Sehr bald folgten dem Vorgange Sardiniens und Englands: 1843 Brasilien, 1844 Genf, 1845 Finnland, 1846 die Union, 1848 Rußland, 1849 Frankreich, Belgien und Bayern, 1850 Österreich, Preußen und Sachsen, und später nach und nach alle jene Staaten, die sich im Besitz eines geregelten Postwesens befanden.

Die Ausstattung der Freimarken ist eine sehr verschiedene. Die Marken Guatemalas z. B. zeigen buntgefiederte Papageien, auf den ägyptischen Wertzeichen sind die Wahrzeichen des alten Pharaonenlandes, Sphinx und Pyramide, angebracht; grimmig blickt der Drache auf den Postmarken Chinas; der geflügelte Hermeskopf ist das Wahrzeichen Griechenlands, und die Negerrepublik Liberia hat ihrem die Republik darstellenden Frauenkopfe die phrygische Mütze aufgesetzt.

Die für die Freimarken jetzt gewöhnlich verwendeten Farben sind: Blau für die zu 25 Centimes (20 Pf.), Rot für die zu 10 Centimes (10 Pf.) und Grün für die zu 5 Centimes (5 Pf.)

Auf dem ganzen Erdenrund existieren gegenwärtig weit über 5000 verschiedene Arten von Postwertzeichen, von denen auf Europa allein ungefähr über 3000 entfallen.

Wie massenhaft der Verbrauch dieser Wertzeichen ist, ergiebt sich aus der Thatsache, daß in Großbritannien und Irland das Gewicht der in einem Jahre ausgegebenen Postmarken rund 2280 Ctr. beträgt[105].

Hier sei auch des Briefmarkensammelns[106] gedacht!

Dasselbe wird seit etwa 20 Jahren systematisch betrieben, und ebensolange ist der Handel mit Briefmarken als vollberechtigtes kaufmännisches Geschäft in Erscheinung getreten. Der Hauptsitz für dieses Gewerbe, das vollauf seinen Mann nährt, ist Paris, wo dasselbe zuerst in dem bekannten Hotel Drouot sein Standquartier hatte. Später wurde für diesen eigenartigen Handel eine förmliche Börse errichtet, die erst in den Tuilerien, dann im Luxembourg abgehalten wurde und zur Zeit in der Avenue Marigny ein blühendes Dasein führt. Hier findet man Briefmarkenhändler und -Liebhaber jeden Alters und Standes von dem Schüler an, der seine Pfennige in einigen billigen Erwerbungen anlegt, bis zu den Grossisten, deren Umsätze in Marken sich nach Hunderten, ja Hunderttausenden beziffern. Neben Paris sind namentlich noch in Brüssel, Berlin, Wien, Leipzig und Breslau mehrere derartige große Geschäfte in Thätigkeit.

Da man in den ersten Jahren nach Einführung der Postwertzeichen nicht daran dachte, die zur Frankierung verwendeten abgestempelten Marken aufzubewahren oder gar zu sammeln, sondern dieselben gewöhnlich achtlos dem Papierkorb überantwortete, von wo sie wohl meist den Weg zum Ofen oder Kamin genommen haben, so sind Exemplare der ersten Emissionen naturgemäß sehr selten geworden. Einzelne solcher seltenen Vögel werden denn auch, ihre Echtheit vorausgesetzt, zu Preisen notiert, die dem Nichtphilatelisten[107] unbegreiflich erscheinen. So wird z. B. die seltenste französische Marke, diejenige zu 1 Frc., Ausgabe 1849, orangegelb, für 150–200 M. verkauft; die erste Ausgabe von Hawaii, mit Ziffern statt Zeichnungen, erzielt, gut erhalten, 800–1000 M.; ebensoviel wird für jede der beiden mit „Reunion“ bezeichneten Marken zu 15 und 30 Cts. bezahlt. Die Perle aller Marken ist indes diejenige der Insel Mauritius vom Jahre 1850; sie wird, ob sie rot oder blau, gut erhalten oder schon vom Zahn der Zeit angenagt ist, wenn sie nur den legalen Stempel trägt, mit mehr als 1000 M. bezahlt.

Es ergiebt sich hieraus, daß die Briefmarken-Liebhaberei recht kostspielig werden kann, wenn der Sammler auf Vollständigkeit seiner Sammlung erpicht ist. Eine leidlich komplette Sammlung kostet mindestens 50000 bis 100000 Frcs.

Große Privatsammlungen sind deshalb selten; die bedeutendste besitzt der Herzog von Galliera, der vor einigen Jahren die Bestände des Markenhändlers Mahé kaufte und diesen Herrn selbst, sowie einen zweiten Markenkenner von Fach als Konservatoren seiner Sammlung anstellte. Die Aufwendungen für letztere sollen bis jetzt schon 1½ Mill. Frcs. betragen. Eine zweite großartige Privatsammlung befindet sich in den Händen des Barons Arthur von Rothschild in Paris; sie soll einen Wert von 200000 Frcs. repräsentieren.