„So wollen Sie also Ihr ganzes Leben im Kaukasus zubringen?“ sagte die Fürstin.
— Was ist mir Rußland, antwortete ihr Kavalier: ein Land, wo Tausende von Leuten, weil sie reicher sind als ich, mit Verachtung auf mich blicken würden, während hier — hier, dieser dicke Mantel mich nicht verhinderte, Ihre Bekanntschaft zu machen.
„Im Gegentheil . . .“ sagte die Fürstin erröthend.
Das Gesicht Gruschnitzki’s drückte hohe Selbstzufriedenheit aus. Er fuhr fort: Hier fließt mein Leben unter den Kugeln der Wilden geräuschvoll unbemerkt und rasch dahin, und wenn mir der liebe Gott jedes Jahr nur einen hellen Mädchenblick gewährt, einen Blick wie der . . .
In diesem Augenblicke waren sie dicht vor mir; ich gab meinem Pferde einen Schlag mit der Reitpeitsche und sprengte aus dem Gesträuch hervor.
„Mon dieu, un Circassien!“ schrie die Fürstin mit Entsetzen auf.
Um ihr ihren Irrthum aufs vollkommenste zu benehmen, antwortete ich mit einer leichten Verbeugung: Ne craignez rien, madame, je ne suis pas plus dangereux que votre cavalier.
Sie war verwirrt, — doch weshalb? war’s über ihren Irrthum oder weil meine Antwort ihr zu keck schien? Ich hatte gewünscht, daß die letztere Voraussetzung die richtigere gewesen wäre. Gruschnitzki warf mir einen unzufriedenen Blick zu.
Abends spät, gegen eilf Uhr, ging ich in der Lindenallee des Boulevard’s spazieren. Die Stadt schlief, nur in einigen Fenstern schimmerten noch Lichter. Von drei Seiten erhoben sich dunkle Felsenkämme, Zweige des Máschuk, auf dessen Spitze ein unheilverkündendes Wölkchen lag; der Mond stieg im Osten auf; in der Ferne, wie mit silbernen Fransen umstickt, erglänzten die Schneeberge. Der Ruf der Wachen wurde vom Geräusche der heißen Quellen unterbrochen, die des Nachts losgelassen werden. Dann und wann ertönte ein lautes Pferdegetrappel durch die Straßen, vom Geknarre der Arba, (eines hohen zweirädrigen Wagens) und einem melancholischen, tatarischen Liedchen begleitet.
Ich setzte mich auf eine Bank und versank in Gedanken.