„So hat Gruschnitzki Recht, wenn er sagt, daß Sie einen sehr prosaischen Geschmack haben . . . und ich sehe, daß Sie die Musik nur in gastronomischer Beziehung lieben.“
— Sie sind nochmals im Irrthum, ich bin durchaus kein Gastronom, denn ich habe einen sehr verdorbenen Magen. Aber nach Tische schläfert einen die Musik ein und es soll gesund sein, nach dem Essen zu schlafen: folglich liebe ich die Musik in medizinischer Beziehung. Abends hingegen greift sie meine Nerven zu sehr an und ich werde entweder zu melancholisch oder zu ausgelassen. Das eine wie das andere ist entsetzlich ermüdend, wenn man keine bestimmte Ursachen hat sich zu härmen oder zu freuen; außerdem erscheint die Melancholie in Gesellschaft immer lächerlich und eine zu große Ausgelassenheit nicht wohlanständig.
Sie hörte mich nicht aus, ging fort, setzte sich neben Gruschnitzki und es entspann sich alsbald zwischen ihnen ein recht sentimentales Gespräch; wie es schien, antwortete aber die Fürstin auf seine weisen Phrasen ziemlich zerstreut und unzusammenhängend, obgleich sie sich Gewalt anthat, ihm zu zeigen, daß sie ihm mit Aufmerksamkeit zuhöre, denn bisweilen blickte er sie erstaunt an, bemüht, die Ursache dieser innern Aufregung zu errathen, die sich bisweilen in ihrem unruhigen Blicke verrieth . . .
Ich aber, holde Fürstin, habe Sie längst durchschaut, nehmen Sie sich wohl in Acht! Sie wollen mich mit derselben Münze bezahlen und meine Eigenliebe verwunden, — das soll Ihnen nicht gelingen; sollten Sie mir aber gar den Krieg erklären, so würde ich schonungslos sein!
Im Verfolg des Abends bemühte ich mich absichtlich zu wiederholten Malen, mich in ihr Gespräch zu mischen; sie nahm aber meine Bemerkungen ziemlich trocken auf und ich entfernte mich zuletzt, mit verstelltem Aerger. Die Fürstin jubelte; ebenso Gruschnitzki. Jubelt nur, meine Freunde, und thut es bald! Ihr sollt früh genug aufhören zu jubeln! Es wird gewiß so kommen, meine Ahnung trügt mich nicht! So oft ich noch mit einem Frauenzimmer bekannt wurde, errieth ich stets, ohne je zu irren, ob sie mich lieben würde oder nicht.
Den Rest des Abends brachte ich an Wära’s Seite zu und sprach mich mit ihr über die vergangenen Zeiten recht satt. Warum sie mich so lieb hat? ich weiß es wahrhaftig, nicht, um so weniger, als sie das einzige Weib ist, welche mich vollkommen verstand, mit allen meinen kleinen Schwächen und niedrigen Leidenschaften . . . Oder wäre gar das Böse so anziehend? . . .
Ich verließ mit Gruschnitzki das Haus; auf der Straße faßte er mich unter den Arm und begann endlich nach längerem Schweigen:
„Nun, was sagst Du nun?“
— Du bist ein Narr, hätte ich ihm antworten mögen; aber ich hielt mich zurück und zuckte nur mit den Achseln. —