Saïdjah hatte nicht beten gelernt, und ihn es zu lehren, wäre auch unnütz gewesen, denn heiligeres Gebet und ein feurigerer Dank, als da in dem sprachlosen Entzücken seiner Seele lag, war nicht in menschliche Sprache zu fassen.
Er wollte nicht nach Badur hinein. Das Wiedersehen mit Adinda selbst schien ihm minder schön als die Sicherheit, dass er sie nun alsbald sehen werde. Er setzte sich an den Fuss des Ketapan und liess das Auge über die Landschaft schweifen. Die Natur lachte ihm zu und schien ihn willkommen zu heissen wie eine Mutter ihr zurückkehrendes Kind. Und ebenso wie diese ihre Freude äussert durch das eigenwillige Erinnern an vorübergegangenen Schmerz beim Vorzeigen dessen, was sie während der Trennung als Andenken bewahrte, so ergötzte auch Saïdjah sich an dem Wiedererkennen so vieler Örtlichkeiten, die Zeugen seines kurzen Lebens waren. Aber wie seine Augen oder seine Gedanken auch umherschweiften, immer fielen Blick und Verlangen zurück auf den Pfad, der von Badur nach dem Ketapanbaum führt. Alles, was seine Sinne wahrnahmen, hiess Adinda. Er sah den Abgrund links, wo die Erde so gelb ist, wo einmal ein junger Büffel in die Tiefe sank: da hatten sich die Bewohner des Dorfes versammelt, um das Tier zu retten—denn es ist keine geringe Sache, einen jungen Büffel zu verlieren!—und sie hatten sich an starken Rottanstricken hinuntergelassen. Adindas Vater war der mutigste gewesen ... o, wie sie in die Hände klatschte, Adinda!
Und drüben an der andern Seite, wo das Kokoswäldchen seine Kronen über den Hütten des Dorfes schaukelt, da irgendwo war Si-unah aus dem Baum gefallen und hatte den Tod gefunden. Wie weinte seine Mutter: »weil Si-unah noch so klein war«, jammerte sie ... als ob sie sich minder betrübt hätte, wenn Si-unah grösser gewesen wäre! Doch klein war er, das ist wahr, denn er war kleiner und schwächer noch als Adinda ...
Niemand betrat den schmalen Weg, der von Badur nach dem Baum leitete. Gleich aber werde sie kommen; o gewiss, es war noch früh.
Saidjah sah einen Badjing[1], der mit ausgelassener Hurtigkeit hin und wieder sprang gegen den Stamm eines Klappabaums. Das Tierchen—ein Ärgernis für den Eigner des Baumes, aber doch so lieb in Gestalt und Bewegung—kletterte unermüdlich auf und nieder. Saïdjah sah es und zwang sich, es im Auge zu behalten, weil dies seinen Gedanken Ablenkung gab von der schweren Arbeit, die sie seit dem Aufgange der Sonne verrichteten—Ruhe nach dem ermüdenden Warten. Sehr bald äusserten sich seine Eindrücke in Worten, und er sang, was in seiner Seele vorging. Es wäre mir lieber, euch sein Lied in Malayisch vorlesen zu können, dem Italienisch des Ostens; doch hier ist die Übertragung:
Sieh, wie der Badjing Atzung sucht
Auf dem Klappabaum. Er steigt auf und ab, hopst links und rechts,
Er kreist um den Baum, springt, fällt, klimmt und fällt wieder:
Er hat keine Flügel und ist doch hurtig wie ein Vogel.
Viel Glück, mein Badjing, ich wünsch’ dir Heil!