwei Pence ausgegeben. Diese das Bild der Königin Viktoria in braunrotem, beziehungsweise blauem Kupferstich tragenden Marken sind unverändert in Form und Farbe noch heute in Gebrauch.

Ins große wurde die Frankierungsidee in England von Charles Knight und dem Schöpfer des Penny-Portos, Rowland Hill, übertragen.