§ 82. Die Kleidung sowie die häusliche Einrichtung des Landmanns hat immer noch gewisse feststehende Formen, die aber auch mannichfachen Modifikationen nach Geschmack und Vermögensumständen unterworfen sind. Es kann daher das hier Gesagte nur einen relativen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit haben.

a. Die Kleidung. 668. Die Kopfbedeckung bei der häuslichen Arbeit ist entweder ein Käppchen von schwarzem Sammtmanchester oder eine sogenannte „Schwanzmütze“. Letztere ist aus buntem Baumwollengarn, ähnlich einer Nachtmütze gewirkt. Auf dem Felde trägt man einen niedrigen Filz- oder Strohhut, mitunter von etwas grotesker Form, oder eine Tuchmütze. — Das Haar wird schlicht gekämmt getragen. Nur noch bei alten Bauern findet man es nach dem Hinterkopf bis in den Nacken gewöhnt und dort mit rundgebogenen Messingkamm zusammengehalten; darauf den dreieckigen Hut, den sogenannten „Nagelzwicker.“ — Im linken Ohr hängt häufig ein silberner Ohrring, in dessen innerer Fläche zuweilen der Anfangsbuchstabe des Besitzers, ebenfalls aus Silber gearbeitet, angebracht ist. — Um den Hals wird ein rothes oder gelbes Kattuntuch, über das der Hemdkragen von gröberem Zwillich sich legt, lose geschlungen. — Die Weste reicht meist vom Halse bis über die Magengegend und ist aus blauem Sammtmanchester oder scharlachrothem Wollenstoff oder sonst einem bunten, geblumten Zeuge, mit einer Reihe blanker Knöpfe aus Zinn, Neusilber oder Messing. Bei älteren Leuten sieht man mitunter an der Sonntagsweste (statt Weste sagen diese „Brustlatz“), Silbergeldstücke, z. B. Zwanzigkreuzer, halbe Gulden, mittelst Henkel als Knöpfe verwendet. — Die silberne, auch stählerne oder messingene Uhrkette meist mit Uhrschlüssel und Petschaft zieht sich entweder quer über die Brust oder „baumelt“ unter der Weste hervor. — Die Beinkleider sind gewöhnlich schwarze oder gelbe Lederhosen, die entweder bis unter die Kniee oder bis zu den Knöcheln reichen, wo dieselben gebunden werden. Die Füße und den noch unbedeckten Theil des Beines schützen dann Stiefeln mit höheren oder niedrigeren Schäften, entweder Aufschlag- oder Steifstiefel, oder auch graue, blaue oder weiße Strümpfe und dazu derbe Schnallenschuhe. Der ältere, ärmere Landmann trägt wohl auch sogenannte Beinstrümpfe, die vom Knie bis an die Knöchel reichen und aus Leinwandstreifen zusammengenäht oder im Ganzen (aus Wolle gestrickt) sind; der Fuß ist dann bloß. — Das Obergewand bildet entweder die Jacke („Koller“ oder „Wamms“) oder der Rock, letzterer sehr lang, erstere mit Taschen an der äußeren Seite. Der Stoff ist entweder blaue Leinwand oder grobes, meist blaues Tuch. Die Jacke wird häufig auch von schwarzem oder blauem Sammtmanchester getragen, mit großen Metallknöpfen besetzt. Im Winter wird der Mantel oder der Pelz angezogen; letzterer meist ein Schafpelz ohne Ueberzug, ein sogenannter „Zippelpelz“. Im Sommer arbeitet man viel ohne Oberkleid, die Hemdärmel heraufgeschlagen und baarfuß. Dazu trägt man noch eine hohe, gewöhnlich blaue Leinwandschürze, oder eine ungefärbte Lederschürze. Der obere Theil derselben dient dann zugleich als Tasche zur Bergung des Schnupftuches, der Pfeife oder Schnupftabaksdose.

