a) Wahrheit und Wahrhaftigkeit in ihrer Reinheit getrübt und durch einen Zusatz von Lüge entstellt werden;

b) Lüge und Lügenhaftigkeit dagegen ihre Natur zu verändern scheinen, und einen täuschenden Anstrich von Wahrheit erhalten.

Bei der ersten Art von Mischung liegt offenbar Schwäche des Geistes zum Grunde, die sich durch falsche Ansichten und unreine Beweggründe irre leiten läßt. Nicht so bei der zweiten Art; da lauert die Tücke im Hintergrunde, welche gar wohl fühlt, daß das Böse, welches im Innern hauset, sich nicht so geradezu in seiner Nacktheit und grellen Farbe zeigen dürfe, sondern daß es sich klug und gewandt in die einnehmende Maske des Guten hüllen müsse, um nicht sogleich beim ersten Anblicke zurückzustoßen.

Beide Arten bezeichnet unser Erlöser mit Einem Worte, und nennt sie Heuchelei.

Diese hat also zwei Hauptseiten, nach welchen sie sich in tausend Gestalten ausbildet. Es liegt eben so sehr in ihrer Natur,

das Wahre und Gute aus lügenhaften Gründen und bösen Absichten, als die Lüge und Bosheit unter dem Scheine der Wahrheit und Liebe auszuüben.

Eine unausbleibliche Wirkung dieses Geistes der Heuchelei ist es, daß das Aeußere zur Hauptsache, das Innere zur Nebensache wird. Religion und Tugend verwandeln sich in eitles Gepränge, das weder vom Herzen kommt, noch zu demselben dringt.

Anbetung des Vaters, der Geist ist, in Wahrheit und Liebe des Geistes kann also mit Heuchelei schlechterdings nicht bestehen; eben so wenig ächte, lebendige Nächstenliebe. Damit fällt aber auch das Evangelium und der wahre Glauben an dasselbe. Wo die Wucherpflanze der Gleißnerei den Boden bedeckt, da kann der Glauben, die Pflanze des himmlischen Vaters, nicht gedeihen; „ohne Glauben aber ist es unmöglich; Gott zu gefallen.“ Glauben ist der Grund- und Eckstein des Tempels der Liebe, in welchem Seligkeit thronet und ewiges Leben.