Ungefähr eine halbe Stunde vor dem Balle war Gruschnitzki im vollen Glanze seiner Armee-Infanterie-Uniform zu mir gekommen. Mit dem dritten Knopfe war noch eine kleine bronzene Kette eingeknöpft, an welcher ein Doppellorgnon hing; die Epauletten von ungleicher Form standen in die Höhe wie ein Paar Amorsflügel. Seine Stiefeln krachten; in der linken Hand hielt er zimmetfarbige, hundelederne Handschuhe und seine Mütze, mit der rechten wühlte er in den kleinen Locken seines gekräuselten Haupthaares. Selbstzufriedenheit und zu gleicher Zeit eine gewisse Unsicherheit drückten sich in seinem Gesichte aus; sein sonntägliches Aussehen, sein stolzer Gang hätten mich laut lachen gemacht, wenn das mit meinen Absichten hätte übereinstimmen können.
Er warf seine Mütze und Handschuhe auf den Tisch und fing an, an den Schößen zu ziehen und sich vor dem Spiegel in Ordnung zu bringen: ein ungeheuer großes schwarzes Halstuch, über ein bereits sehr hohes Unterhalstuch gebunden, dessen Schweinsborsten sein Kinn in die Höhe hielten, guckte wohl um dreiviertel Zoll aus dem Kragen heraus; das schien ihm noch zu wenig: er zog es noch vollends bis an die Ohren in die Höhe; von dieser sauren Arbeit — denn der Kragen war eng und unbequem — füllte sich sein Gesicht ganz mit Blut an.
„Man sagt, Du habest dieser Tage meiner Fürstin ungeheuer die Cour gemacht?“ sagte er ziemlich nachlässig und ohne mich anzublicken.
— Wo haben wir schon Gänse mit einander gehütet! antwortete ich ihm, indem ich mich eines sehr beliebten volksthümlichen Sprichwortes bediente.
„Sag’ mal, sitzt mir die Uniform gut? . . . Ach, der verfluchte Jude! . . . wie mich das unter den Armen schneidet! Hast Du keine Odeurs?“
— Aber ich bitte Dich, wozu willst Du deren noch mehr? Du riechst so schon nach nichts als Rosenpomade . . .
„Das thut nichts; gieb nur her . . .“
Er goß sich ein halbes Glas ins Halstuch, Schnupftuch und in die Aermel.
„Wirst Du tanzen?“ fragte er.
— Ich glaube kaum.