»Die hätten selbst Geisselung und Brandmarkung verdient!« fügte er hinzu.
Mir war die ganze Sache unklar. Denn die Ursachen des Streites wegen Jang di Pertuans waren mir damals noch unbekannt, und es konnte also in mir ebensowenig der Gedanke aufkommen, dass mein Vorgänger mit Wissen und Willen einen Unschuldigen zu so schwerer Strafe verurteilt haben könne, als jener, dass der General einen Verbrecher gegen ein gerechtes Urteil in Schutz nehmen würde. Ich erhielt den Befehl, Sutan Salim und den Tuanku gefangen setzen zu lassen. Da der junge Tuanku sehr beliebt bei der Bevölkerung war und wir nur wenig Garnison im Fort hatten, so ersuchte ich den General, ihn auf freiem Fusse zu belassen, was mir auch zugestanden wurde. Doch für Sutan Salim, den besonderen Feind von Jang di Pertuan, gab es keine Gnade. Die Bevölkerung war in grosser Spannung. Die Nataler argwöhnten, dass der General sich zu einem Werkzeug mandhélingschen Hasses erniedrigte, und in dieser Situation war es, dass ich von Zeit zu Zeit etwas vollbringen konnte, was er »beherzt« nannte, vor allem, da er die geringe Macht, die im Fort entbehrt werden konnte, und das Detachement Marinesoldaten, das er von Bord mitgebracht hatte, nicht mir zur Bedeckung abstand, wenn ich an die Plätze ritt, wo man sich zusammenrottete. Ich habe bei dieser Gelegenheit wahrgenommen, dass der General sehr gut für seine eigene Sicherheit sorgte, und daher mag ich denn auch in den Preis seiner Tapferkeit nicht einstimmen, bevor ich nicht mehr davon gesehen habe oder durch besondere Umstände überzeugt werde.
Er bildete in grosser Übereilung einen Rat, den ich »ad hoc« würde nennen können. Die Glieder desselben waren: ein paar Adjutanten, andere Offiziere, der Offizier der Gerichtsbarkeit oder »Fiscal«, den er von Padang mitgebracht hatte, und ich. Dieser Rat sollte eine Untersuchung darüber einleiten, in welcher Weise unter meinem Vorgänger der Prozess gegen Si Pamaga geführt worden war. Ich musste eine Anzahl Zeugen aufrufen lassen, deren Aussagen hierfür erforderlich waren. Der General, der natürlich den Vorsitz führte, stellte die Fragen, und das Protokoll wurde von dem Fiscal geführt. Da nun aber dieser Beamte wenig Malayisch verstand—und absolut nicht das Malayisch, das im Norden von Sumatra gesprochen wird—so war es oftmals nötig, ihm die Antworten der Zeugen zu verdolmetschen, was der General meistens selbst that. Aus den Sitzungen dieses Rats sind Aktenstücke hervorgegangen, die aufs deutlichste zu beweisen scheinen: dass Si Pamaga niemals den Plan gehegt hatte, jemanden, wer es auch sei, zu ermorden; dass er weder Sutan Adam noch Jang di Pertuan jemals gesehen oder gekannt hatte; dass er nicht auf den Tuanku von Natal losgesprungen war; dass dieser nicht aus dem Fenster geflüchtet war ... und so weiter. Ferner: dass das Urteil gegen den unglücklichen Si Pamaga entstanden war unter der Pression des Vorsitzenden—meines Vorgängers—und des Ratsmitgliedes Sutan Salim, welche Personen das angebliche Verbrechen Si Pamagas ersonnen hätten, um dem suspendierten Assistent-Residenten von Mandhéling eine Waffe zu seiner Verteidigung in die Hand zu geben und um ihrem Hass gegen Jang di Pertuan Luft zu verschaffen.
Die Art und Weise nun, wie der General bei dieser Gelegenheit die Fragen an die Zeugen stellte, erinnerte an die Whistpartie jenes Kaisers von Marokko, der seinem Partner zuraunte: »Spiel’ Herzen, oder ich schneide dir den Hals ab!« Auch die Übersetzungen, wie er sie dem Fiscal in die Feder diktierte, liessen viel zu wünschen übrig.
Ob nun Sutan Salim und mein Vorgänger eine Pression auf den natalschen Gerichtsrat ausgeübt haben, dass er Si Pamaga schuldig erkläre, ist mir unbekannt. Aber wohl weiss ich, dass der General Vandamme eine Pression auf die Erklärungen ausgeübt hat, die des Mannes Unschuld beweisen sollten. Ohne noch in dem Augenblick von den hierbei obwaltenden tieferen Gründen zu wissen, habe ich mich doch dieser ... Ungenauigkeit widersetzt, die eben so weit ging, dass ich mich einige Protokolle zu unterzeichnen habe weigern müssen, und da haben Sie nun die Angelegenheit, in der ich dem General »so widersprochen« hatte. Sie begreifen nun auch, worauf die Worte hinzielen, mit denen ich die Beantwortung auf die Aussetzungen, die auf meine geldliche Verwaltung gefallen waren, schloss, die Worte, durch die ich ersuchte, mich von allen wohlwollenden Erwägungen verschont zu lassen.
—Das war in der That sehr stark für jemanden in Ihren Jahren, sagte Duclari.
—Mir war das natürlich. Doch gewiss ist, dass der General Vandamme so etwas nicht gewohnt war. Ich habe denn auch unter den Folgen dieser Sache viel zu leiden gehabt. O nein, Verbrugge, ich sehe, was Sie sagen wollen ... gereut hat es mich nie. Ich muss sogar noch hinzufügen, dass ich mich nicht auf den einfachen Protest gegen die Art, wie der General die Zeugen befragte, und nicht auf die Weigerung, zu einzelnen Protokollen meine Handzeichnung zu geben, beschränkt haben würde, wenn ich damals schon hätte vermuten können, was ich erst später erfuhr, dass dies alles nur hervorging aus der von vornherein festgelegten Absicht, meinen Vorgänger zu belasten. Ich glaubte aber, dass der General, überzeugt von Si Pamagas Unschuld, sich durch die achtenswerte Leidenschaft fortreissen liess, ein unschuldiges Schlachtopfer von den Folgen eines Rechtsirrtums zu retten, soweit dies nach der Geisselung und Brandmarkung noch möglich war. Diese meine Meinung genügte wohl, mich einer Fälschung zu widersetzen, doch ich war über die Sache nicht so entrüstet, wie ich es gewesen wäre, wenn ich gewusst hätte, dass es sich hier keineswegs um die Rettung eines Unschuldigen handelte, sondern dass diese Fälschung den Zweck hatte, auf Kosten der Ehre und des Wohlergehens meines Vorgängers die Beweise zu vernichten, die der Politik des Generals im Wege standen.
—Und wie erging es weiterhin Ihrem Vorgänger? fragte Verbrugge.
—Zu seinem Glück war er schon nach Java gereist, bevor der General nach Padang zurückkehrte. Es scheint, dass er sich vor der Regierung zu Batavia hat verantworten können, wenigstens ist er in Dienst geblieben. Der Resident von Ayer-Pangie, der dem Urteil das ‚fiat executio‘ verliehen hatte, wurde ...
—Suspendiert?