Havelaar wartete, bis Seine Excellenz sich durch diese Überhäufung hindurchgearbeitet haben würde. Inzwischen fühlte er etwas wie Neid auf die Personen, die Seiner Excellenz in der Arbeit beigegeben waren. Denn er arbeitete gern schnell und viel, und gewöhnlich schmolzen solche ‚Überhäufungen‘ ihm unter den Fingern weg. Aber hiervon war nun natürlich keine Rede. Havelaars Arbeit war schwerer als Arbeit: er wartete!
Er wartete. Endlich liess er aufs neue ersuchen, gehört zu werden. Man gab ihm zur Antwort, »dass Seine Excellenz ihn nicht empfangen könne, weil sie daran gehindert werde durch die mit dem bevorstehenden Verzuge in Zusammenhang stehende Arbeitsüberhäufung«.
Max empfahl sich der Geneigtheit Seiner Excellenz, ihm eine halbe Stunde Gehör zu schenken, sobald ein kleiner Zwischenraum sein sollte zwischen zwei ‚Überhäufungen‘.
Endlich vernahm er, dass Seine Excellenz am folgenden Tage verziehen werde! Das war ihm ein Donnerschlag. Noch immer hielt er krampfhaft an dem Glauben fest, dass der abtretende Landvogt ein ehrlicher Mann und ... betrogen sei. Eine Viertelstunde wäre genügend gewesen, um die Gerechtigkeit seiner Sache zu beweisen, und diese Viertelstunde schien man ihm nicht geben zu wollen.
Ich finde unter Havelaars Papieren den Entwurf eines Briefes, den er an den abtretenden Generalgouverneur am letzten Abend vor dessen Verzug ins Mutterland geschrieben zu haben scheint. Am Rande steht mit Bleistift angezeichnet: »nicht genau«, woraus ich entnehme, dass einzelne Sätze beim Abschreiben verändert sind. Ich bemerke dies, um nicht aus dem Mangel buchstäblicher Übereinstimmung bei diesem Schriftstück Zweifel entstehen zu lassen an der Echtheit der anderen offiziellen Schriftstücke, die ich mitteilte, und die alle durch eine fremde Hand als »gleichlautende Abschrift« gezeichnet sind. Vielleicht hat der Mann, an den dieser Brief gerichtet war, Lust, den vollkommen genauen Text zu veröffentlichen. Man würde durch Vergleichung sehen können, wie weit Havelaar von seinem Entwurf abgewichen ist. Sachlich korrekt war der Inhalt also:
»Batavia, 23. Mai 1856.
Excellenz! Mein durch Missive vom 28. Februar von Amts wegen gestelltes Ersuchen, in Ansehen der Lebakschen Sachen gehört zu werden, ist ohne Erfolg geblieben.
Ebenso haben Euer Excellenz nicht beliebt, meinem wiederholten Ersuchen um Audienz Folge zu geben.
Euer Excellenz haben also einen Beamten, dessen »Dienste günstig bei dem Gouvernement aufgenommen sind«—das sind Eurer Excellenz eigene Worte!—jemanden, der siebenzehn Jahre dem Lande in diesen Breiten diente, jemanden, der nicht allein nichts verbrach, sondern gar mit ungewöhnlicher Selbstverleugnung das Gute verfolgte und für Ehre und Pflicht alles feil hatte ... so jemanden haben Euer Excellenz noch unter den Verbrecher gestellt. Denn den hört man zum mindesten.
Dass man Euer Excellenz betreffs meiner irregeführt hat, begreife ich. Doch dass Euer Excellenz nicht die Gelegenheit angenommen haben, dieser Irreführung zu entgehen, begreife ich nicht.