»... dass man, um zur Würde des * * * * ernannt oder befördert zu werden, niemandem etwas versprochen oder gegeben habe, versprechen oder geben werde; dass man unerschütterlich treu sein werde Seiner Majestät dem König der Niederlande; gehorsam den Vertretern Seiner Majestät in den Indischen Regionen; dass man peinlich erfüllen und erfüllen lassen werde die Gesetze und Bestimmungen, die gegeben sind oder gegeben würden, und dass man sich in allem betragen werde, wie es einem guten ... (hier: Assistent-Residenten) gezieme.«

Darauf folgte natürlich das sakramentale: »So wahr mir helfe Gott der Allmächtige!«

Havelaar sprach die vorgelesenen Worte nach. Als einbegriffen in diesen Eid hätte eigentlich betrachtet werden müssen das Gelöbnis: »der eingeborenen Bevölkerung Schutz gewähren zu wollen vor Aussaugung und Unterdrückung«. Denn, indem man schwur, dass man die bestehenden Gesetze und Bestimmungen handhaben werde, brauchte man nur das Auge auf die diesbezüglichen zahlreichen Vorschriften zu wenden, um einzusehen, dass eigentlich ein besonderer Eid hierfür überflüssig sei. Doch der Gesetzgeber scheint der Ansicht gewesen zu sein, dass des Guten nicht zu viel gethan werden könne, wenigstens man fordert von dem Assistent-Residenten einen besonderen Eid, in dem diese Verpflichtung bezüglich des geringen Mannes noch einmal ausdrücklich ausgesprochen ist. Havelaar musste also ein zweites Mal »Gott den Allmächtigen« zum Zeugen anrufen bei dem Gelübde: dass er »die eingeborene Bevölkerung schützen werde vor Unterdrückung, Misshandlung und Erpressung«.

Für einen feinen Beobachter würde es sich der Mühe gelohnt haben, auf den Unterschied zu achten, der in Haltung und Ton einerseits des Residenten und andererseits Havelaars bei dieser Gelegenheit sich zeigte. Beide hatten sie einer solchen Feierlichkeit zu mehreren Malen beigewohnt. Der Unterschied, von dem ich rede, lag also nicht in der grösseren oder geringeren Inanspruchnahme bei einer neuen und ungewohnten Situation, sondern er war allein zurückzuführen auf die durchaus entgegengesetzte Richtung der Charaktere und Begriffe dieser beiden Personen. Der Resident sprach wohl etwas schneller wie gewöhnlich, da er den Beschluss und die Eide nur abzulesen brauchte, was ihm die Mühe ersparte, nach seinen Schlussworten zu suchen, aber doch geschah von seiner Seite alles mit einer Würde und einem Ernst, der dem oberflächlichen Zuschauer einen sehr hohen Begriff von der Wichtigkeit einflössen musste, die er der Sache beimass. Havelaar hingegen hatte, als er mit erhobenem Finger die Eide nachsprach, in Gesicht, Stimme und Haltung etwas, das sagen zu wollen schien: »das ist selbstverständlich, auch ohne dieses »Gott der Allmächtige« würde ich das thun«, und wer Menschenkenntnis besass, würde mehr Vertrauen gesetzt haben auf seine Ungezwungenheit und scheinbare Gleichgültigkeit, als auf die würdige Amtsmiene des Residenten.

Ist es nicht in der That lächerlich, zu meinen, dass der Mann, der berufen ist Recht zu sprechen, der Mann, dem Wohl und Wehe von Tausenden in die Hände gegeben ist, sich gebunden erachten würde durch ein paar schöne Worte, so er nicht, auch ohne diese Worte, sich dazu gedrängt fühlt durch sein eigenes Herz?

Wir glauben von Havelaar, dass er die Armen und Unterdrückten, wo er sie antreffen mochte, beschirmt haben würde, auch wenn er bei »Gott dem Allmächtigen« das Gegenteil gelobt hätte.

Darauf folgte eine Ansprache des Residenten an die Häuptlinge, worauf er ihnen den Assistent-Residenten als Oberhaupt der Abteilung vorstellte, sie ermahnte, dass sie ihm gehorsam sein, ihren Verpflichtungen getreu nachkommen sollten und was der Gemeinplätze mehr waren. Die Häuptlinge wurden darauf einer nach dem anderen Havelaar bei Namen vorgestellt. Er reichte jedem die Hand, und die »Installation« war vor sich gegangen.

Man nahm im Hause des Adhipatti das Mittagsmahl ein, zu dem auch der Kommandant Duclari genötigt war. Gleich nach Beendigung desselben bestieg der Resident, der gern noch selbigen Abends in Serang wieder angelangt sein wollte:

—Weil. Er. So. Besonders. Drängend. Zu thun. Habe.

... wieder seinen Reisewagen, und so kehrte zu Rangkas-Betung wieder eine Stille ein, wie man sie voraussetzt von einer javanischen Binnenstation, die von nur wenigen Europäern bewohnt wurde und überdies nicht an dem Grossen Wege gelegen war.