Der Lakai machte eine verächtliche Miene, als er dieses bescheidene Versprechen hörte, indessen versicherte er Maksim Maksimitsch, daß er seinen Auftrag ausrichten wolle.

— Sie werden sehen daß er sofort herbeieilt, sagte Maksim Maksimitsch mit siegreicher Geberde zu mir: ich will eben vor die Thüre gehen und ihn erwarten . . . Ach! wie schade daß ich mit N. nicht bekannt bin.

Maksim Maksimitsch setzte sich vor der Thür auf eine Bank, und ich begab mich auf mein Zimmer. Ich muß gestehen, daß ich gleichfalls mit einer gewissen Ungeduld der Erscheinung Petschorins entgegensah; wenn ich mir auch nach der Erzählung des Stabskapitains eine nicht eben sehr vortheilhafte Meinung von ihm gebildet hatte, so schienen mir doch einige Züge seines Charakters interessant. Nach ungefähr einer Stunde brachte ein Invalid die kochende Theemaschine und das Theegeräth. „Maksim Maksimitsch,“ rief ich ihm durch’s Fenster zu, „ist Ihnen nicht Thee gefällig?“

— Danke schön, danke schön; habe noch keinen Appetit.

„Ach was! trinken Sie nur immer; es ist schon spät und kalt.“

— Thut nichts; danke bestens . . . .

„Nun, wie es Ihnen gefällig ist!“ So trank ich denn meinen Thee allein; zehn Minuten später kommt mein Alterchen herein. — Nein, Sie haben Recht; es ist doch besser erst ein Täßchen zu trinken, — tausend, läßt Der auf sich warten! Sein Diener ist schon längst zu ihm gegangen, es muß ihn offenbar etwas zurückgehalten haben.

Er trank eiligst eine Tasse aus, dankte für eine zweite, und begab sich abermals mit einer gewissen Unruhe hinaus: es war klar, daß ihn die Unaufmerksamkeit Petschorins kränkte, um so mehr, als er mir noch jüngst so viel von ihrer Freundschaft erzählt hatte und noch vor einer Stunde überzeugt war, daß Petschorin herbeieilen würde, sobald er nur seinen Namen nennen hörte.

Es war bereits spät und dunkel, als ich das Fenster nochmals öffnete und Maksim Maksimitschen rief, um ihm zu sagen, daß es Zeit sei schlafen zu gehen; er brummte etwas zwischen den Zähnen vor sich hin; ich wiederholte meine Einladung — er antwortete nichts.

So streckte ich mich denn, in meinen Mantel gehüllt, auf den Divan, ließ das brennende Licht auf dem Ofenrande stehen, schlummerte auch alsbald ein und würde ruhig bis zum andern Morgen durchgeschlafen haben, wenn mich Maksim Maksimitsch, der sehr spät ins Zimmer kam, nicht wieder aufgeweckt hätte. Er warf die Pfeife auf den Tisch, fing an im Zimmer auf und ab zu schreiten, im Ofen herumzustören, legte sich dann endlich nieder und hustete, spuckte und warf sich noch lange herum . . .