669. Die Bauerfrau trägt Wochentags eine Haube von dunklem Zeuge oder ein rothes Kopftuch, „Gucke“ genannt. Der Zopf ist einfach geflochten. Den Oberkörper verhüllt ein enganliegendes Leibchen nebst buntem Halstuch. Die Arme sind bis auf die kurzen Hemdärmel bloß oder es wird eine dunkelfarbige Jacke („Kaschet“ oder „Kundusch“) von Tuch, Kattun oder einem ähnlichen Zeuge, im Winter mit Pelz gefüttert, angezogen. Der kurze Rock ist von Flanell oder einem entsprechenden Wollenstoff meist roth oder roth gestreift nebst blauer Schürze. Dazu kommen noch blaue oder weiße Strümpfe und rindslederne Knorrenschuhe oder wohl auch bloße Füße in Holzpantoffeln. Am Sonntag fehlt es nicht an mancherlei Schmuck und Putz: weiße Haube mit bunten Atlasbändern und Rosetten, schwergoldene Ohrringe, Halskette mit Dukaten, seidenes Kleid mit Bauschärmeln, baumwollene Handschuhe und Taschentuch, buntseidene Falbelschürze, weiße Strümpfe und zierliche Schuhe.

§ 83. b. Lage der Gebäude: 670. Gewöhnlich bilden die Gebäude eines Bauerngutes ein geschlossenes Viereck. Die dem Dorfe zugekehrte Vorderseite bilden der Giebel des Wohnhauses, die durch ein Thor geschlossene Einfahrt, an die oft noch ein Schuppen stößt, und die Giebelseite der Scheune. Der Vorderseite des Wohnhauses sammt dem Stalle liegt die Scheune gegenüber, während die hintere Schmalseite der Schuppen und eine nach den Feldern führenden Ausfahrt, das Feldthor, einnehmen. Unmittelbar an diese Baulichkeiten gränzt der Blumen- und Gemüsegarten nebst dem mit Obstbäumen besetzten Grasgarten, an die sich dann als weitere Umgebung des Gutes die Felder und Wiesen anschließen. Im Hofraum sehen wir, nahe bei dem an den Stall angrenzenden mit Pfosten belegten Jauchenloch, den mit der Düngergabel geflochtenen Misthaufen (man sagt: „ein Misthaufen mit der Gabel geflochten ziert das ganze Gut“, vgl. [10]), ein Häuschen für die Tauben, wenn diese ihren Schlag nicht an der Giebelseite des Wohngebäudes haben, die Hundehütte, aufgeschlichtetes Scheitholz und dergl.

§ 84. c. Die einzelnen Gebäude. 671. Wohnhaus und der Stall sind meist im Erdgeschoß von Bruchsteinen (Gneus oder Schiefer), wohl auch von bloßem Balkenwerk mit Lehmziegeln ausgesetzt, das Stockwerk aus Fach- oder Klebwerk erbaut. Der Anstrich vorherrschend weiß, die Balken schwarz, roth, braun oder blau. Die Fenster des Wohngebäudes sind klein, meist 4 oder auch 6 Scheiben enthaltend, deren eine in einem verschiebbaren Rahmen eingelassen ist. Die Rahmen, Fensterladen und Thüren entsprechen mit ihrem Anstrich dem übrigen Holzwerk des Gebäudes. Ueber der Hausthür, die gewöhnlich in eine Ober- und Unterthüre, von denen die erstere am Tage offen steht, getheilt ist und deren Gewände Holzpfosten sind, stehen gewöhnlich außer der Hausnummer die Anfangsbuchstaben des Besitzers und das Jahr der Erbauung (oder man findet auch diese Angaben in den mittleren Balken der Wohnstubendecke eingeschnitten), vereinzelt noch ein frommer Hausspruch, z. B.: „Alles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad’ gelegen.