„Ich habe einen;“ versetzte das Mädchen, „tut er die gleichen Dienste, so nimm ihn, jedoch unter der Bedingung, daß du auch mir Glück prophezeist.“

„Für einen Fingerhut so viel Glück!“ rief die Alte. „Töchterchen, tummle dich, es wird Nacht!“

Preziosa nahm den Fingerhut sowie die Hand der Frau Stadtschultheiß und begann also:

Schönes Weibchen, schönes Weibchen,
Mit der Hand aus Silberplatten,
Nicht den Alpujarrenkönig
Liebt wie dich dein treuer Gatte.

Bist ein Täubchen ohne Galle,
Aber oft auch bist du flammend
Wie die Löwenmutter Orans,
Wie die Tigerin Ocañas.

Doch eh man die Hand umdrehet,
Ist der Sturm vorbeigegangen,
Und du bist wie Gerstenzucker,
Gleichst an Sanftmut einem Lamme.

Zankest viel und issest wenig,
Etwas Eifersucht auch hast du,
Denn der Schultheiß liebt sein Späßchen,
Ob er auch nach Würde trachtet.

Dich als Mädchen schon begehrte
Einer von gar feinem Ansehn,
Doch zum Henker mit den Kupplern,
Die des Hauses Frieden schaden.

Wärst du etwa Nonne worden,
Würdst du ganz im Kloster schalten,
Denn du hast zu der Äbtissin
Mehr wohl als vierhundert Gaben.