f. Obstbäume. † 19. Die Obstbäume werden, damit sie reichlich tragen, beschenkt, d. h. der Hausherr umbindet sie in der Mitternachts- oder wenigstens in einer Abendstunde mit einem Strohseile (vgl. [10]), wobei er den Spruch: „Wachse immer fort, Gott segne deine Frucht“ oder einen ähnlichen betet und dann den Baum dreimal im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes bekreuzt (allg.); oder man bindet den Obstbäumen etwas mittelst eines Tuches um. Das Tuch läßt man am Baume verfaulen (Geier), vgl. [81], [421] u. [465].
g. Witterung. 20. Wie die Witterung in jeder der Zwölften ist, so ist sie in dem entsprechenden Monat des Jahres (allg.). — 21. „Ist auf Weihnachten viel Wind, im nächsten Jahr voll Obst die Bäume sind“ (Annaberg). Wodan, der wilde Jäger, schüttelt die Bäume. — * 22. Wenn die Obstbäume während der Innernächte viel Schnee tragen, wird viel Obst (Frohnau, Raschau). — * 23. Wenn es in den zwölf Nächten nicht von den Dächern tropft (d. h. thaut oder regnet), so geben die Kühe wenig Milch (Marienberg). — * 24. Geht starker Wind, so wird Krieg (Raschau) oder viel Schadenfeuer (Saida). Vgl. auch [791]–[793].
h. Träume (vgl. [§ 29]): 25. Was man je in diesen Nächten träumt, geht in den entsprechenden Monaten in Erfüllung (allg.), doch darf man die Träume Niemandem erzählen (Schneeberg), vgl. [281].
i. Andere Anzeichen und Vorbedeutungen: * 26. Werden zufällig drei Lichter auf den Tisch gesetzt, so ist eine Braut im Hause (Raschau); gilt auch zu anderer Zeit, vgl. [240] u. [499]. — * 27. Wer das Licht aus Versehen auslöscht oder ausputzt, stirbt (Johann-Georgenstadt) oder es stirbt Jemand aus der Familie (Geier), vgl. [276] u. [530]. — † 28. Hat (am Sylvester) Jemandes Schatten an der Wand einen großen Kopf, so bedeutet es Glück (Marienberg); erscheint dagegen Jemandes Schatten ohne Kopf, so stirbt der betreffende im neuen Jahre (Annaberg, Raschau). Letzteres scheint mit dem von Wuttke § 63 angeführten Aberglauben Tirols zusammenzuhängen, daß gewisse Leute in der Sylvester-Mitternacht die, welche im neuen Jahre sterben, um den Altar der Kirche zum Opfer gehen sehen; erblicken sie ihre eigne Gestalt ohne Kopf, so sterben sie selbst. — 29. Es ist nicht gut, wenn etwas von der Wand fällt (Marienberg); gilt auch zu anderer Zeit, vgl. [247]; oder wenn man etwas zerbricht (Marienberg, Annaberg) oder sich ärgert oder eine taube Nuß bekommt (allg.), vgl. [291]. — * 30. Wird (zum Sylvester) am letzten Brode gegessen, so wird das ganze Jahr nur Ein Brod im Hause sein (Elterlein), vgl. [397]. — * 31. Auch soll man nicht mangeln (mandeln), sonst hat man Mangel (Annaberg); bloßer Wortwitz. — * 32. Wer beim Ankleiden zufällig etwas (z. B. die Weste) verkehrt anzieht, dem geht es im neuen Jahre verkehrt (Elterlein), vgl. [276]. — * 33. Läßt man das Feuer im Ofen ausgehen, so geht das Geld im Laufe des Jahres aus (Geier), vgl. [276]. — * 34. Wer sich beim Gebete verspricht, stirbt in dem Jahre (Raschau), vgl. [276], [397] u. [530]. — * 35. Wer (am Sylvester) recht arbeitet, ist das ganze Jahr fleißig (Sosa), vgl. [455]. — * 36. Fällt in der Weihnachts- oder Sylvestermette (vgl. [§ 49] und [§ 51]) während der Predigt ein Sitzbret in der Kirche um, so stirbt bald Jemand (Ehrenfriedersdorf), vgl. [254] u. [530]. — * 37. Neigt sich während dieser Mette ein Licht auf dem Kronleuchter seitwärts, so bricht in dem nach dieser Richtung zunächst gelegenen Orte im folgenden Jahre ein großes Feuer aus (Elterlein), vgl. [256] u. [257].
k. Erforschen der Zukunft: 38. Man gießt Blei, setzt Korn- oder Salzhäufchen, wirft den Pantoffel, Aepfelschalen, guckt in die Esse, horcht auf das Geräusch, welches der Ofentopf macht oder draußen an einem Fensterladen, läßt Nußschalen schwimmen u. s. w. (allg.). Vgl. [227], [216], [288]–[294], [296]–[307], [309]–[315], [318]–[322].
