— Ja, ich erinnere mich! sagte er, fast in demselben Augenblicke zum Gähnen gezwungen.

Maksim Maksimitsch fing nun an ihn zu bitten, doch wenigstens zwei Stunden zu verweilen. „Wir werden köstlich speisen,“ sagte er, „ich habe zwei Fasanen, und der Kachetinerwein ist hier ausgezeichnet . . . versteht sich, nicht das was in Grusien, indessen doch von einer bessern Gattung . . . Wir plaudern ein Bischen zusammen . . . Sie erzählen mir von ihrem Aufenthalte in Petersburg . . Sie . . hm?“

— Wirklich, ich weiß nichts zu erzählen, lieber Maksim Maksimitsch . . . Nun also, leben Sie recht wohl, ich muß fort . . . ich bin sehr eilig . . . Ich danke auch, daß Sie mich nicht vergessen haben . . . fügte er hinzu, ihn an der Hand ergreifend.

Der Alte zog die Augenbrauen düster zusammen . . . Er war betrübt und ärgerlich, obgleich er sich bemühte es zu verbergen. „Vergessen!“ sagte er mit rauher, fast bellender Stimme: „Ich habe noch nie etwas vergessen . . . Nun denn, in Gottes Namen! . . . Ich hätte nimmermehr geglaubt, daß unser Wiedersehen ein solches sein würde . . .“

— Nun, nun! sagte Petschorin, indem er ihn freundschaftlich umarmte, bin ich denn nicht mehr derselbe? . . . Was ist zu machen? . . . Ein Jeder hat seine eigenen Wege . . . Ob wir uns noch einmal wiedersehen werden — Gott weiß! . . . Während er dies sprach, saß er bereits im Wagen und der Postillon fing schon an die Zügel zusammenzufassen.

„Halt, halt!“ rief plötzlich Maksim Maksimitsch auf, indem er sich am Wagenschlage festhielt: „bald hätte ich ganz vergessen . . . ich habe ja noch Ihre Papiere, Grigorii Alexandrowitsch . . . ich führe sie mit mir . . . hoffte Sie in Grusien wiederzufinden, und nun hat’s der liebe Gott so gefügt . . . Was soll ich damit anfangen? . . .“

— Was Sie wollen! erwiederte Petschorin. Adieu . . .

„Also Sie gehen nach Persien? . . . und wann kommen Sie wieder? . . .“ rief Maksim Maksimitsch ihm nach.

Der Wagen war bereits weit entfernt; allein Petschorin machte mit der Hand ein Zeichen, welches man ungefähr folgendermaßen übersetzen konnte: Schwerlich! und wozu auch! . . .

Schon längst hörte man weder den Klang des Glöckchens noch das Gerassel der über den steinigen Weg dahinrollenden Räder, — und der arme Greis stand noch immer auf demselben Flecke in tiefes Dahinbrüten versunken.