Weibliche Manier:
Ich darf ihn nicht lieben, denn ich bin verheirathet; er liebt mich aber, — folglich . . .
Hier folgen einige Punkte, denn der Verstand spricht nicht mehr; hingegen sprechen meistentheils: die Zunge, die Augen, und in ihrem Gefolge das Herz, wenn ein solches vorhanden ist.
Wie nun, wenn diese Memoiren jemals einer Dame unter die Augen geriethen? — „Verläumdung!“ ruft sie mit Entrüstung aus.
Seit Dichter schreiben und Damen sie lesen (wofür wir ihnen die größte Dankbarkeit weihen), hat man sie so oft Engel genannt, daß sie in ihrer Herzenseinfalt diesem Complimente wahrhaftig Glauben schenkten, vergessend, daß diese selben Dichter den Nero für Geld einen Halbgott nannten . . .
Es würde mir übel anstehen, boshaft von ihnen zu sprechen, mir, der ich außer ihnen auf der Welt nichts lieb habe, mir, der ich immer bereit bin, ihnen meinen Frieden, meinen Ehrgeiz, mein Leben zu opfern. Allein ich suche ja auch nicht in einem Anfalle des Grames, oder der beleidigten Eigenliebe ihnen den Zauberschleier abzureißen, durch welchen nur ein geübtes Auge dringt. Nein, alles was ich von ihnen sage, ist bloß das Resultat
So mancher regen Geistesmühen
So mancher bittern Herzensqual.
Die Damen sollten eigentlich wünschen, daß alle Männer sie so gut kennten wie ich, weil ich sie hundertmal mehr liebe, seit ich sie nicht mehr fürchte und hinter ihre kleinen Schwächen gekommen bin.
Da fällt mir gerade ein, daß Werner vor einigen Tagen die Damen mit dem verzauberten Walde verglich, von welchem Tasso in seinem „Befreiten Jerusalem“ erzählt.[32)] — „So wie man ihn betritt,“ sagte er, „fliegen einem von allen Seiten solche Schrecken entgegen, daß Gott bewahre: Pflicht, Stolz, Anständigkeit, öffentliche Meinung, Lächerlichkeit, Verachtung . . . Man braucht aber nur die Augen zuzumachen und darauf loszugehen; — nach und nach verschwinden die Schreckbilder, und eine stille, freundliche Flur dehnt sich vor Dir aus, in deren Mitte die grünende Myrthe blüht. Wehe Dir aber, wenn Dein Herz bei den ersten Schritten bebt und Du Dich zurückziehst!“