„So? Also waren Sie das, dem ich den hübschen Schlag über den Kopf versetzte? . . .“

Er wurde gelb und blau im Gesicht; eine unterdrückte Bosheit drückte sich in seinem Gesichte aus.

„Ich werde die Ehre haben, Ihnen heute meinen Sekundanten zuzuschicken,“ fügte ich hinzu, indem ich ihn artig begrüßte und so that, als ob ich seine Wuth gar nicht bemerkte. —

Auf dem Perron der Restauration traf ich den Gemahl Wära’s. Dem Anscheine nach erwartete er mich.

Er ergriff meine Hand mit einer Wärme, die an Entzücken streifte.

„Edler, junger Mann,“ sagte er mit Thränen in den Augen, „ich habe alles mit angehört. Solch ein Bube, solch ein Lump! Und solche Leute soll man in einem ordentlichen Hause aufnehmen! Gott sei Dank, daß ich keine Kinder habe! Sie aber wird Die belohnen, für die Sie Ihr Leben einsetzen. — Sein Sie überzeugt von meiner Verschwiegenheit, bis alles vorbei ist,“ fuhr er fort, „ich war auch einst jung und habe gedient, und weiß, daß man sich in solche Dinge nicht mischen darf. Empfehl’ mich Ihnen.“

Der arme Schlucker! Freut sich, daß er keine Töchter hat . . . Ich ging sofort zu Werner, fand ihn zu Hause und erzählte ihm alles — meine Beziehungen zu Wära und zur Fürstin, so wie das Gespräch, das ich überhört und aus welchem ich die Absicht dieser Narren erkannt hatte, mich zum Besten zu haben und mich mit einer blinden Ladung schießen zu lassen. Jetzt aber nahm die Sache eine ernstere Wendung: eine solche Lösung hatten sie wahrscheinlich nicht erwartet.

Der Doktor willigte ein mein Sekundant zu sein; ich gab ihm einige Anweisungen in Betreff der Bedingungen des Duells; er sollte vor Allem darauf bestehen, daß die Sache so geheim gehalten würde wie möglich; denn war ich schon bereit mich jeden Augenblick dem Tode zu unterziehen, so hatte ich doch nicht im Geringsten Lust, meine Zukunft auf dieser Welt auf ewig zu verderben. —

Hierauf begab ich mich nach Hause. Nach einer Stunde kam der Doktor von seiner Expedition zurück.

„Gegen Sie ist wirklich eine Verschwörung im Werke,“ sagte er. „Ich fand bei Gruschnitzki den Dragonerhauptmann und noch einen Herrn, dessen Name mir nicht gleich einfällt. Ich blieb eine Minute lang im Vorzimmer stehen, um meine Kaloschen auszuziehen. Drinnen war ein fürchterliches Lärmen und Streiten . . . „Für nichts in der Welt willige ich jetzt ein,“ sagte Gruschnitzki, „er hat mich öffentlich beleidigt; damals war es ganz etwas anders.“ — „Nun, was geht das Dich an,“ meinte der Kapitain, „wenn ich doch Alles auf mich nehme. Ich war Sekundant in fünf Duellen und weiß schon wie man das anfängt. Ich habe mir bereits alles ausgedacht; ich bitte, störe mich in nichts; es kann gar nichts schaden, ihn ein wenig einzuschüchtern. Und dann — warum wolltest Du Dich einer Gefahr aussetzen, wenn man sie vermeiden kann? . . .“ In diesem Augenblicke trat ich ein; sie schwiegen plötzlich still. — Unsere Unterhandlungen dauerten ziemlich lange; endlich kamen wir in Folgendem überein: Ungefähr fünf Werst von hier ist eine tiefe Schlucht; sie gehen morgen früh um vier Uhr dahin ab, wir folgen eine halbe Stunde später; Ihr schießt Euch auf sechs Fuß Distanz — Gruschnitzki hat es selbst so gefordert; der Getödtete kommt auf Rechnung der Tscherkessen. — Mir ist aber noch ein Verdacht gekommen: sie, ich meine die beiden Sekundanten, haben ihren frühern Plan in etwas verändert, und wollen nur die Pistole Gruschnitzki’s mit einer Kugel laden. Das sieht denn doch gerade aus wie Todtschlag; in Kriegszeiten und besonders in einem asiatischen Kriege lass’ ich etwas List wohl gelten, aber ich halte Gruschnitzki doch für honneter als seine Gefährten. Was meinen Sie? Sollen wir ihnen zeigen, daß wir sie durchschaut haben?