„Ich fürchte, daß ich mit der Fürstin werde die Mazurka eröffnen müssen, — und noch weiß ich fast nicht eine einzige Figur . . .“

— Hast Du sie bereits zur Mazurka engagirt?

„Nein, noch nicht . . .“

— Siehe zu, daß man Dir nicht zuvorkommt.

„Wirklich?“ sagte er, indem er sich vor die Stirn schlug. „Adieu, ich will sie am Thorwege erwarten.“ Er ergriff seine Mütze und eilte fort. Nach einer halben Stunde ging auch ich. Auf der Straße war es dunkel und leer; rund um das Restaurationsgebäude drängte sich das Volk; die Fenster waren erleuchtet. Die Töne der Militair-Musik wurden mir vom Abendwinde entgegengetragen. Ich ging langsamen Schrittes vorwärts; ich war traurig . . . Ist es möglich, dachte ich, daß meine einzige Bestimmung auf dieser Erde die wäre, die Hoffnungen anderer zu zerstören. Seit ich lebe und wirke, gebrauchte mich das Schicksal noch immer zur Entwickelung fremder Dramen, als ob ohne mich Niemand sterben oder in Verzweiflung gerathen könnte! Ich war noch immer eine nothwendige Person des fünften Aktes; unwillkührlich spielte ich die Rolle des Henkers oder des Verräthers. Welche Absicht hatte das Schicksal hierbei? Hätte es mich wohl gar zum Verfasser von bürgerlichen Trauerspielen und Familienromanen bestimmt? Oder zum Mitarbeiter der Novellenlieferanten für literarische Journale, wie z. B. die „Lesebibliothek“?[31)] . . . Was strebe ich darnach es zu wissen? . . . Wie viele der Menschen giebt es nicht, die beim Beginn ihres Lebens hoffen, dasselbe wenigstens wie Alexander der Große oder Lord Byron zu endigen, und die dennoch ihr ganzes Leben lang nicht über den Titel eines Titularrathes hinauskommen? . . .

Als ich in den Saal getreten war, hielt ich mich hinter einer Menge Herren versteckt und fing an meine Beobachtungen zu machen. Gruschnitzki stand neben der jungen Fürstin und erzählte ihr etwas mit großer Lebhaftigkeit; sie hörte ihm zerstreut zu, blickte nach den Seiten und legte ihren Fächer an die Lippen; ihr Gesicht drückte Unzufriedenheit aus, ihre Augen suchten rundum etwas; ich ging sachte von hinten herum, um ihr Gespräch zu überhören. —

— Sie martern mich, Fürstin, sagte Gruschnitzki. Sie haben sich ungemein verändert, seit ich Sie zum letzten Male gesehen habe . . .

„Sie haben sich auch verändert,“ antwortete sie, einen rapiden Blick auf ihn werfend, dessen versteckten Spott er nicht auffaßte.

— Ich, ich hätte mich verändert? . . . O niemals! Sie wissen, daß dies unmöglich ist! Wer Sie nur einmal gesehen, der trägt auf ewig Ihr göttliches Bild in sich! —

„Ich bitte, schweigen Sie . . .“