“ — Das Dach ist meist mit Stroh, oft auch mit Schiefer gedeckt. In ersterem Falle ist der First mit Schindeln oder Rasen belegt. Die Feueresse streicht man, wenn sie äußerlich mit Bretern verkleidet ist, wie das übrige Holzwerk an. An der Giebelseite fehlt selten die Käsedarre. — 672. Durch die Hausthüre (der Platz vor derselben wird hie und da „Heist“ genannt) tritt man zunächst in die mit Schieferplatten gepflasterte oder mit Lehm ausgetretene geräumige Hausflur, die man zur Winterszeit mit Stroh auszulegen pflegt (vgl. [10]). Daselbst befindet sich öfters, wenn es nicht im Hofe seinen Platz hat, das Wasser- und Milchhaus. In letzterem schwimmen die mit Milch halb gefüllten Blechtöpfe, darüber hängen die blankgeputzten „Milchseier“ und daneben lehnen thönerne Milchäsche und die weißgescheuerten „Scheffelgefäße“ (d. h. Kannen, kleinere Fässer und dergl.). Hier steht auch das Butterfaß mit der „Butterstörl“ (Scheibe mit Stiel zum Buttern) oder die „Butterrolle“ (Rolle, um das Butterfaß hin und her zu schwingen). In der Nähe des Wasserhauses ist gewöhnlich der Trog, wo das Viehfutter bereitet wird, in den durch eine Röhre heißes Wasser aus der an die Rückwand anstoßenden Küche unmittelbar zu leiten ist. Sonst findet sich in der Hausflur noch der Brodschrank („Kappel“ oder „Almet“), öfters auch ein Schrank mit allerlei Küchengeschirr. An der Balkendecke sind vorsorglich „Schwalbenbretchen“ angebracht, damit der gerngesehene Vogel hier sein Nest aufbaue (vgl.[§ 22 i]). — 673. Wir wenden uns rechts, wo die rothangestrichene Thüre, in der sich ein „Guckfenster“ befindet, durch das der Hausherr das in der Flur und dem gegenüberliegenden Stall arbeitende Gesinde beobachten kann, zur Wohnstube führt. Diese ist geräumig, mit drei Fenstern nach dem Hof und zwei nach der Giebelseite. Der vordere Theil derselben ist oft mit Steinplatten belegt, der übrige gedielt. Im Winter wird der Fußboden auch hier, wie in der Hausflur, mit Stroh belegt. Die Wände sind weiß oder gelb angestrichen, die Decke tragen mächtige, von der Zeit oder auch mit Farbe geschwärzte Balken. Hie und da sind auch die Wände aus Holzbohlen, in die Fugen derselben steckt man dann in der Nähe des Spiegels die Pathenbriefe. Ueber der Thüre sind die Wochenbuchstaben zu einem immerwährenden Kalender angemalt und oberhalb derselben das „Kuppchenbret“, zum Aufbewahren der täglich in Gebrauch kommenden Kaffeetassen (von denen man die Obertasse auch „Kuppchen“ nennt). Rechts von der Thüre steht das „Seegerhaus“ mit der Wanduhr und daneben das Tellerbret oder „Zübrät“ mit Schüsseln und Tellern von Zinn, Steingut oder Thon. Links hängt ein weißes, breitgespanntes, mit Spitzen oder Franzen besetztes Handtuch, hinter dem das zum täglichen Gebrauch verwendete versteckt ist. Daneben zieht sich die Ofenbank um den umfangreichen Ofen, gewöhnlich einem sogenannten Gabelofen, mit eisernem Kasten und grünem Kachelaufsatze. Hinter diesem befindet sich die behagliche „Hölle“. Oberhalb desselben sind an der Decke Stangen, die sogenannte „Wäschtreiche“, angebracht und die Decke des Ofens wird als Trockenplatz für Spähne, Schalen, Obst etc. benutzt. Oft steht auch auf dem Ofen ein Gestelle zum Trocknen der Käse oder der würflich geschnittenen Möhren oder Runkelrüben, die man dann feingemahlen dem Kaffee zusetzt. In der Nähe hängen Majoranbündel zum Abdörren, deren abgestreifte Blätter