3. Zeichen von Menschen.

§ 24 (46). † 223. Wenn zwei Menschen zusammen in demselben Augenblick dasselbe sagen, so erfahren sie an diesem Tage etwas Neues (Raschau), oder es kommt ein Schneider in den Himmel (Zwickau). — 224. „Kinder gelten als besonders wichtige Weissagungsorgane“ (vgl. [507]): Wenn Kinder beim Spielen feierliche Weisen auf der Gasse singen, so stirbt Jemand in der Nachbarschaft (Raschau, Lengefeld).

225. Begegnet man früh beim ersten Ausgang oder wenn man ein wichtiges Unternehmen vorhat, einer alten Frau, so bedeutet dies Unglück (allg.). — * 226. Kommt die Leichenfrau ungerufen in ein Haus, so stirbt bald Jemand aus demselben (Zwickau), vgl. [255] u. [530].

† 227. Am heiligen Abend oder am Sylvesterabend horcht man an einem fremden Fensterladen; hört man zuerst Ja sprechen, so geht das, was man sich denkt, in Erfüllung, hört man aber Nein, so geschieht es nicht (Marienberg). Hört man Lärm, so wird ein unruhiges Jahr (Annaberg), vgl. [38]. — † 228. Am Andreasabend, namentlich während des Siebenuhrlautens (vgl. [164], [169]), deutet das Ja auf baldige Heirat. Oder: man horcht auf einen Namen, der gehörte ist dann der des künftigen Gatten (Annaberg). Vgl. [7], [101], [125], [183], [184] u. [499].

4. Aus dem Familien- und Geschäftsleben.

§ 25 (47 ff.). † 229. Wenn beim Heben des Hauses das heruntergeworfene Glas nicht zerbricht, so ist es ein übles Zeichen (allg.), vgl. [836]. — 230. Wenn ein Unternehmen übel anfängt, so hat es einen schlimmen Verlauf (allg.), vgl. [5]. — * 231. Begegnet man beim Antritt einer Reise zuerst Jemandem mit einem leeren Korbe, so hat man Unglück (Marienberg). — * 232. Begegnet einem Fuhrwerk eine Frau mit einem leeren Topfe, so wirft entweder der Wagen um, oder es stürzt eins der Thiere (Raschau). — * 233. Wenn Verkäufer an Markttagen bald Handgeld bekommen (d. h. bald etwas verkaufen), namentlich von jungen Personen, so machen sie glückliche Geschäfte (Zwickau).

234. Wenn dreizehn Personen bei Tische sitzen, stirbt eine davon in demselben Jahre (allg.); gilt namentlich am Weihnachts-Heiligenabend, vgl. [42] u. [530]. — 235. Wenn es in einer Gesellschaft plötzlich ganz still wird, so fliegt ein Engel durch die Stube (allg.). — 236. Wenn man etwas Spitziges (Messer, Gabel, Scheere etc.) fallen läßt und es spießt in den Boden ein, so kommt Besuch (allg.). * Dasselbe wird angezeigt, wenn an einem vom Feuer genommenen Topfe Kohlen hängen bleiben (Annaberg). — 237. Wenn bei Tische Alles rein aufgegessen wird, so bedeutet dies schönes Wetter (allg.), vgl. [472]. — 238. Wenn bei Tische ein Teller mehr als nöthig hingesetzt wird, so kommt noch ein hungriger Gast (Raschau). — 239. Wer das Salz verschüttet, wird an dem Tage noch ausgezankt (allg.), vgl. [397]. — * 240. Werden zufällig drei Lichter auf den Tisch gesetzt, so ist eine Braut im Hause (allg.); gilt namentlich am Weihnachts-Heiligenabend, vgl. [26] u. [499]. — * 241. Wenn man Brod abschneidet und es entsteht eine Kerbe, so hat man vorher eine Lüge gesagt (Raschau), vgl 397. — * 242. Wer viel Suppe ißt, lebt lange (Marienberg); gilt namentlich am Weihnachts-Heiligenabend, vgl. [44] u. [451]. — * 243. Beim Abschiede mehrerer Personen dürfen sich die verschiedenen Paare die Hände nicht über’s Kreuz reichen, sonst stirbt Jemand davon oder die Freundschaft wird getrennt (Annaberg). Vgl. noch [30], [31], [397], [512], [524], [525] u. [530].

244. Wenn bei einer Feuersbrunst der Kettenhund ([§ 21 a]) mit verbrennt, so brennt es auf diesem Gehöfte bald — nach Einigen binnen sieben Jahren — wieder (Annaberg, Grünstädtel). — * 245. Wenn die in Folge eines ausgekommenen Feuers herausgefahrene Spritze kein Feuer sieht, so brennt es bald wieder (Grünstädtel). Vgl. [415]. — 246. Man horcht am Weihnachts Heiligenabend oder am Sylvester auf das Geräusch, welches der kochende Ofentopf macht. Hört man einen winselnden Ton, so stirbt Jemand aus der Familie (Marienberg, Lauter), vgl. [38] u. [530].

247. Wenn etwas von der Wand fällt, so stirbt Jemand aus der Freundschaft (Schwarzenberg); gilt namentlich am Weihnachts Heiligenabend und Sylvester, vgl. [29]. — Vgl. noch [215].

248. Wenn die Leiche welk ist, so holt sie noch dieses Jahr eine Person aus der Freundschaft (Schwarzbach); † ebenso wenn der Mund aufsteht (Ehrenfriedersdorf), † wenn sie sich noch sehr ähnlich sieht (Lauter), * oder wenn sie rothe Lippen hat (Raschau). Vgl. auch [543]. — 249. Wenn dem Leichenzuge zuerst ein Mann begegnet, so ist die nächste Leiche ein Mann u. s. w. (Scheibenberg), vgl. [546]. — † 250. Begegnet dem Leichenzug ein Fuhrwerk mit zwei Pferden (vgl. [198]), so stirbt in dem Orte, wo die Leiche her ist, bald ein Ehepaar (Raschau). — † 251. Begegnet der Leichenzug einem Hochzeitszug, so stirbt bald eins von dem Paar (Raschau), vgl. [513] u. [528]. — * 252. Wenn der Leichenzug weit auseinander geht, so stirbt bald wieder Jemand (Raschau), vgl. [397]. — 253. Wenn ein Kranker gerüchtweise todt gesagt wird, so lebt er desto länger (allg.).