538. Bei dem Aufbahren der Leiche legt man Alles, womit dieselbe gewaschen, gekämmt, barbiert u. s. w. wurde, mit in den Sarg. Auch ein Licht wird hinzugefügt, damit, wenn der Todte ja wieder erwachen sollte, es hell wäre (Grünstädtel). — 539. Auf die Leiche lasse man keine Thräne fallen, sonst stirbt man bald nach (Zwickau), vgl. [397]. — † 540. Man lege dem Todten keine Blume an den Mund, sonst holt sie bald ein anderes Familienglied nach (Marienberg). — 541. Alle Bänder, die bei einer weiblichen Todten um den Kopf herum sich befinden, müssen angesteckt werden, damit sie dieselben nicht in den Mund bekommt; sie würde dann daran kauen („kätschen“) und dadurch Jemanden aus der Familie nachholen (Lauter), vgl. [407]. — † 542. So lange die Leiche aufgebahrt ist, darf Niemand im Hause Brod essen, sonst fallen ihm die Zähne aus (Raschau), vgl. [397] u. Wuttke, § 382. — * 543. Stirbt in einem Hause die Frau, so heiratet der Wittwer diejenige, welche zum Begräbnisse zuerst in die Stube tritt; ebenso, wenn der Mann u. s. w. (Zwickau). Vgl. auch [248].

544. Ist der Leichenzug aus dem Hause, so wird die Hausthüre sogleich verschlossen, damit die Leiche nicht wieder komme. Das Gestelle, worauf der Sarg gestanden, wird umgestürzt * und das Haus gekehrt. Der dabei gebrauchte Besen wird weggeworfen. Die Thüre bleibt so lange verschlossen und es wird Niemand herein, noch heraus gelassen, bis das Trauergefolge von dem Begräbniß zurückgekehrt ist. Durch diese Vorsichtsmaßregeln verhütet man, daß die Leiche Jemanden aus dem Hause nachhole (allg.), vgl. [407]. — * 545. Unterläßt man bei einem Leichenbegängniß die Thüre zu schließen, so stirbt, wer zuerst nach dem Forttragen der Leiche in das Haus tritt (Geier).

546. Ueber die Wahrsagungszeichen bei dem Begräbniß vgl. [249][253].

547. An die Blumen auf den Gräbern darf man nicht riechen, sonst verliert man den Geruch (Lauter), vgl. [397].

Anhang.
Gespenster, Geister und gespenstige Thiere. Sagen.

§ 47 (386 ff.). Der Glaube an Gespenster, die man meist als ruhelos umherirrende Seelen auffaßt, ist im Gebirge weit verbreitet und Spuckgeschichten sind noch in den letzten Jahren vielfach hie und da (z. B. in Annaberg) aufgetaucht. Dem Gespensterglauben ist der Glaube an Geister nahe verwandt, und es sind namentlich „Berggeister,“ von denen Bergleute dies und jenes zu erzählen wissen. Die gespenstigen Thiere, wie der Drache, der Getreideschneider, der Alp u. s. w., sind bereits durch das früher Angeführte erledigt (vgl. [114], [155], [364], [365] u. [486]).

Hier führt uns der Aberglaube in das Gebiet der Sagen, von denen sich im Gebirge ein nicht unbedeutender Schatz findet. Viele derselben sind bereits gesammelt (vgl. Gräße, Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Dresden 1855, S. 313–412. Segnitz, Sagen, Legenden etc. aus der Geschichte des sächsischen Volkes, 2 Bde., Meißen 1839/41. Ziehnert, Sachsen’s Volksagen, 1. Aufl., 3 Bde., Annaberg 1838 ff., neue Ausgabe in Einem Bande, ebenda 1851). Viele derselben aber sind nur mündlich verbreitet. Von letzteren wollen wir die wenigen Mittheilungen, die uns in dieser Beziehung zugegangen sind, anschließen.

548. Es spuckt bei den Sandgruben, welche zwischen Buchholz und Schlettau an der sogenannten alten Straße liegen. — 549. Desgleichen ist es nicht geheuer bei der letzten Vertiefung, welche die Chaussee zwischen Schlettau und Scheibenberg macht, bei dem sogenannten Saubade, das seinen Namen von den wilden Schweinen hat, die sich lange vor Anlegung der Chaussee in dem sumpfigen Moorboden daselbst abkühlten.

550. Zwischen Geiersdorf und Königswalde, am linken Ufer der Pöhla, liegt eine Wiese (nach ihrem Besitzer die Reicheltwiese genannt), die, da dieselbe sumpfigen Untergrund hat, sehr weich und „papprich“ ist. In derselben soll ein Fuhrmann, der Salz geladen hatte, mit Wagen und Pferden versunken sein. Abends 9 Uhr erscheine derselbe mit seinem Fuhrwerk wieder, knalle mit der Peitsche und rufe: „Hüoh!“ — 551. Bei der Grube „Dorothea“ auf Geiersdorfer Gebiet und bei der Grube „Stern“ auf Mildenauer Revier läßt sich zu gewissen Zeiten ein Lichtchen sehen. — 552. In der Zschopau giebt es einen Nix, der jährlich sein Opfer fordert.

553. Auf dem Greifenstein bei Geier läßt sich der Kaspar sehen. Er erscheint in weißen Hosen, rothem Fräckel, großen Kanonenstiefeln und Bonaparthut. Man erzählt z. B.: eines Tages, Nachmittags 4 Uhr, als die Arbeiter eines Steinbruches, welcher dem Greifenstein sehr nahe liegt, ihr Brod verzehrten, ruft aus Unmuth einer von den Arbeitern gegen die Höhe des Felsens: „komm, Kaspar, iß mit.“ In demselben Augenblick kommt ein großer Stein vom Fels herab und fällt gerade neben dem Arbeiter hin. — 554. Als der früher in Ehrenfriedersdorf angestellte Förster Töpel eines Tages bei dem Greifenstein vorbeiritt, hingen soviel Gras- und Strohhalme von den nahen Bäumen herab, daß er kaum hindurchreiten konnte. Dabei bleiben einige Halme auf seinem Hute liegen. Als er daheim seinen Hut abnimmt, hat er um denselben eine goldne Kette. Es soll noch ein Stück von dieser Kette vorhanden sein.