h. Die Henne. 207. Wenn eine Henne kräht, bedeutet es Unglück (Geiersdorf, Marienberg), vgl. [818 ff.]

i. Die Schwalbe ist ein glückbringender Vogel. Ebenso die Wachtel, vgl. [423]. — † 208. „Jag’ die Schwalben nicht ’naus, denn sie bringen Segen in’s Haus“ (Annaberg, Raschau). — † 209. In dem Hause, wo Schwalben nisten, kommt kein Feuer heraus (allg.), vgl. [366], [420], [672] u. [824].

k. Der Kukuk gehört ebenfalls zu den Göttervögeln des deutschen Heidenthums und gilt allgemein als weissagend. — 210. Wenn man den Kukuk im Frühjahr zum erstenmal rufen hört, frage man: „Kukuk, schrei mir meine Jahre aus, wie lange ich noch leben soll.“ So viel mal sein Ruf ertönt, so viele Jahre lebt man noch (allg.). — 211. Bei dem ersten Kukuksruf greife man an den Geldbeutel, dann geht einem das Geld im ganzen Jahre nicht aus. Wer dabei aber kein Geld bei sich hat, dem fehlt es das ganze Jahr hindurch (allg.), vgl. [457]. — 212. Den Burschen und Mädchen giebt er auf ihre Frage an, wieviele Jahre sie noch ledig bleiben (Schwarzbach).

l. Die Spinnen gehören als Mitbewohner des Hauses zum Gefolge der Freya, vgl. [367], [420], [830] und Wuttke, § 202. — 213. Wenn früh eine Spinne auf Jemanden zuläuft, so bedeutet dies Glück (allg.). * Oder: wenn die am Vormittag auf Jemanden zulaufende Spinne bei dem Zuruf: „Spinne, bringst du Glück, bleib’ steh’n, bringst du keins, lauf’ fort“ sitzen bleibt, ist es ein glückbringendes Anzeichen (Raschau). Neueren Ursprungs scheint der entgegengesetzte Aberglaube: „Die Spinne am Morgen bringt Kummer und Sorgen“, vgl. das Französische: araignée au matin grand chagrin, araignée du soir grand espoir. Eine Vereinigung beider Aberglauben findet sich in folgender Ansicht: * Spinnen, namentlich Kreuzspinnen, früh in der siebenten Stunde bedeuten Glück, in der zehnten Vormittagsstunde zeigen sie Unglück, wenigstens Verdruß an (Zwickau). — * 214. Läuft die Spinne an Jemanden hinauf, so bedeutet es Glück, läuft sie abwärts aber Unglück (Zöblitz), vgl. [367].

m. Der Holzwurm, die Todtenuhr, auch die Holzmühle genannt. 215. Dieser Käfer zeigt durch sein Picken den nahe bevorstehenden Tod eines der Hausbewohner an (allg.), vgl. [530] und Wuttke, § 50.

§ 23 (45). n. Der Hollunderstrauch (vgl. [133] u. [166]) war im deutschen Heidenthum von hoher Bedeutung und stand namentlich auch in Beziehung zu den Todten (Montanus, die deutschen Volksfeste etc. 2. Bdchen., S. 149), daher sein häufiges Vorkommen auf Gottesäckern. — * 216. Wenn im Herbste ein Hollunderbaum wieder blüht, so stirbt bald Jemand aus der Familie, der der Baum gehört (Schneeberg), vgl. [530].

o. Die Haselstaude (corylus avellana) ist ebenfalls dem deutschen Heidenthum bekannt, woher noch ihre Verwendung zur Wünschelruthe rührt, vgl. [459]. — * 217. Jedes Zäpfchen am Haselstrauch nach Michaelis, wo zwei und zwei zusammengewachsen sind, bedeutet einen Groschen Aufschlag am Brode (Ehrenfriedersdorf). — * 218. Wenn viele Haselnüsse werden, entstehen viele uneheliche Kinder (Geier), vgl. [475]. Wuttke sagt § 366: „Die Nüsse, besonders die Haselnüsse, haben durch ganz Deutschland eine besondere Beziehung zur Liebe und zur Ehe.“

p. Der Hagerosenstrauch (rosa canina), „Hanebuttenstrauch“, diente wahrscheinlich zum Einzäunen der heiligen Hainstätten und war ein Gegenstand abergläubischer Verehrung. — * 219. Wenn der Hagebuttenstrauch viel Früchte trägt, so kommt viel Sturm und Regen (Raschau), vgl. [832] ff.

q. Außer den angeführten Gewächsen giebt es noch mehrere, denen ebenfalls eine besondere Bedeutung, deren Ursprung bis in das deutsche Heidenthum zurückreicht, beigelegt wird. Z. B.: der Hirse war eine in den frühsten Zeiten unsers Volkes sehr verbreitete Getreideart und gewöhnliche Festspeise, daher noch jetzt seine abergläubische Anwendung, vgl. [14], [18], [73], [167] u. [365].

r. Neueren Ursprungs sind Anzeichen an folgenden Gewächsen: * 220. Wenn das Korn abgehauen wird und es schlägt das Brod auf, so wird das Brod billig (Raschau). — * 221. Wenn der Brei von neuen Erdäpfeln recht quillt, so bleiben dieselben billig (Geier). — * 222. Je mehr Brode in dem „Brodkörbchen“, einem kleinen schwammartigen Gewächs, desto wohlfeiler wird das Brod und umgekehrt (Ehrenfriedersdorf). — Vgl. die Botanik des Aberglaubens, Aufsatz in der Illustrirten Zeitung 1860, Nr. 879.