der Blutwurst zugemischt werden. In der Fensterecke thront der große, unten mit Querleisten versehene Familientisch, hinter dem sich längs beider Wände Bänke hinziehen und um den hölzerne Stühle oder Schemmel stehen. Hie und da nimmt ein langes, schlichtes Kanapee, wohl auch ein einfaches Pult, einen Theil der Wand ein; oder ein Schränkchen, eine offene Nische und dergl. dient als Aufbewahrungsort von einem Messerkörbchen, sowie von Bibel, Gesangbuch und Kalender, wenn letzterer nicht in Gemeinschaft mit der Ruthe, dem „Birkengottfriedel“, hinter dem kleinen, schräg von der Wand abhängenden Spiegel steckt. Die Fenstersimse sind theils mit Blumentöpfen besetzt, in denen Rosmarin-, Balsamin- und Muskatstöckchen, Katzenkraut, Fuchsien und dergl. von der Hausfrau gepflegt werden, während der Hausherr sich mehr für die selten fehlende Lerche, Meise oder sonst einem im Käfig gehaltenen Singvogel interessirt. Als Schmuck der Wände sieht man fast überall einige eingerahmte Bilder mit ziemlich handwerksmäßigen bunten Lithographien, entweder Darstellungen aus der biblischen Geschichte, aus der Geschichte des Tell, der Genoveva u. s. w., wohl auch ein Portrait von Franz Drake, dem Kartoffeleinführer, oder sonst einem Volksfreund, nicht selten auch sogenannte Spruchblätter, z. B. mit den Worten: „des Morgens denk an deinen Gott, des Mittags iß vergnügt dein Brod, Abends verschlafe deine Noth“. Von Geräthschaften, die sich meist dauernd in der Wohnstube befinden, gedenken wir noch der „Käsebank“ zum Bereiten der Käse, der Handmandel, eines Bretes nebst Walze zum Glätten der Wäsche, des Spahnleuchters, eines zwei Ellen hohen Gestelles, oben mit einer Zange zum Einklemmen der langen Leuchtspähne, sowie der über den großen Tisch hängenden Blendlampe. Sämmtliches Holzwerk der Stube, wie Thüren, Fenstergewände und Rahmen, Tische, Bänke, Stühle u. s. w. sind gewöhnlich roth oder blau angestrichen. — 674. Neben der Wohnstube befindet sich häufig ein einfenstriges Nebenstübchen, „Stöbel“ genannt, der Aufenthaltsort der Herrschaft am Tage, mit einfachem Meublement und den Hausgeräthen, die vom Hausherrn und der Hausfrau gebraucht werden. — 675. Von da führt eine Thüre in die Küche, die mit Ofen, eingemauertem Kessel und Heerd, über dem sich der weite Schornstein öffnet, mit Küchentisch, Küchenbank, Topfbret, an dem die bunte „Salzmeste“ und das Löffelgesteck hängt, ausgestattet ist. Oefters wird aber auch, da der Wohnstubenofen zugleich zum Kochen verwendet wird, die Küche nur durch einen zum Kaffeebrennen u. s. w. verwendbaren Heerd vertreten. — 676. An die Küche grenzt der Backofen, der nur in wenigen Bauergütern fehlt. Daneben ist die Treppe, die zum Keller führt. Hier lagern die Vorräthe an Kartoffeln, Möhren, Kraut, Runkel- und Kohlrüben. In einem „Kellerloch“ stehen Töpfe mit eingesottenen Preiselsbeeren, Flaschen mit getrockneten Schwarzbeeren, Körbe mit schwarzem Rettig, Meerrettigstangen etc. Aus einem Winkel duften uns Fässer mit Sauerkraut, saueren Gurken, wohl auch mit Pöckelfleisch entgegen, während an der Wölbung ein paar Schinken hängen. Ein Fäßchen Bier und einige Flaschen Schnaps dagegen kommen seltener vor, da die nahe Schenke jetzt derartigen Bedarf liefert.

