In dem Liebesunterfangen,
Draus die Liebe mir entsprungen,
Hab ich mehr des Ruhms errungen
Mir durch Zucht als schöne Wangen.

Selbst die allerkleinste Pflanze
– Finde aufwärts sie nur Wege,
Sei's Natur, sei's Menschenpflege! –
Steigt empor zum Himmelsglanze.

Meiner armen Kupferwürde
Leiht die Reinheit Goldesschimmer,
Und mein Herz entbehret nimmer
Großen Reichtums schwere Bürde.

Nimmer stört es meinen Frieden,
Wenn man mich nicht ehrt noch achtet,
Denn ich habe stets getrachtet,
Mir mein eigen Glück zu schmieden.

Sei nur stets von mir geübet,
Was da führt zum Tugendpfade,
Und dann mag des Himmels Gnade
Tun, was ihr zu tun beliebet.

Möchte doch wahrhaftig sehen,
Obs der Schönheit sei gegeben,
Auf die Höhe mich zu heben,
Drauf ich wünsche einst zu stehen.

Wenn von gleichem Stoff die Seelen,
Kann, wer mit dem Pflug sich nährte,
Wohl nach seinem innern Werte
Gleich sich einem Kaiser zählen!

Preziosa unterbrach ihren Gesang, und die beiden erhoben sich, um ihr entgegenzugehn. Ein anziehendes Gespräch entspann sich zwischen den dreien, und Preziosa verriet so viel Klugheit, Anmut und Geist, daß Klemens seines Gefährten Tun völlig begriff, was bisher nicht ganz der Fall war, da er seinen kühnen Entschluß mehr der Jugend als der Überlegung zuschrieb.

Am folgenden Morgen brach die Truppe auf und zog bis zu einem Dorfe weiter, das zur Gerichtsbarkeit von Murcia gehörte und drei Stunden von der Stadt entfernt lag. Hier begegnete Andres ein Unfall, der ihm beinahe das Leben gekostet hätte. Nachdem man der Sitte gemäß einige silberne Gefäße als Sicherheitspfand hinterlegt hatte, nahmen Preziosa, deren Großmutter, Christina, zwei andre Zigeunermädchen, Klemens und Andres in dem Hause einer reichen Wirtin Wohnung, einer Witwe, deren Tochter, ein Mädchen von siebzehn bis achtzehn Jahren, nicht sowohl schön wie von etwas lockern Sitten war und, wohl aus diesem Grunde, Juana Carducha[4] hieß. Als nun diese die Zigeuner und Zigeunerinnen tanzen sah, plagte sie der Teufel, und sie verliebte sich so sehr in Andres, daß sie beschloß, es ihm geradeheraus zu sagen und ihn, wenn er selbst wollte, all ihren Verwandten zum Trotz als Mann zu nehmen. Sie suchte deshalb eine Gelegenheit, mit ihm zu sprechen, und fand sie in einem Hof, wohin Andres sich begeben hatte, um zwei Esel zu besorgen. Dort trat sie auf ihn zu und sagte in aller Eile, damit kein Zeuge sie störte: „Andres“ (sie wußte seinen Namen bereits), „ich bin noch unverheiratet und reich, denn meine Mutter hat kein andres Kind als mich, dies Wirtshaus gehört ihr, und außerdem hat sie noch viele Weinberge und zwei andre ebenso große Häuser. Du gefällst mir, und wenn du mich zur Frau willst, so steht es bei dir. Gib mir schnell Antwort, und wenn du gescheit bist, so bleibe bei mir, da sollst du sehn, was für ein Leben wir führen werden.“