—Natürlich! Sie sehen, dass ich nicht so ganz unrecht hatte, als ich in meinem Epigramm sagte, dass der Gouverneur suspendierend uns regierte.
—Und was ist nun aus all diesen suspendierten Beamten geworden?
—O, es waren deren noch viel mehr! Alle, einer nach dem andern, sind in ihre Ämter wieder eingesetzt. Einzelne von ihnen haben später sehr angesehene Posten bekleidet.
—Und Sutan Salim?
—Der General führte ihn gefänglich mit nach Padang, und von da wurde er als Verbannter nach Java gesandt. Er ist jetzt noch zu Tjanjor in den Preanger Regentschaften. Als ich im Jahre 1846 dort war, habe ich ihm einen Besuch abgestattet. Weisst du noch, was ich in Tjanjor anstellte, Tine?
—Nein, Max, das ist mir gänzlich entfallen.
—Wer kann auch alles behalten! Ich bin da getraut, meine Herren!
—Aber, fragte Duclari, da Sie nun doch einmal am Erzählen sind: darf ich fragen, ob es wahr ist, dass Sie zu Padang sich so häufig duellierten?
—Ja, sehr häufig, und dazu war Veranlassung. Ich habe Ihnen schon gesagt, dass die Gunst des Gouverneurs auf derartigen Aussenposten der Massstab ist, nach welchem viele ihr Wohlwollen bemessen. Die meisten waren also durchaus nicht wohlwollend gegen mich, und oft ging dies über in Grobheit. Ich meinerseits war reizbar. Ein nicht erwiderter Gruss, eine beissende Bemerkung auf die »Thorheit jemandes, der es gegen den General aufnehmen wolle«, eine Anspielung auf meine Armut, auf mein Hungerleiden, die Äusserung, dass »die sittliche Unabhängigkeit ihren Mann schlecht zu nähren scheine« ... dies alles, begreifen Sie wohl, machte mich bitter. Viele, besonders Offiziere, wussten, dass der General nicht ungern sah, dass man sich schlug, und vor allem mit jemandem, der so in Ungnade stand wie ich. Vielleicht also reizte man mein Zartgefühl mit Vorbedacht. Auch schlug ich mich wohl einmal für einen andern, den man nach meiner Meinung verletzt hatte. Wie dem sei, das Duell war dort in der Zeit an der Tagesordnung, und mehr als einmal ist es vorgekommen, dass ich zwei Stelldichein hatte an einem Morgen. O, es liegt viel Anziehendes im Duell, vor allem im Duell mit Säbel, oder »auf« Säbel, wie man’s ... ich weiss nicht, warum ... nennt. Sie verstehen aber wohl, dass ich dergleichen nun nicht mehr thun würde, auch wenn dazu soviel Anlass wäre wie in jenen Tagen ... komm mal her, Max—nein, fang’ das Tierchen nicht—komm her. Hör mal, du musst niemals Schmetterlinge fangen. Das arme Tier ist erst lange Zeit als Raupe auf einem Baume herumgekrochen, das war kein fröhliches Leben! Nun hat es gerade Flügel gekriegt und will in der Luft umherfliegen und sich des Lebens freuen und sucht Nahrung in den Bäumen und thut niemandem was zu Leide ... sieh doch, ist es nicht viel netter, es da so umherflattern zu sehen?
So kam das Gespräch von den Duellen auf die Schmetterlinge, auf das Erbarmen des Gerechten über sein Vieh, auf das Tierquälen, auf die »loi Grammont«, auf die Nationalversammlung, in der dies Gesetz zur Annahme gelangte, auf die Republik und auf hundert andere Dinge noch!