„Ja,“ begann er endlich, indem er sich anstrengte gleichgültig zu scheinen, obgleich die Thränen des Verdrusses sich von Zeit zu Zeit aus seinen Wimpern drängten: „gewiß, wir waren Freunde, — was aber sind heutzutage Freunde? . . Was kann ich ihm auch sein? Ich bin weder reich, noch von hohem Range und auch an Jahren bei Weitem ihm nicht gleich . . . Siehst Du wohl, was er für ein Stutzer geworden ist, seit er wieder in Petersburg war . . . Was für eine Equipage! . . . Was für Gepäck! . . . und diesen stolzen Bedienten! . . .“ Er sprach diese Worte mit ironischer Bitterkeit aus. „Nun sagen Sie einmal,“ fuhr er an mich gewendet fort, „was halten Sie davon? . . . und welcher Satan führt ihn jetzt nach Persien? . . . lächerlich, bei Gott, lächerlich! . . . Ich hab’s aber immer gewußt, daß er ein unzuverlässiger Mensch ist, auf den man sich nicht verlassen kann . . . Wahrhaftig, schade daß er schlecht enden wird . . . es kann aber nicht anders sein! . . . Ich hab’s immer gesagt, daß Dem kein Segen erblüht, der seine alten Freunde vergißt! . . .“ Hier wandte er sich ab, um seine Aufregung zu verbergen und ging auf dem Hofe um seinen Wagen herum, als ob er dessen Räder untersuchte, während seine Augen sich jeden Augenblick mit Thränen füllten.

— Maksim Maksimitsch, sagte ich, indem ich an ihn heranging; was sind das für Papiere, die Petschorin Ihnen zurückließ?

„Ei, was weiß ich davon! Es werden wohl Tagebücher sein . . .“

— Und was werden Sie damit machen?

„Was ich damit machen werde? zu Patronen werde ich sie verbrauchen lassen.“

— So geben Sie mir sie lieber.

Er blickte mich mit Verwunderung an, brummte etwas zwischen den Zähnen und fing dann an im Koffer herumzuwühlen; endlich zog er ein Heft heraus und warf es mit Verachtung auf die Erde; ein zweites, ein drittes, ein zehntes theilten dasselbe Schicksal: es lag etwas Kindisches in seinem Aerger, was mir leid that und doch auch lächerlich war.

„Da haben Sie sie alle,“ sagte er: „ich wünsche Ihnen Glück zum Funde . . .“

— Und kann ich damit anfangen, was ich will?

„Meinetwegen lassen Sie sie in den Zeitungen drucken. Was geht’s mich an! . . . Was, bin ich denn etwa sein Freund, oder Verwandter? . . . Es ist wahr, wir lebten eine geraume Zeit mit einander unter demselben Dache; aber mit wem habe ich nicht alles zusammengelebt? . . .