„Es thut mir sehr leid, daß ich erst eingetreten bin, nachdem Sie bereits Ihr Ehrenwort zur Bekräftigung der allerabscheulichsten Verläumdung verpfändet haben; meine Gegenwart würde Ihnen eine überflüssige Niederträchtigkeit erspart haben.“
Gruschnitzki sprang von seinem Platze auf und wollte hitzig werden.
„Ich fordere Sie auf,“ fuhr ich mit derselben Stimme fort, „sogleich Ihre Worte zu widerrufen. Sie wissen selbst recht gut, daß alles leere Erfindung ist. Ich habe nie geglaubt, daß eine Dame, die gegen Ihre glänzenden Eigenschaften, gleichgültig ist, eine so abscheuliche Rache verdient hätte. Ueberlegen Sie es wohl: bleiben Sie bei Ihrer Meinung, so verlieren Sie das Recht auf den Namen eines ehrlichen Mannes und setzen Ihr Leben auf’s Spiel.“
Gruschnitzki stand mit gesenktem Blicke vor mir; er war in einer großen Aufregung. Allein der Kampf zwischen Gewissenhaftigkeit und Eitelkeit dauerte nicht lange. Der Dragonerhauptmann, der neben ihm saß, stieß ihn mit dem Ellenbogen an; er fuhr auf und antwortete schnell, ohne mich anzusehen:
— Mein gnädiger Herr, wenn ich etwas sage, so denke ich es auch und bin bereit es zu wiederholen . . . Vor Ihren Drohungen fürchte ich mich nicht, und bin auf alles gefaßt.
„Das Letzte haben Sie bereits bewiesen,“ antwortete ich ihm kalt, indem ich den Dragonerhauptmann unter den Arm faßte und mit ihm das Zimmer verließ.
— Was ist gefällig? fragte der Kapitain.
„Sie sind Gruschnitzki’s Freund und werden wahrscheinlich sein Sekundant sein?“
Der Kapitain verneigte sich mit Wichtigkeit.
— Sie haben es getroffen, erwiederte er, es ist sogar meine Pflicht sein Sekundant zu sein, weil die ihm zugefügte Beleidigung sich auch auf mich bezieht; ich war die vergangene Nacht mit ihm, setzte er hinzu, seinen krummen Rücken aufrichtend.