„Das wollen wir wohl; aber wie?“

„Ich habe einen Plan; hören Sie: Gruschnitzki ist besonders böse auf ihn; ihm kommt also die erste Rolle zu! Er zieht die erste beste Dummheit heran und fordert Petschorin zum Duell . . . Erlauben Sie, erlauben Sie: gerade hierin liegt der ganze Witz; — und fordert Petschorin zum Duell. Gut! Alles dies — die Herausforderung, die Vorbereitungen, die Bedingungen müssen so feierlich und schrecklich wie möglich gemacht werden, — das übernehme ich; ich werde Dein Sekundant sein, armer Freund! Gut! Aber jetzt sollt Ihr sehen, wo der Knoten liegt: In die Pistolen laden wir keine Kugeln; ich stehe Ihnen dafür ein, daß Petschorin Furcht hat — wir stellen sie sechs Fuß einander gegenüber; Hol’s der Teufel! Sie sind damit einverstanden meine Herren?“

„Wundervoll ausgedacht! — Vollkommen einverstanden? Und warum denn nicht?“ ertönte es von allen Seiten.

„Und Du, Gruschnitzki?“

Mit Spannung harrte ich der Antwort Gruschnitzki’s. — Eine kalte Wuth durchzuckte mich bei dem Gedanken, daß ich ohne diesen Zufall diesen Narren ein Gegenstand des Spottes hätte werden können. Wenn Gruschnitzki nicht einwilligte, so hätte ich mich ihm an den Hals geworfen. Allein nach kurzem Schweigen erhob er sich von seinem Platze, streckte dem Hauptmann seine Hand entgegen und sagte mit vieler Wichtigkeit: „Gut, ich bin damit einverstanden.“

Das Entzücken der ganzen verehrlichen Gesellschaft läßt sich schwer beschreiben.

Ich kehrte nach Hause zurück, von zwei verschiedenartigen Gefühlen bewegt. Das eine war Traurigkeit — „Warum hassen sie mich doch alle?“ dachte ich, — „warum? Habe ich irgend einem von ihnen etwas zu Leide gethan? Nein. Oder gehöre ich in die Reihe derjenigen Menschen, deren bloßer Anblick bereits Widerwillen erregt?“ Und sodann fühlte ich, wie ein giftiger Grimm allmälig meine ganze Seele erfüllte. „Nehmen Sie sich in Acht, Herr Gruschnitzki!“ rief ich aus, indem ich in meinem Zimmer auf und ab schritt: „so lasse ich mit mir nicht spielen. Der Beifall Ihrer stupiden Kameraden kann Ihnen theuer zu stehen kommen! Ich bin kein Spielzeug für Sie! . . .

Ich that die ganze Nacht kein Auge zu. Gegen Morgen war ich gelb wie eine Pomeranze.

Des Morgens früh begegnete ich der Fürstin am Brunnen.

„Sind Sie krank?“ fragte sie, indem sie mich durchdringend anblickte.