677. Auf der anderen Seite der Hausflur liegt der Stall. Die Eingangsthüre desselben ist öfter zum Schutz gegen die Kälte mit Strohbändern umflochten, während die Wohnstubenthüre nicht selten an der Außenseite ein dickes Strohpolster trägt. An der inneren Stallthüre hängen Kartätsche, Striegel und „Pferdeschwanz“, daneben lehnen die Mistgabel, der Misthaken („Mistkralle“, „Mistgrahl“, auch „Mistkratze“ genannt) und Besen. Auf zwei Stangen in halber Höhe ruhen die Scheffel oder „Stötze“ (Kübel zum Futterreichen), während auf der anderen Seite Geschirre, Peitschen und anderes Geräth an der Wand hängen. In der Nähe der Küche steht, wenn es nicht in der Hausflur seinen Platz hat, das Brühfaß, auch Siedfaß oder Stampftrog genannt, in welchem das Wurzelwerk für das Vieh mittelst eines scharfen, schlangenförmigen Eisens gestoßen und mit heißem Wasser aufgebrüht wird. Unweit der Pferde findet sich ein großer Kasten mit Häckerling, nebst Sieb und Saufeimer. In der Mitte des Stalles zieht sich ein Plattengang hin, zu dessen Seiten das „Sudelgleiß“ läuft, in welchem die Unreinigkeiten in das Sudel- oder Jauchenloch fließen. Rechts und links befinden sich die Stände des Rindviehes und der Pferde, während an der Wand die Tröge oder Krippen, darüber die Raufen oder Leitern angebracht sind. Im hinteren Theil findet man wohl noch Ziegen aufgestellt, sowie das Behältniß für die Schweine, darüber den Hühnerstall. Am Boden haben Kuhhasen und Kaninchen ihre Wohnung und aus einer Ecke schnattern uns Gänse und Enten entgegen.

678. Von der Haustür führt eine meist hölzerne Treppe in das obere Stockwerk. Wir treten auf einen geräumigen Saal, „Boden“ genannt, wo ein paar große Schränke mit Namenszug und Jahreszahl, die den sonntäglichen Anzug der Bauersleute bergen, eine Ziehmandel, die Häckerlingslade (wenn diese nicht im Schuppen ihren Platz hat) und ähnliche Geräthe stehen. Links ist die Oberstube, d. i. die gute Stube und der Stolz der Bauerfrau. Hier erblicken wir den Glasschrank von Eichenholz, darin die „Hausräthe“ z. B. den zinnernen Kaffeekessel, Teller mit Reimsprüchen, die buntgemalten Geburtstagstassen, seidene Zulpe und Anderes. In der Mitte steht ein altväterischer Tisch. Polsterstühle und ein buntgemustertes Kanapee mit Lehne voll Schnitzwerk laden zum Sitzen ein. An der Wand hängen der Spiegel, hinter dem rechts und links je eine Pfauenfeder gesteckt ist, Bilder unter Glas und Rahmen u. s. w. In der angrenzenden Schlafkammer begrüßen uns zwei Himmelbetten, deren Betthimmel mit Bildern aus der biblischen Geschichte geziert ist. Ein Kleiderschrank dient zur Aufbewahrung der Alltagskleider. Neben der Schlafkammer ist gewöhnlich noch eine andere Kammer, die zur Bergung von allerlei Vorräthen (Brod, Mehl, Kleie, Obst etc.) oder von Wirthschaftssachen (Spinnrad, Siebe, Geschirre etc.) benutzt wird. — Auf der anderen Seite des Saales ist ein Gang, zu dessen beiden Seiten je die Kammer für die Knechte und Mägde sich befindet. Das Bett derselben besteht aus Stroh, darüber ein Strohtuch, Zudecke und Kopfkissen. Ihre Habseligkeiten haben sie in buntgemalten Laden oder Truhen verschlossen. Daran schließen sich andere Kammern, wohl auch das Stübchen für den Auszügler, oder der übrige Raum ist als Heuboden benutzt.

679. Eine Holztreppe leitet von dem Saal auf den Boden, „Oberboden“ genannt. Ein Theil desselben dient zum Trocknen der Wäsche, in einem anderen ist das ausgedroschene Getreide (Korn, Gerste, Hafer, Lein) aufgeschüttet. An der Giebelseite führt eine Leiter zu dem Taubenschlag, während an der Feueresse eine eiserne Thüre die Rauchkammer mit dem zu räuchernden Schweinefleisch („Schwärtel“ genannt) und Würsten verschließt.

