Mevrouw Slotering hatte den Residenten ersucht, ihr Fürsprecher bei dem Nachfolger ihres Ehemannes zu sein, dass derselbe ihr die Benutzung des alten Hauses bis nach ihrer Entbindung gestatte, die sie in einigen Monaten zu erwarten hatte. Das war das Ersuchen, dem Havelaar und seine Frau so bereitwillig Folge gaben, etwas, das ganz in ihrer Art lag, denn gastfrei und hülfbereit waren sie in höchstem Masse.
Wir hörten den Residenten sagen, dass Mevrouw Slotering eine »eingeborene Frau« sei. Sie sprach nur Malayisch. Wir werden ihr später wieder begegnen, wenn wir mit Havelaar, Tine und dem kleinen Max in der Vorgalerie der Wohnung des Assistent-Residenten zu Rangkas-Betung, wo unsere Reisegesellschaft nach langem Gerüttel und Geschüttel endlich wohlbehalten ankam, Thee trinken.
Der Resident, der nur mitgekommen war, um den neuen Assistent-Residenten in sein Amt einzusetzen, gab den Wunsch zu erkennen, dass er noch selbigen Tages nach Serang zurückkehren möchte:
—Weil. Er.
Havelaar erklärte sich demgemäss zu aller Eile bereit ...
—So. Drängend. Zu thun. Habe.
... und es wurde die Verabredung getroffen, dass man über eine halbe Stunde in der grossen Vorgalerie der Wohnung des Regenten sich wieder zusammenfinden werde. Verbrugge, hierauf vorbereitet, hatte schon mehrere Tage vorher den Distriktshäuptlingen, dem Patteh, dem Kliwon, dem Djaksa, dem Steuereinnehmer, einigen Mantries, und schliesslich allen inländischen Beamten, die dieser Feierlichkeit beiwohnen mussten, Befehl gegeben, sich am Hauptplatze zu versammeln.
Der Adhipatti nahm Abschied und ritt nach Hause. Mevrouw Havelaar besah ihre neue Wohnung und war sehr entzückt von ihr, vor allem weil der Garten gross war, was ihr so gut schien für den kleinen Max, der viel in die Luft musste. Der Resident und Havelaar waren auf ihre Zimmer gegangen, um sich umzukleiden, denn bei dem feierlichen Akt, der stattfinden sollte, war wohl das offiziell vorgeschriebene Kostüm erforderlich. Ringsherum ums Haus standen Hunderte von Menschen, die entweder zu Pferd den Wagen des Residenten begleitet hatten oder zum Gefolge der aufgerufenen Häuptlinge gehörten. Die Polizei- und Bureauaufseher liefen geschäftig hin und her. Kurzum, alles zeigte an, dass die Eintönigkeit auf diesem vergessenen Fleckchen Erde in der Westecke Javas für einen Augenblick von regem Leben unterbrochen war.
Alsbald fuhr der schöne Wagen des Adhipatti die Vorfahrt herauf. Der Resident und Havelaar, strotzend von Gold und Silber, doch ein wenig über ihre Degen strauchelnd, stiegen ein und begaben sich nach der Wohnung des Regenten, wo sie mit Musik von Gongs und Gamlangs empfangen wurden. Auch Verbrugge, der sein von Schlamm bespritztes Gewand abgelegt hatte, war dort schon eingetroffen. Die Häuptlinge geringeren Ranges sassen in grossem Kreise nach orientalischer Sitte auf Matten zu ebener Erde, und am Ende der langen Galerie stand ein Tisch, an dem der Resident, der Adhipatti, der Assistent-Resident, der Kontrolleur und sechs Häuptlinge Platz nahmen. Man reichte Thee mit Gebäck herum, und die einfache Feierlichkeit nahm ihren Anfang.
Der Resident erhob sich und verlas den Beschluss des Generalgouverneurs, nach welchem Max Havelaar zum Assistent-Residenten von Bantan-Kidul oder Süd-Bantam ernannt war, wie Lebak von den Eingeborenen genannt wird. Darauf nahm er das »Staatsblatt« zur Hand, worin der Eid stand, der bei Antritt eines Amtes allgemein vorgeschrieben ist und der besagt: