Fort mit der friedfertigen Sprache, fort mit Milde, Offenherzigkeit, Deutlichkeit, Einfalt, Gefühl! Fort mit allem, was erinnert an des Horatius »justum ac tenacem«! Trompeten hier etwa und scharfes Gellen von Beckenschlag und Gezisch von Raketen und Schrillen von falschen Saiten und hier und da ein wahres Wort, dass es mit einschlüpfe wie verbotene Ware unter Bedeckung von soviel Getrommel und Gepfeife!

Stil? Er hatte Stil! Er hatte zuviel Seele, um seine Gedanken zu ertränken in dem »ich habe die Ehre« und den »Edelgestrengheiten« und dem »ehrerbietig zur Erwägung geben«, wie es die Wollust der kleinen Welt ausmachte, in der er sich bewegte. Wenn er schrieb, durchdrang einen etwas beim Lesen, das liess verstehen, wie da Wolken trieben bei diesem Unwetter, und dass man da nicht das Poltern eines blechernen Theaterdonners hörte. Wenn er Feuer aus seinen Gedanken schlug, fühlte man die Glut von diesem Feuer, es sei denn, dass man geborene Schreiberseele war oder Generalgouverneur oder Verfasser des allerjämmerlichsten Berichts über »ruhige Ruhe«. Und was hat es ihm geholfen?

Wenn ich also gehört werden will—und verstanden vor allem!—muss ich anders schreiben als er. Aber wie dann?

Sieh, Leser, ich suche nach Antwort auf dieses »wie«, und darum hat mein Buch ein so scheckiges Aussehen. Es ist eine Musterkarte: triff deine Wahl. Nachher werde ich dir gelb oder blau oder rot geben, wie du es wünschest.


Havelaar hatte die Gouverneurskrankheit schon so häufig wahrgenommen, an soviel Patienten—und oft ‚in anima vili‘, denn es giebt analog Residenten-, Kontrolleurs- und Surnumerairskrankheiten, die sich zu der ersteren verhalten wie Masern zu Pocken, und endlich: er selbst hatte an dieser Krankheit gelitten!—schon so häufig hatte er das alles wahrgenommen, dass die bezüglichen Erscheinungen ihm ziemlich gut bekannt geworden waren. Er hatte den gegenwärtigen Generalgouverneur beim Beginn der Krankheit weniger schwindelig gefunden, als die meisten andern vor ihm, und glaubte hieraus schliessen zu dürfen, dass auch der fernere Lauf der Krankheit eine andere Richtung nehmen würde.

Da lag der Grund, dass er fürchtete, er werde der stärkere sein, wenn er schliesslich als Verteidiger des guten Rechts der Einwohner von Lebak würde auftreten müssen.

Sechzehntes Kapitel.

Havelaar erhielt einen Brief vom Regenten von Tjanjor, worin dieser ihm mitteilte, dass er seinem Ohm, dem Adhipatti von Lebak, einen Besuch darzubringen wünsche. Diese Nachricht war ihm sehr unangenehm. Er wusste, dass die Häuptlinge in den Preanger Regentschaften einen grossen Wohlstand zur Schau trugen, und dass der Tjanjorsche Tommongong solch eine Reise nicht ohne ein Gefolge von vielen Hunderten machen würde, die alle mit ihren Pferden beherbergt und bewirtet werden mussten. Er hätte also gern diesen Besuch verhindert, doch er sann vergeblich auf Mittel, die dem zuvorkommen konnten, ohne dass sie den Regenten von Rangkas-Betung kränkten, da dieser sehr stolz war und sich tief beleidigt gefühlt haben würde, wenn man seine verhältnismässige Armut als zu entscheidendes Moment angeführt hätte, ihn nicht zu besuchen. Und wenn dieser Besuch nicht zu umgehen war, so musste er unausbleiblich Veranlassung zur Erschwerung des Druckes geben, unter dem die Bevölkerung gebeugt ging.

Es ist zweifelhaft, ob Havelaars Ansprache einen bleibenden Eindruck auf die Häuptlinge gemacht hatte. Bei vielen war dies sicher nicht der Fall, worauf er selbst denn auch nicht gerechnet hatte. Doch ebenso gewiss ist, dass es in den Dörfern freudig von Mund zu Mund gegangen war, dass der Tuwan, der zu Rangkas-Betung Macht hätte, Recht thun wolle, und hatten also auch seine Worte nicht die Kraft gehabt, vor Verbrechen zurückzuschrecken, sie hatten doch den Schlachtopfern derselben den Mut gegeben, sich zu beschweren, geschah es immerhin auch nur zaghaft und verstohlenerweise.