680. Wir verlassen das Wohnhaus und wenden uns nach der auf der anderen Seite des Gehöftes gelegenen Scheune, die in ihrem unteren Theil (etwa 3 Fuß hoch) entweder von Bruchsteinen oder von Fachwerk erbaut ist, im oberen meist blos aus Breterwand besteht und mit Stroh gedeckt ist. An dem großen Thore ist gewöhnlich ein erlegter Raubvogel mit ausgebreiteten Flügeln angenagelt, „um die Hühner von dem Getreide abzuhalten“ (vgl. [412]). Der Fußboden der Tenne besteht entweder aus Pfosten oder seltener aus festgetretenem Lehm. An den Wänden hängen oder lehnen die Sense, der Dreschflegel, der Rechen, die Stroh- und Schüttelgabel, die Wurfschaufeln, die „Schwingmultern“ (eine Mulde, in der das Getreide geschwungen und dadurch gereinigt wird), das Sieb und dergl. Auf der Tenne liegen „Knotten“ (Samenkapseln des Flachses), Strohseile etc. Rechts und links von der Tenne sind zwei Ellen hohe Breterwände mit sich entsprechenden Oeffnungen zur Befestigung der „Riffelbank“, die zum Abstreifen der Knotten des Flachses dient. Jenseits dieser Breterwände ist je ein Panzen, auch „die Pansel“ oder „der Panze“ genannt, wo Korn-, Waizen- und Hafergarben, sowie Wicken- und Erbsenbündel, Strohschütten u. s. w. liegen. Ueber der Tenne öffnet sich in der Decke das Loch zum Boden, um die in die Tenne gefahrenen Getreidegarben unmittelbar hinaufzureichen. Eben dahin führt auch eine Holztreppe aus einem der Panzen. Außer den unausgedroschenen Getreidevorräthen ist gewöhnlich auch ein Theil des Scheunenbodens mit Heu gefüllt.

681. Der Schuppen, der in seinem oberen Theile öfters durch einen verdeckten Bretergang unmittelbar mit der Scheune zusammenhängt, ist meist blos aus Balken und Bretern erbaut. Unter dem Dache hängen große Leitern und das geöffnete Thor zeigt uns im Innern die Leiter- und Truh- (Kasten-) wagen, daneben wohl die zierliche Chaise oder das blaue Planwägelchen des Landmanns, nebst dem grünangestrichenen „Butterwagen“ der Bauersfrau. Im Hintergrunde stehen die verschiedenen Schlitten, wenn man sie nicht auf in der Höhe angebrachte Balken gehoben hat. Eine verschließbare Abtheilung enthält allerlei Heizungsmaterial: gespaltenes Holz, Torf, „Reißigbüschel“ (Reißigbündel). Andere Abtheilungen oder auch ein abgesonderter kleiner Schuppen, „Schöppel“ genannt, dient als Aufbewahrungsort der verschiedenen landwirthschaftlichen Geräthschaften, als da sind: Pflug und Egge, der „Krimel“ (ein Ackergeräth, ähnlich der Egge), Schiebbock und Schubkarren, Walze, Winde, Hacken und Schaufeln, das Grabscheit u. s. w. Dort steht das Tengelzeug und der Schleifstein, hier liegen die „Jauchenzober“ oder Jauchenfässer. Eine angrenzende Kammer enthält allerlei Werkzeug, eine Schnitz- und eine Hobelbank, wohl auch eine Drehbank, daneben Axt und Säge, Hammer und Meisel, Bohrer, Feilen u. s. w. In dem Schuppen steht auch gewöhnlich die Häckerlingslade, auch Gehackbank, Häckermaschine genannt; auch hat er Raum für allerlei „Gerümpel“ und unbrauchbar gewordene Geräthe. In Wirthschaften, die Flachsbau treiben, fehlt auch die Hechelkammer nicht mit der Brechmaschine und anderen zur Flachsbereitung erforderlichen Gegenständen. Hier sind wohl auch „Kluhmen“, die gehechelten „Flachsbündel“ aufgehäuft, während in einem Winkel „Brechenden“, die beim Brechen des Flachses abfallenden Hülsen, welche zum Anfeuern benutzt werden, liegen. Unterhalb des Schuppens befindet sich zuweilen ein besonderer Kartoffelkeller, in den man die geerntete Frucht durch das Kellerloch mittelst eingesetzter „Röhren“ hinabrollen läßt.