„Die ganze Stadt sagt es; alle meine Kranken sind mit dieser wichtigen Neuigkeit beschäftigt; diese Kranken, das ist die rechte Sorte, die wissen alles!“

Das ist ein Streich von Gruschnitzki, dachte ich.

— Um Ihnen, lieber Doktor, die Unwahrheit dieser Gerüchte zu widerlegen, theile ich Ihnen als Geheimniß mit, daß ich morgen nach Kislowodsk übersiedele.

„Und die Fürstin?“

— Sie bleibt noch eine Woche hier . . .

„Also verheirathen Sie sich nicht?“

— Doktor, Doktor! Sehen Sie mich doch nur an: sehe ich wohl einem Bräutigame oder so etwas im Geringsten ähnlich?

„Das will ich damit nicht sagen . . . Indessen, wissen Sie wohl, giebt es Fälle . . .“ fügte er mit einem verschmitzten Lächeln hinzu, in welchen ein anständiger Mensch gezwungen ist zu heirathen, auch giebt es Mütter, welche derartigen Fällen nicht vorbeugen. Darum rathe ich Ihnen als Freund vorsichtiger zu sein. Hier am Brunnen weht eine gefährliche Luft: wie manchen schmucken Kerl habe ich nicht gesehen, der wahrhaftig eines bessern Looses werth gewesen wäre, und der von hier geradesweges unter die Haube gerieth . . . Wollen Sie wohl glauben, daß man mich sogar hat verheirathen wollen! Besonders eine Mama aus der Provinz, die ein sehr blasses Töchterchen hatte. Ich hatte das Unglück ihr zu sagen, daß die frische Gesichtsfarbe nach der Hochzeit wiederzukehren pflegt; alsbald bot sie mir mit Thränen der Dankbarkeit die Hand ihrer Tochter und ihr ganzes Vermögen an — ich glaube sie hatte etwa funfzig Seelen. — Ich antwortete ihr aber, daß ich dazu unfähig wäre.

Werner verließ mich in der festen Meinung, er habe mich gewarnt. Aus seiner Rede vernahm ich, daß über mich und die Fürstin entschieden schlechte Gerüchte im Umlauf waren. Das soll Gruschnitzki nicht umsonst hingehen.

Den 18. Juni.