Haben Sie nicht so gesagt, Duclari?

—Ich habe niemals einen Leutnant Gamascho gekannt oder gesehen.

—Gut, erschaffen Sie sich dann einen und sagen das von ihm.

—Gut, ich erschaffe ihn hiermit und sag’s von ihm.

—Wissen Sie, was Sie nun gesagt haben? Sie haben gesagt, dass Sie, Duclari, obenauf sind in der Theorie. Ich bin kein Haar besser. Glauben Sie mir, wir thun unrecht, uns so zu erbosen über jemanden, der recht schlecht ist, denn die Guten unter uns sind dem Schlechten so nah! Lassen Sie mal die Vollkommenheit Null heissen und hundert Grad für schlecht gelten, wie unrecht thun wir dann—wir, die wir schwanken zwischen acht- und neunundneunzig!—Zeter zu schreien über jemanden, der auf hundertundeins steht! Und zudem glaube ich, dass viele nur diesen hundertsten Grad nicht erreichen aus Mangel an guten Eigenschaften, zum Beispiel an Mut, ganz zu sein, was man ist.

—Auf wieviel Grad stehe ich, Max?

—Ich habe eine Lupe nötig für die Zehntelteilung, Tine.

—Ich reklamiere, rief Verbrugge—nein, Mevrouw, nicht gegen Ihre Nullnähe!—nein, aber es sind Beamte suspendiert, ein Kind wird vermisst, ein General in Anklagezustand ... ich fordere: »la pièce!«

—Tine, sorge doch in Zukunft dafür, dass was im Hause ist! Nein, Verbrugge, Sie kriegen »la pièce« nicht, ehe ich nicht noch ein bisschen auf meinem Steckenpferde von der Antithese herumgeritten bin. Ich sagte, dass jeder Mensch in seinem Mitmenschen eine Art Konkurrenten sieht. Man darf nicht immer tadeln—was auffallend wirken würde—darum streichen wir gern eine gute Eigenschaft über die Massen heraus, um die üble Eigenschaft, an deren Blossstellung uns eigentlich nur gelegen ist, recht augenfällig zu machen, ohne den Schein der Parteilichkeit auf uns zu laden. Wenn jemand sich bei mir beklagt, dass ich von ihm gesagt habe: »Seine Tochter ist sehr schön, aber er ist ein Dieb«, dann antworte ich: »Wie können Sie darüber so bös sein! Ich habe doch dabei gesagt, dass Ihre Tochter ein liebes Mädchen ist!« Sehen Sie, das gewinnt doppelt! Wir beide sind Höker, ich nehme ihm seine Kunden ab, die ihre Rosinen nicht bei einem Diebe kaufen wollen, und zu gleicher Zeit sagt man von mir, dass ich ein guter Mensch sei, denn ich striche die Tochter eines Konkurrenten heraus.

—Nein, so schlimm ist es nicht, sagte Duclari, das ist ein bisschen stark aufgetragen!