Denn als das Distriktshaupt von Parang-Kudjang Adindas Vater den Büffel weggenommen hatte ...
ich hab’ dir gesagt, Leser, dass meine Geschichte eintönig ist!
... da war Adindas Mutter gestorben vor Kummer. Und ihr jüngstes Schwesterchen war gestorben, weil es keine Mutter hatte, die es säugte. Und Adindas Vater, der sich vor der Strafe fürchtete, als er seine Landrenten nicht bezahlen konnte ...
weiss wohl, weiss wohl, dass meine Geschichte eintönig ist!
... Adindas Vater war fortgegangen aus dem Lande. Er hatte Adinda mitgenommen und auch ihre Brüder. Aber er hatte vernommen, wie Saïdjahs Vater in Buitenzorg mit Stockschlägen gestraft worden war, weil er Badur ohne Pass verlassen hatte. Und darum war Adindas Vater weder nach Buitenzorg gegangen, noch nach Krawang, noch nach Preanger, noch in die Bataviaschen Ommelande ... er war nach Tjilangkahan gegangen, dem Distrikt von Lebak, der an die See grenzt. Da hatte er sich in den Wäldern versteckt gehalten und die Ankunft von Pa-ento, Pa-lontha, Si-uniah, Pa-ansiu, Abdul-isma und noch einigen andern abgewartet, die durch das Distriktshaupt von Parang-Kudjang ihrer Büffel beraubt worden waren und die Alle Strafe fürchteten, wenn sie ihre Landrenten nicht bezahlten. Da hatten sie sich bei Nacht zum Herrn eines Fischerewers gemacht und waren in See gestochen. Sie steuerten westlich und liessen das Land rechts liegen, bis nach Javapunt. Von hier hatten sie sich nordwärts gewendet, bis sie Tanah-itam vor sich sahen, das die europäischen Seeleute Prinseneiland nennen. Sie hatten das Eiland an der Ostseite umsegelt und steuerten auf die Kaiserbai, indem sie den hohen Pik in den Lampongs zur Richtung nahmen. Wenigstens war so der Weg, den man sich im Lebakschen flüsternd ins Ohr sagte, wenn über offiziellen Büffelraub und unbezahlte Landrenten gesprochen wurde.
Doch der verwirrte Saïdjah verstand nicht deutlich, was man ihm sagte. Selbst den Bericht von seines Vaters Tode begriff er nicht völlig. Es war ein Gebrause in seinen Ohren, als hätte man in seinem Kopfe einen Gong angeschlagen. Er fühlte, wie das Blut stossweise durch die Adern gegen seine Schläfen geschleudert wurde, die unter der Wucht so schweren Anstürmens zu zerspringen drohten. Er sprach nicht und starrte mit erstorbenem Blick umher, ohne zu sehen, was um ihn und wer bei ihm war, und brach endlich in grausiges Gelächter aus.
Eine alte Frau nahm ihn mit nach ihrem Häuschen und verpflegte den armen Schelm. Dann lachte er nicht mehr so schaurig, aber doch sprach er nicht. Nur des Nachts wurden die Hausgenossen durch seine Stimme aufgeschreckt, wenn er tonlos sang: »Ich weiss nicht, wo ich sterben soll«, und einige Bewohner von Badur legten Geld zusammen, um den Boajas des Tjudjung-Gewässers ein Opfer für die Genesung Saïdjahs zu bringen, den sie für wahnsinnig hielten. Doch wahnsinnig war er nicht.
Denn eines Nachts, als der Mond heller leuchtete, stand er vom Baleh-baleh auf, verliess leise das Haus und suchte nach der Stelle, wo Adinda gewohnt hatte. Es war nicht leicht, sie zu finden, weil so viele Häuser eingestürzt waren. Doch er meinte, den Platz an der bestimmten Weite des Winkels zu erkennen, die etliche Lichtungen, die durch das Gehölz liefen, bei ihrer Begegnung in seinem Auge bildeten, wie der Seemann seinen Stand nach Leuchttürmen und hervorragenden Bergspitzen berechnet.
Ja, hier musste es sein ... hier hatte Adinda gewohnt!
Über halbverfaulten Bambus und Stücke des niedergestürzten Daches strauchelnd, bahnte er sich einen Weg zu dem Heiligtume, das er suchte. Und wirklich, er fand noch einen Rest der aufrechtstehenden Wand, neben welcher Adindas Baleh-baleh gestanden hatte, und es steckte gar noch der kleine Bambuspflock darin, an dem sie ihr Kleid aufhängte, wenn sie sich schlafen legte ...