Die Mazurka begann. Gruschnitzki wählte zu allen Figuren nur die Fürstin, dasselbe thaten die übrigen Kavaliere: es war ein offenbares Einverständniß gegen mich; — um so besser: sie will mit mir sprechen, man verhindert sie daran — sie wird es nun doppelt so sehr wünschen.
Ich drückte ihr zweimal die Hand; beim zweiten Male zog sie dieselbe zurück, ohne ein Wort zu sagen.
„Ich werde diese Nacht schlecht schlafen,“ sagte sie zu mir, als die Mazurka zu Ende ging.
— Daran ist Gruschnitzki Schuld.
„O nein!“ Ihr Antlitz war so nachdenklich, so trübe, daß ich mir das Wort gab ihr diesen Abend unbedingt die Hand zu küssen.
Der Ball fing an sich aufzulösen. Als ich die Fürstin in den Wagen hob, drückte ich rasch ihr kleines Händchen an meine Lippen. Es war dunkel, und Niemand konnte es gesehen haben.
Ich kehrte, höchst zufrieden mit mir selbst, in den Saal zurück. —
An einem großen Tische speisten die jungen Leute zu Nacht; zwischen ihnen auch Gruschnitzki. Als ich eintrat, schwiegen sie alle: es war klar, man hatte von mir gesprochen. Viele haben mich noch seit dem letzten Balle auf dem Korne, besonders der Dragonerhauptmann; jetzt aber hat sich offenbar eine feindliche Clique gegen mich zusammengerottet, die unter dem Kommando Gruschnitzki’s steht. Er blickt so stolz und tapfer um sich. —
— Mir sehr angenehm; ich liebe die Feinde, obgleich nicht im Sinne des Evangeliums: sie gewähren mir Zerstreuung und setzen mein Blut in Bewegung. Immer auf der Wache stehn, jeden Blick, die Bedeutung jedes Wortes erhaschen, die Absichten Anderer errathen, ihre Verabredungen zu nichte machen, den Getäuschten spielen und dann plötzlich mit einem Rucke das ganze ungeheure und mühselige Gebäude ihrer Ränke und Pläne über den Haufen werfen, — das nenne ich Leben!!
Im Verlaufe des Abendessens zischelte Gruschnitzki mit dem Dragonerhauptmann und gab ihm verschiedene Winke.