Schon seit geraumer Zeit wurde von den Mormonen berichtet, sie, oder wenigstens einige von ihnen lebten in Deseret in Vielweiberei. Dieser Vorwurf wurde von ihnen fortwährend in Abrede gestellt, und es schien in der That unbegreiflich, wie in einer neugegründeten Colonie die Hühnerehe möglich sein solle, da die Statistik nachweist, daß in derartigen Niederlassungen die Zahl der Männer beträchtlich größer als die der Frauen ist. Allein die Berichte waren aus guter Hand, neuere Reisende erzählten, wie man in Neujerusalem selbst die Thatsache nicht mehr verhehle, daß viele Mormonen und namentlich die Häupter der Secte zahlreich besetzte Harems haben, und daß man demnächst sich offen und ungescheut vor aller Welt zur Polygamie bekennen werde. Dies geschah denn auch im Jahre 1853, wo Orson Pratt in seinem zu Washington erscheinenden »Seer« eine ausführliche Vertheidigung der »Pluralität« oder »himmlischen Vermählung,« wie man das Institut euphemistisch genannt, veröffentlichte.

Allein schon zehn Jahre vorher hatte Joseph Smith eine Offenbarung gehabt, in welcher ihm Jehova die Vielweiberei unter seinem Volke einzuführen gebot, und die Anklagen, welche gegen den Propheten von Nauvoo laut geworden waren, hatten ihre vollkommene Richtigkeit gehabt. Wir theilen jene Offenbarung, die bis jetzt geheim gehalten wurde, als ein Beispiel des kunterbunten Styls, in welchem der Mormonengott redet, in einem ausführlichen, nur die eigenen Worte des Propheten enthaltenden Auszuge mit. Sie wurde Smith am 12. Juli 1843 ertheilt, ist in Nummer 1 der ebengenannten Wochenschrift Pratts abgedruckt und lautet wie folgt:

»Wahrlich, so spricht der Herr zu meinem Knechte Joseph, da Du von mir zu erfahren gewünscht hast, worin ich der Herr meine Knechte Abraham, Isaak und Jakob, desgleichen Moses, David und Salomo, meine Knechte, in Betreff des Grundsatzes und der Lehre, daß sie mehrere Weiber und Beischläferinnen gehabt, gerechtfertigt habe: siehe, so will ich der Herr dein Gott Dir in dieser Sache antworten. Darum so bereite Dein Herz, um die Unterweisungen, die ich Dir zu geben im Begriffe bin, zu vernehmen und ihnen zu gehorchen; denn alle, welchen dieses Gesetz offenbart wird, müssen ihm gehorchen. Denn siehe, ich offenbare Dir einen neuen und ewigen Bund, und wenn Du diesen Bund nicht hältst, so bist Du verdammt; denn Niemand kann diesen Bund verwerfen und in meine Herrlichkeit eingehen. Denn alle, welche einen Segen aus meiner Hand empfangen wollen, sollen dem Gesetze nach leben, welches für diesen Segen bestimmt war, und die Bedingungen erfüllen, welche festgestellt wurden vor Erschaffung der Welt, und welche zu dem neuen und ewigen Bunde gehören. Das Gesetz wurde gegeben, damit meine Herrlichkeit vollkommen werde, und der, welcher dasselbe in seiner Fülle empfängt, muß und soll dem Gesetze nachkommen, oder er wird verdammt, sagt Gott der Herr.

Und wahrlich, ich sage euch, daß die Bedingungen dieses Gesetzes folgende sind: Alle Bündnisse, Verträge, Zusagen, Verpflichtungen, Eide, Gelübde, Verbindungen, Vereinigungen oder Erwartungen, die nicht vom heiligen Geiste der Verheißung, dem Geiste dessen, der gesalbt ist, gemacht, eingegangen und besiegelt sind für Zeit und Ewigkeit durch Offenbarung und Gebot, durch Vermittelung eines Gesalbten, den ich bestimmt habe, auf Erden diese Gewalt zu haben (und zwar habe ich meinem Knechte Joseph diese Gewalt übertragen, und es ist immer nur einer auf einmal auf Erden, dem die Gewalt und die Schlüssel des Priesterthums übergeben sind), sind ungiltig und unkräftig in und nach der Auferstehung der Todten. Denn alle Verträge, die nicht zu diesem Zwecke geschlossen sind, haben ein Ende, wenn der Mensch todt ist.

Siehe, mein Haus ist ein Haus der Ordnung, sagt Gott der Herr und nicht ein Haus der Verwirrung. Werde ich ein Opfer annehmen, sagt der Herr, welches nicht in meinem Namen gebracht wird? Oder werde ich aus euren Händen annehmen, was ich nicht bestimmt habe? Und werde ich euch, sagt der Herr, etwas anders als durch das Gesetz bestimmen, welches ich und mein Vater euch verordnete, ehe denn die Welt war? Ich bin der Herr dein Gott, und ich gebe dir dieses Gebot, daß Niemand zum Vater kommen soll als durch mich oder durch mein Wort, welches mein Gesetz ist, sagt der Herr; und alles, was in der Welt eingesetzt ist, sei es nun von Thronen, Fürstenthümern oder Gewalten irgend welcher Art verordnet, soll, wenn es nicht durch mich, oder durch mein Wort geweiht ist, umgeworfen werden und in und nach der Auferstehung aufhören, sagt der Herr dein Gott. Denn was da übrig bleibet, ist durch mich, und was nicht von mir ist, soll erschüttert und vernichtet werden.

