445. Wohlsein im Allgemeinen schafft das Waschen mit Osterwasser ([90]), das Anziehen frischer Wäsche am heiligen Abend, Neujahr und Fastnacht ([11] u. [71]), das Genießen bestimmter Speisen zu Weihnacht, Fastnacht und Ostern ([14], [72 ff.], [98] u. [99]), das Essen von Ostereiern ([110]), das Verschlucken der Blüthe von den ersten drei Kornähren, die man im Sommer sieht ([338]) u. dergl. Vgl. überhaupt [398]. — 446. Beförderung des Hausstandes überhaupt wird erreicht dadurch, daß man zu Weihnacht reichlich kocht, an jedem der drei heiligen Abende ein frisches Brod anschneidet, von den verschiedenen Gerichten mindestens je drei Löffel voll ißt und den Ofentopf immer gefüllt erhält ([39], [43], [45] u. [54]), sowie daß man zu Fastnacht das ganze Haus reinigt und säubert ([68]). In Bezug auf Glück an den Kindern vgl. [479], [482], [484], [487] u. [496], und in der Ehe: [504], [505], [508], [510], [521] u. [522]. Das Regiment im Hause kann man durch mancherlei Mittel erlangen vgl. [514], [518] u. [527]. — 447. Gefüllte Küche erlangt man dadurch, daß man zu Weihnachten kein Gericht ganz aufißt ([49]), weiße Wäsche, wenn Fastnacht gewaschen wird ([70]). — * 448. „Schneide das Brod gleich, dann wirst du reich“ (allg.). Anderwärts (Ehrenfriedersdorf) wird noch hinzugefügt: „Schneidet ihr’s aber der Quer, so geht euch Alles der Quer“, vgl. [397].

449. Wenn man, während man eine Sternschnuppe (vgl. [188]) fallen sieht, einen Wunsch thut, so geht er in Erfüllung (Marienberg). Vgl. [182]. — 450. Wenn man seine Wohnung wechselt (vgl. [181]), soll man zuerst in die neue Wohnung Brod, Butter und Holz tragen, so wird es einem nie daran fehlen (allg.). Andere geben specieller folgende Gegenstände an: Salz, Brod, Butter, Fleisch, einen neuen Besen, einen Hader, eine Scheuerbürste und ein Waschfaß (Marienberg). Vgl. [522].

451. Langes Leben verschafft man sich durch viel Suppe essen, überhaupt durch langes Essen, namentlich zu Weihnachten ([44], [46] u. [242]).

452. Wachsthum: Wenn ein Schwein ([§ 21 e]) geschlachtet wird, so muß der Kleinste aus der Familie den Schwanz essen, dann wächst er im Jahre soviel, als der Schwanz lang ist (Schwarzbach). — 453. Wer wachsen will, gehe baarhaupt im Regen (Zwickau), vgl. [332]. — 454. Wer stark werden will, trinke viel Bier, insbesondere zu Weihnacht ([48]).

455. Wenn man früh aufstehen will, so stoße man vor dem Einschlafen so viel mal mit der großen Zehe des rechten Fußes an das Bettende, als die Uhr beim Erwachen zeigen soll (allg.). Will man eine halbe Stunde andeuten, so macht man einen Strich mit der Zehe (Zwickau). Andere (Sosa) rathen, dreimal drei auf die angegebene Weise zu pochen. Vgl. auch [35] u. [93].

456. Ein auch geistiger Segen ist angedeutet in dem Rath, sich mit Taufwasser zu waschen, wodurch man Gott näher komme ([344]).

457. Für Geldvorrath sorgt man, wenn man beim ersten Kukuksruf an den Beutel greift ([211]). Vgl. [33], [53], [287] u. [510].

458. Der Glaube an verborgene Schätze, die man durch Zauberei heben könne, ist im Gebirge nicht selten, und bis auf die neueste Zeit ist derselbe von schlauen Betrügern vielfach ausgebeutet worden. Wir erinnern nur an die Gerichtsverhandlungen vor dem Bezirksgericht zu Annaberg gegen die Somnambule Friederike Lahl aus Königswalde im Februar 1860. — 459. Hierher gehört auch der Aberglaube mit der Wünschelruthe (vgl. [§ 23 o]). Bei deren Erwähnung berichtet Wuttke selbst § 312 folgenden Fall, der wenigstens mittelbar in Bezug auf das Erzgebirge steht: „Ein Rittergutsbesitzer aus der Umgegend von Leipzig kam hier (Schwarzwasserthal bei Schwarzenberg) vor einigen Tagen (im Sommer 1859) an, um einen im Rufe des Schätzehebens und des Besitzes einer Wünschelruthe stehenden Bergmann zu holen, der die vermeintlich auf jenem Gute von den Franzosen 1813 vergrabene Kriegskasse mittelst seiner Wünschelruthe aufsuchen soll; der Bergmann wurde angeworben und erhält außer dem Reisegeld drei Thaler für den Tag und das Versprechen einer angemessenen Belohnung bei dem Gelingen seiner Kunstübung.“

460. Wenn ein Regenbogen am Himmel steht, so gehe man ohne Ausruhen nach dem Orte, wo er aufzutreffen scheint, dort liegt ein Schatz (Sosa), vgl. [119].

461. Die Vorstellung, sich durch Hilfe des Teufels Geld und Reichthum verschaffen zu können, liegt dem Glauben an den Drachen ([365]) und an den Getreideschneider zu Grunde ([155]).