Den 14. Juni.
Heute früh ist Wära mit ihrem Gemahle nach Kislowodsk abgereist. Ich begegnete ihrem Wagen, als ich mich eben zur Fürstin Ligoffska begab. Sie winkte mir mit dem Kopfe, in ihrem Blicke lag ein Vorwurf.
Wer ist Schuld an allem? Warum gewährt sie mir nicht die Gelegenheit sie allein zu sehen? Die Liebe wie das Feuer — erlischt ohne Nahrung. Vielleicht bewirkt die Eifersucht, was meine Bitten nicht vermochten.
Ich saß eine volle Stunde bei der Fürstin. Mary kam nicht zum Vorschein, — sie ist krank. Auf dem Boulevard erschien sie des Abends auch nicht. Die daselbst zusammengekommene Rotte, mit Lorgnetten bewaffnet, nahm in der That eine drohende Gestalt an. Ich war froh, daß die Fürstin krank war: sie würden ihr irgend einen Affront angethan haben. Gruschnitzki’s Haar war in wilder Unordnung, seine Miene eine verzweifelte. Wie es scheint, ist er wirklich tief angegriffen, besonders fühlt er sich in seiner Eigenliebe schwer verletzt; es giebt nun aber einmal Leute, an denen alles lächerlich ist, sogar die Verzweiflung! —
Nach Hause zurückgekehrt, bemerkte ich, daß mir heute etwas fehlt. Ich habe sie nicht gesehen! Sie ist krank! Sollte ich in der That verliebt sein? . . . Was für Unsinn!
Den 15. Juni.
Um eilf Uhr Morgens, — nämlich zur Zeit, in welcher die Fürstin Ligoffska gewöhnlich in der Jermoloff’schen Badewanne schwitzt, — ging ich an ihrem Hause vorbei. Mary saß nachdenklich am Fenster; als sie mich sah, fuhr sie auf. —
Ich trat ins Vorzimmer; da ich keinen Lakai daselbst antraf, so benutzte ich die hiesigen freien Gebräuche und begab mich unangemeldet ins Wohnzimmer.
Eine trübe Blässe bedeckte das holde Gesicht der Fürstin. Sie stand am Fortepiano und stützte sich mit der einen Hand auf die Lehne eines Sessels; diese Hand zitterte unmerklich. Ich ging leise auf sie zu und sagte:
— Zürnen Sie mir, gnädige Fürstin? . . .