1. Es ist besser, Vormittag zu säen, als Nachmittag (Frohnau), vgl. [468.] — * 2. Wenn man einen Tag lang Kartoffeln legt, so werden diejenigen, welche Vormittag gelegt sind, besser gedeihen, als die vom Nachmittag (Sosa), vgl. [5], [178] u. [468.]

§ 3. Unter den einzelnen Wochentagen giebt es Glücks- und Unglückstage, doch scheint keine volle Uebereinstimmung darüber zu herrschen, welche Tage heil- oder unheilbringend auf das an ihnen Unternommene einwirken. Glückstage sind insbesondere der Sonntag und Dienstag, Unglückstage der Donnerstag (als Tag des Donnergottes Thor) und der Sonnabend. Montag ist vorbedeutend für die ganze Woche. Freitag gilt, je nachdem die heidnische (Tag der Liebesgöttin Freya) oder die christliche (Todestag des Herrn) Anschauung zu Grunde liegt, als Glücks- oder als Unglückstag.

* 3. Das Vieh soll an einem Sonntag, Dienstag, Donnerstag oder Sonnabend zum ersten Mal ausgetrieben werden (Saida), vgl. [464.]* 4. Mittwoch und Sonnabend sind die besten Tage zum Waizensäen (Ehrenfriedersdorf, Frohnau), vgl. [468.]* 5. Nimmt man Montag Vormittag kein Geld ein, so nimmt man die ganze Woche hindurch wenig ein (Ehrenfriedersdorf), vgl. [229] ff. — * 6. Montags soll man nichts wegborgen (Geiersdorf). — † 7. Guckt Jemand Montags früh bei seinem Nachbar zum Fenster herein, so bringt dies für die ganze Woche Unglück (Grünstädtel). Mehr Sinn hat das, was Wuttke § 46 anführt: „Betritt Montags ein Jude als der erste das Haus, so giebt es einen Proceß“ (Franken). — 8. Nur Freitags soll man die Nägel abschneiden (allgemein), vgl. [121] u. [399.]* 9. Wenn man Freitags Brod in den Ofen legt, so entsteht Zank (Raschau), vgl. [178] u. [397.]

§ 4 (12). Durch das ganze Jahr zieht sich außerdem eine Reihe bestimmter Tage, die von besonderem Einfluß und Bedeutung sind und deren abergläubische Wichtigkeit ihren letzten Grund nicht in christlicher Sitte, sondern in dem Heidenthum unserer Urväter hat.

§ 5 (13 ff.). Weihnachtszeit. Unter solchen Schicksalstagen stehen die Tage vom Weihnachtsheiligenabend bis zum hohen Neujahr voran. Da feierten die alten Deutschen das Fest der Wintersonnenwende und meinten, die Götter hielten ihren Umzug über die Erde. Diese Tage heißen zusammen die Zwölfnächte, die zwölf heiligen Nächte, die Zwölften, die Unternächte, die Internächte, die Innernächte, die Loostage. Man rüstet sich zu denselben durch Reinlichkeit in Stall, Haus und an eigner Person und verrichtet während derselben keine Arbeit, namentlich keine landwirthschaftliche. Bestimmte Speisen sind zu genießen, andere zu meiden und auch die Hausthiere und die Obstbäume des Gartens werden in die Festfreude hereingezogen. Diese Tage sind, weil die Götter zur Erde niedersteigen, in ihrer Witterung und in den gewöhnlichsten Erlebnissen vorbedeutend für das ganze Jahr und Träume, sowie andere Schicksalszeichen öffnen einen Blick in die Zukunft. Je mehr man aber im Laufe der Zeit den Ursprung dieser Gebräuche vergaß, desto mehr hat man, den aus dem heidnischen Alterthum stammenden Aberglauben im christlichen Sinne umdeutend, ihn auf einzelne Tage unter den Zwölften beschränkt, namentlich auf die den drei hohen Festen der Weihnachtszeit, dem ersten Feiertag, dem Neujahr und hohen Neujahr (vgl. [325]) vorangehenden Tage, die sogenannten drei heiligen Abende und unter diesen nehmen wieder der Weihnachtsheiligeabend (24. December) und der Neujahrsheiligeabend oder Sylvester (31. December) die hervorragendste Stelle ein. Vgl. [§ 48][52] und [99].

