Euer Michelangelo Buonarroti.

23.

An Lionardo …

[Rom,] den 1. Februar 1549.

Lionardo! — Ich schickte Dir mit meinem letzten Brief ein Verzeichnis mehrerer heiratsfähiger Mädchen, das mir von Florenz zugesandt wurde, ich glaube von einem Vermittler, der übrigens ein wenig vernünftiger Mann sein muss, denn er konnte sich doch denken, dass ich, nun schon seit sechzehn oder siebzehn Jahren dauernd in Rom, wenig Kenntnis von den florentinischen Familien haben kann.

Ich sage Dir deshalb, achte nicht auf meine Meinung, wenn Du heiraten willst, denn ich vermag Dir keinen guten Rat zu geben. Nur das kann ich Dir ans Herz legen, laufe nicht dem Geld nach, sondern sieh auf Herzensgüte und guten Ruf.

Ich glaube, es gibt in Florenz viele verarmte, adlige Familien, für die es eine Wohltat wäre, wenn Du mit ihnen Verwandtschaft anknüpftest. Auf die Mitgift könntest Du verzichten, wenn nur auch kein Hochmut da wäre. Du brauchst eine Frau, die bei Dir bleibt und Dir gehorcht, die keinen Aufwand liebt und nicht jeden Tag auf Hochzeiten und Gastereien gehen will, denn wo ein Hof ist, ist es nicht schwer, zur Dirne zu werden. Du brauchst Dich auch nicht um das Gerede zu kümmern, Du wollest Dich adlig machen, denn es ist bekannt, dass wir alteingesessene Bürger von Florenz und so vornehmen Geschlechts wie irgendeine andere Familie sind. Nun empfiehl Dich Gott, dass er Dir das Rechte gebe. Ich wünschte, Du liessest es mich wissen, sobald Du etwas Geeignetes gefunden zu haben glaubst, und zwar bevor Du die Verbindung eingehst.

24.

An Lionardo …

Rom, den 20. Mai 1553.