Darum so ein Mann sich in der Welt ein Weib nimmt und sie nicht durch mich und mein Wort heirathet, und er mit ihr ein Bündniß eingeht auf so lange, als er in der Welt ist, und sie mit ihm, so ist ihr Ehebund ohne Kraft, wenn sie todt sind und wenn sie aus der Welt sind. Darum so sind sie durch kein Gesetz gebunden, wenn sie aus der Welt sind. Darum, wenn sie aus der Welt sind, so freien sie nicht, noch lassen sie sich freien, sondern sind wie die Engel im Himmel, welche Engel dienende Geister sind, die zu bedienen, welche einer weit größeren, höheren und ewigen Herrlichkeit würdig befunden worden sind. Denn diese Engel gehorchten meinem Gesetze nicht; deshalb kann ihre Zahl nicht vermehrt werden, sondern sie bleiben für sich und unverheirathet, ohne Erhöhung in ihrem erlösten Zustande in alle Ewigkeit, und sind fortan keine Götter, sondern Engel Gottes ewiglich.

Und wiederum, wahrlich ich sage euch, wenn ein Mann eine Frau nimmt durch mein Wort, welches mein Gesetz ist, und durch den neuen und ewigen Bund, und wenn es ihnen besiegelt wird durch den heiligen Geist der Verheißung, durch ihn, welcher gesalbt ist, dem ich diese Gewalt und die Schlüssel dieses Priesterthums übertragen habe, so soll zu ihnen gesagt werden, ihr sollt in der ersten Auferstehung hervorgehen, und wenn es nach der ersten Auferstehung ist, in der nächsten Auferstehung, und sollt ererben Throne, Königreiche, Fürstenthümer, Gewalten und Herrschaften, alle Höhen und Tiefen. Dann soll es in des Lammes Buch des Lebens geschrieben werden, daß er keinen Mord begehen und kein unschuldiges Blut vergießen soll. Und wenn sie meinem Bunde gehorsam sind und kein unschuldiges Blut vergießen, so sollen sie die Engel und die Götter übertreffen an Herrlichkeit, eine Herrlichkeit, welche in einer Kraftfülle und in ewiger Fortpflanzung ihres Samens bestehen soll. Dann werden sie Götter sein, weil sie kein Ende haben. Darum sollen sie von Ewigkeit zu Ewigkeit sein, weil sie fortdauern; dann sollen sie über Allen sein, weil alle Dinge ihnen unterworfen sind. Dann sollen sie Götter sein, weil sie alle Macht haben und die Engel ihnen unterthan sind.

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn ein Mann eine Frau nach meinem Worte nimmt und sie durch den heiligen Geist der Verheißung nach meiner Verordnung versiegelt sind, so werden sie, mögen sie auch alle Sünde und Uebertretung begehen und allerlei Gotteslästerung, ausgenommen Mord und Vergießung unschuldigen Blutes, dennoch in der ersten Auferstehung hervorgehen und erhöhet werden; aber sie sollen im Fleische vertilgt und dem Teufel übergeben werden bis auf den Tag der Erlösung, sagt Gott der Herr.

Ich bin der Herr dein Gott und will dir das Gesetz meines heiligen Priesterthums mittheilen, wie es von mir und meinem Vater verordnet worden ist, ehe denn die Welt war. Abraham empfing alles, was er empfing, durch Offenbarung und Geheiß meines Wortes, sagt der Herr, und ist in seine Erhöhung eingegangen und sitzt auf seinem Throne. Gott gebot Abraham und Sarah gab Hagar dem Abraham zum Weibe. Und warum that sie dies? Weil es Gesetz war, und aus Hagar entsprangen viele Völker. Das war darum Erfüllung der Verheißungen. War Abraham deshalb zu verdammen? Wahrlich ich sage euch: Nein, denn ich der Herr gebot es. Abraham wurde befohlen, seinen Sohn Isaak zu opfern, obwohl geschrieben stand: Du sollst nicht tödten. Abraham aber weigerte sich nicht, und es ward ihm zur Gerechtigkeit angerechnet. Abraham nahm sich Beischläferinnen und sie gebaren ihm Kinder, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit angerechnet, weil sie ihm gegeben wurden und er meinem Gesetze nach lebte, wie auch Isaak und Jakob, die nichts anders thaten, als was ihnen geboten wurde. Sie sind erhöhet worden nach der Verheißung und sitzen auf Thronen und sind nicht Engel, sondern Götter. Auch David nahm viele Weiber und Kebsweiber, desgleichen Salomo, und Moses mein Knecht und andere meiner Knechte vom Anfange der Welt an.

Ich bin der Herr dein Gott und ich gab Dir, mein Knecht Joseph, den Auftrag, alle Dinge wiederherzustellen. Bitte, was Du willst, und es soll Dir gegeben werden nach meinem Worte. Und da du mich in Betreff des Ehebruchs gefragt hast, wahrlich, wahrlich, so sage ich dir, wenn ein Mann ein Weib nimmt nach dem neuen und ewigen Bunde und sie mit einem andern Manne Umgang pflegt und ich habe es ihr nicht gestattet durch meinen heiligen Gesalbten, so hat sie die Ehe gebrochen und soll vertilgt werden. Und wenn sie dem neuen und ewigen Bunde nicht angehört und mit einem andern Manne Umgang hat, so hat sie ebenfalls die Ehe gebrochen; und wenn ihr Gatte mit einer andern Frau Umgang pflegt, so hat er sein Gelübde verletzt und Ehebruch begangen. Und wenn sie nicht Ehebruch begangen hat, sondern unschuldig ist, und sie es weiß, und ich es Dir, mein Knecht Joseph offenbare, so sollst Du durch die Gewalt meines heiligen Priesterthums die Macht haben, sie zu nehmen und dem zu geben, der keines Ehebruchs schuldig ist.