§ 6 a. Ordnung und Reinlichkeit in Stall und Haus (vgl. [§ 8 d], aa). * 10. Der Dünger wird am Tage vor dem heiligen Abend zierlich mit der Mistgabel geflochten (vgl. [13], [414] u. [670]) und die Asche aus dem Ofen genommen (Grünstädtel). — Man streut Stroh in die frisch gescheuerten Stuben, um den Stall darzustellen (Lauter, Sehma). Die mit dem Stroh zusammenhängenden Gebräuche in der Weihnachtszeit (vgl. [19]) scheinen aus den heidnischen Opfern, die unsere Vorfahren zu dieser Zeit darbrachten, um ein fruchtbares Jahr von den Göttern zu erlangen, entstanden zu sein. Vgl. 672 und „die Zwölften in Thüringen“, Aufsatz in der illustrirten Zeitung 1861, Nr. 965.

b. Reinlichkeit in Kleidung etc. * 11. Man zieht am heiligen Abend neuwaschene Strümpfe an (Grünstädtel) oder man bekleidet sich am Neujahrsmorgen mit etwas Neuem (Marienberg), vgl. [71], [398] u. [445]. In Hessen ist, nach Wuttke § 15, letzteres dagegen verboten.

c. Heilige Ruhezeit. † 12. Während der Zwölfnächte wird nicht gedroschen (Marienberg); auch darf man nicht klöppeln, denn die Klöpplerinnen würden ihre Spitzen beschmutzen (Grünstädtel). Es ist dies moderne Umdeutung des heidnischen Aberglaubens, daß während der Zwölfnächte nicht gesponnen werden dürfe, sonst kommt Wodan oder die Frigga und zerzaust oder beschmutzt das Gespinnst. — * 13. Man hüte sich am Weihnachtsheiligenabend mit dem Dünger in Berührung zu kommen, dies bedeutet Miswachs (Marienberg), vgl. [10], [104] u. [397].

d. Bestimmte Speisen (vgl. [72] ff. u. [§ 49], i). † 14. Es werden neunerlei oder siebenerlei (beides heilige Zahlen) Speisen gegessen; doch begnügt man sich auch mit wenigeren. Dennoch aber hält man an bestimmten Gerichten fest (vgl. [398] u. [445]), namentlich am Christabend. Die gewöhnlichsten sind: 1. Bratwurst oder Schweinebraten (vgl. [§ 21, e]) mit Linsen, letztere, damit man viel Geld einnimmt, sowie 2. Häring mit Aepfelsalat. Die übrigen gebräuchlichsten sind etwa: 3. Grütze- oder Hirsebrei (vgl. [§ 23, q]), damit das Geld nicht ausgeht; 4. Buttermilch, damit man keine Kopfschmerzen bekommt, oder Semmelmilch, damit die Spitzen weiß bleiben (Raschau); 5. Rothrübensalat, damit man rothe Backen behält, oder Krautsalat oder Erdäpfelsalat; 6. Süßkraut, damit die Arbeit leicht werde, oder Sauerkraut mit Braten oder Wurst, auch Karpfen, Schöpsenfleisch und Weißkraut; 7. Klöse, damit viel Thaler einkommen; 8. getrocknete Pilze oder Schwämme, sauer oder gedämpft; 9. gebackene Pflaumen, vgl. Wuttke § 14. — † 15. Ueber die Speisen, die zu meiden sind, ist man ebenfalls nicht ganz einig. Während unter den vorgeschriebenen Gerichten sich hie und da auch Suppe, namentlich Biersuppe mit Mandeln und Erdäpfeln (als Klöse, Salat, Brei) finden, behaupten Andere: Man genieße keine Suppe, sonst tropft die Nase das Jahr hindurch (Ehrenfriedersdorf) und man esse keine Kartoffeln, sonst bekommt man Schwäre (Sosa). Letztere Wirkung wird auch den Erbsen zugeschrieben (Annaberg, auch Wuttke § 13). Zum Weihnachtsheiligenabend ist Saures, z. B. Salat (s. o.), erlaubt, dagegen Sylvester und Neujahr verboten (Marienberg), vgl. [397].

e. Hausthiere. * 16. Auch das Vieh muß seinen Antheil bekommen. — Die Kühe werden mit vielerlei Futter reichlich gefüttert und zwar mit dreierlei Fleisch, allerlei Gewürz, Wurzeln und Kräutern. Außerdem bekommen sie an jedem heiligen Abend etwas Nußkern auf Brod gesteckt mit Salz. Den Ziegen giebt man Häringsköpfe und Häringsmilch. Auch Pfeffer und Räucherkerzenasche oder ein Kräuterpulver, das in Bockau bei Schwarzenberg bereitet wird, streut man den Thieren unter das Futter. Befolgt man diese Regeln, so giebt das Vieh gute und reichliche Milch und bleibt vor Krankheit und Hexerei verschont (allg.), vgl. [76], [96], [426] u. [462] ff. — * 17. Man lasse (am Sylvester) die Pferde in die Röhre sehen, dann geräth der Hafer (Zöblitz), vgl. [428] u. [470]. — 18. Man füttere die Hühner mit Hirse ([§ 23, q]) oder innerhalb eines Reifens, dann legen sie die Eier nicht weiter (allg.), vgl. [50], [78] u. [432].