l. Andere Maßregeln: * 39. Man koche reichlich (Grünstädtel), vgl. [446]. — * 40. Man brenne keine ungerade Zahl Lichter auf dem Christbaum (Zwickau), vgl. [397]. — * 41. Man esse auf dem Säetuch (Grumbach, Mauersberg, Lauta bei Marienberg). — † 42. Es darf nicht eine ungerade Zahl von Personen, namentlich nicht dreizehn, zu Tische sitzen, sonst stirbt Eines davon im Laufe des Jahres (allg.); gilt auch überhaupt, vgl. [234], [397] u. [530]. — * 43. Man schneide an jedem der drei heiligen Abende ein neues Brod an (Elterlein), vgl. [446]. — * 44. Wer viel Suppe ißt, lebt lange (allg.); gilt auch überhaupt, vgl. [242] u. [451]. — * 45. Man esse von den verschiedenen Speisen mindestens je drei Löffel voll (Elterlein), vgl. [446] u. [484]. — * 46. Wer am längsten ißt, lebt am längsten (Ehrenfriedersdorf), vgl. [451]. — * 47. Man esse sich recht satt, dann hungert man das ganze Jahr nicht (Zwickau). — * 48. Man trinke viel Bier, damit man stark werde (Marienberg), vgl. [74] u. [454]. — * 49. Kein Gericht werde ganz aufgegessen, dann hat man immer gefüllte Küche (Elterlein), vgl. [376] u. [447]. — * 50. Während des Essens darf Niemand vom Tische aufstehen (Ehrenfriedersdorf), vgl. [397]; oder wenn man eher aufsteht, als die Anderen, verlegen die Hühner (Voigtsdorf), vgl. [18], [78] u. [432]. — 51. Man verborge, verkaufe oder verschenke nichts, sonst giebt man den Segen weg oder wird verhext (allg.), vgl. [118], [132], [171], [386] u. [389]. — * 52. Wenn man sich das Licht bei einem Andern anzündet, so bedanke man sich nicht (Ehrenfriedersdorf), vgl. [393] u. [397]. — * 53. Man gebe (am Neujahrstage) kein Geld aus (Marienberg), vgl. [397] u. [457]. — † 54. Man halte den Ofentopf immer voll Wasser (Annaberg, Geier), vgl. [446]. — * 55. Man verschneide sich weder Nägel noch Haare, sonst bekommt man böse Gliedmaßen (Schwarzenberg), vgl. [397]. — * 56. Wenn man zur Metten (vgl. [36] u. [37]) geht, nehme man das heilige Abendlicht (vgl. [58]) nicht vom Tische weg, sonst stirbt man in dem neuen Jahre (Raschau), vgl. [397] u. [530].
m. Als Erinnerung an den Umzug der Götter in dieser Zeit kann Folgendes gelten, was namentlich am Christabend beobachtet wird. — 57. Die Reste der Speisen läßt man die Nacht über auf dem Tische stehen oder wenigstens das in das Tischtuch eingeschlagene Brod daselbst liegen (allg.), damit die Abgeschiedenen — oder vielmehr die auf Erden weilenden Götter — davon genießen können (Sehma), oder damit es das ganze Jahr nicht an Brod fehle (Elterlein). — * 58. Man brennt das sogenannte Heiligabendlicht, ein starkes Inseltlicht, welches während des Abendessens auf dem Tische bleibt und nicht hinweggenommen werden darf. Der Rest des Lichtes wird aufgehoben und bewahrt das Haus vor Blitzschlag (allg.), vgl. [334] u. [420]. — * 59. Man reinige die Tenne in der Scheune sorgfältig, weil die Abgeschiedenen — die Götter, vgl. [57] — um Mitternacht dort tanzen (Annaberg) oder ihre Metten halten (Raschau). — 60. Alles Wasser verwandelt sich Nachts zwölf Uhr in Wein (allg.), vgl. [100]. — 60 b. Am zweiten Weihnachtsfeiertag gehen die Burschen zu den Jungfrauen: „Frischgrün-Peitschen,“ d. h. sie schlagen dieselben mit ausgeschlagenen Birkenruthen, die mit einem rothen Bande zusammengebunden sind. Dafür werden sie mit Stollen bewirthet. Am dritten Weihnachtsfeiertag thun die Jungfrauen den Burschen desgl. (Zwickau), vgl. [93] und „die Zwölften in Thüringen,“ Aufsatz in der illustrirten Zeitung, 1861, Nr. 965.
Aus den Tagen des Januar genießt noch der sogenannte „Knotentag“ Beachtung.
* 61. Am Knotentage, d. i. am Tage Fabian Sebastian (20. Januar) darf man keine Pflanzen stecken (Mittweida), vgl. [397] und auch [698]–[705].
§ 7 (27). Fastnacht. Im Laufe des Februar begingen die alten Deutschen eine Vorfeier des Frühlings, die entweder je nach der nördlicheren oder südlicheren Lage in die erste oder in die zweite Hälfte des Monats fiel und deren Festlichkeiten später meist zu Fastnacht vereinigt wurden. Es fand nach altdeutscher Mythologie der Götterumzug der Hertha statt, der im Umzug der Priester und des Volkes nachgeahmt und jetzt noch in den Fastnachtsmummereien und den um „Kräppel“ bettelnden Kindern einen schwachen, entstellten Nachhall findet. Mancher Aberglaube der Weihnachtszeit, wo Wodan mit den Göttern dahinbrauste (vgl. [21]), wiederholte sich daher hier, nur daß die Beziehung auf Hertha, als der Beschützerin häuslicher Geschäfte und namentlich des Flachsbaues, deutlicher hervortritt. Pfannkuchen und Fastenbretzeln, Gebäcke, die insbesondere zu Fastnacht gebacken und verspeist werden, sind wohl als Ueberreste heidnischer Opfer- und Festgerichte, jene als Abbilder der Sonnenscheibe, diese des Sonnenrades mit den Radspeichen oder von Thor’s Hammer (Wuttke § 27) zu betrachten, die man christlich in Erinnerungszeichen an den Schwamm, mit dem Christus getränkt und in die Fessel, mit der er gebunden wurde, umdeutete. Daß auch die Fastnacht vorbedeutend für die Zukunft sei, lag nach der heidnischen Auffassung unserer Urväter nahe. Vgl. § 53 u. Friedrich, norddeutsche Fastnachtsgebräuche, Aufsatz in den Hausblättern von Hackländer und Höfer (Stuttgart), 1860. 5. Heft.