In diesem Rathe ward ein Projekt beliebt, ihn sagen zu machen, daß dem Kaiser der Zins nicht gebühre. Eigentlich waren die Pharisäer wider den Kaiser, hatten ihm auch keinen Eid schwören wollen; aber der König der Wahrheit war ihnen noch mehr zuwider, weil sie bei dem noch mehr zu verlieren hatten. Und so schickten sie sich in die Zeit, und machten Allianz mit dem Kaiser, um sich durch den geringern Feind den größern vom Halse zu schaffen. Christus sollte sagen; es sei nicht recht, daß man dem Kaiser Zins gebe; und dann war er verloren — meinten sie.
Aber wie macht man ihn das sagen? — Die schlauen Füchse kannten sich, und wußten, daß eine Wanne mit Wasser eher überfließt, wenn sie in Bewegung gesetzt ist. Deßwegen beschloßen sie weiter, ihm durch verstelltes Lob und durch Anerkennung seiner Competenz das Herz vorher groß zu machen, seine Wahrhaftigkeit, seinen geraden Sinn und sein Nichtachten der Person vor dem Volke zu loben, damit er geneigt würde, gleich eine Probe davon gegen den Kaiser zu geben.
Das Alles war hier nun freilich nicht angebracht; aber sie verstunden das nicht besser, und so sandten sie denn ihre Jünger — Und Herodis Diener mußten gleich mitgehen, damit es bei dem Zeugenverhör desto weniger Weitläufigkeit gäbe, oder als gute Freunde, die den Sieg mit ansehen und ausbreiten helfen sollten. Ja oder Nein! und in beiden Fällen siegten die Pharisäer. Denn sollte Christus den Zins gut heißen, und also dem Hauptprojekte ausweichen, so verdarb er es beim Volke, das den Zins ungern bezahlte, und von seinem Messias Befreiung von allem fremden Joch erwartete.
Die Sache war sehr klug angelegt, und wäre unter gleichen Umständen gewiß Zehn- gegen Einmal durchgegangen. Hier, wie gesagt, gieng’s nicht.
„Da nun Jesus ihre Schalkheit merkte, sprach er: Ihr Heuchler, was versuchet ihr mich?“
Das war der freimüthige, gerade Sinn &c. den sie aus Schalkheit gelobt hatten, wahrhaftig; aber anders, als sie erwarteten.
Mathematisch gewiß waren wohl die Pharisäer des guten Ausganges nicht; denn sonst wären sie selbst gekommen, und hätten nicht ihre Jünger geschickt. Indessen hatten sie doch ohne Zweifel, gute Erwartungen, und sie haben ohne Zweifel den Deputirten Jüngern in einem nicht geringen Tone von ihrer klugen Anlage und Erfindung gesprochen, und diese hatten gewiß ihre heimliche Freude, daß Christus von dem allem nichts wisse, und ihrem ehrbaren Gesichte nicht ansehen werde, was hinter ihrer Frage stecke. Da kann man denken, wie sie erschrocken sind, als unser Herr Christus anfieng zu sprechen, und seiner Gewohnheit nach nicht dem Gesichte, sondern dem Herzen antwortete.
„Wessen ist das Bild und die Ueberschrift?“ Fühlst du nicht den feinen Sinn? — Ueber das Ebenbild Gottes hatten die Eiferer für die Religion nichts zu fragen, wohl aber über das silberne Ebenbild des Kaisers. — Die Zinsmünze und das Geben oder Nichtgeben derselben war im Grunde eine kleine und unbedeutende Angelegenheit, die über ihre Glückseligkeit nichts entschied. — Ueberhaupt war die ganze Frage über das Recht und Unrecht der Zinsmünze eine sehr alberne Frage, und gerade soviel, als wenn ein Ehebrecher fragen wollte, ob es recht sei, die auf den Ehebruch gesetzte Strafe zu bezahlen? — Man sieht, wie die Pharisäer eigentlich stunden, und was von allen Seiten für Anlaß und Raum zu bitterer Antwort war; und Gott weiß, daß sie hier nicht unverdient gegeben wäre. Aber Er war zu gut, bitter zu sein. Auch war er nicht gekommen, das letzte Wort zu behalten, und über die Künste der Pharisäer und Welt-Weisen zu triumphieren, sondern die Künstler selig zu machen.[25]
Die Antwort unseres Herrn war entscheidend und beschämend; der Sieg vollkommen. Erstaunt über seine Weisheit und Scharfsichtigkeit schlichen sich die jungen Männer davon, welche als Werkzeuge boshafter Tücke gedient hatten. Sollte sich nicht Mancher darüber geschämt haben? Sollte nicht bei Manchem ein Zweifel an der Redlichkeit und Wahrheitsliebe der Meister in Israel aufgestiegen sein? Wenn wir in ihren Herzen hätten lesen können! Was mag Jesus darin gesehen haben! — Wie unglücklich macht doch Heuchelei!