Die frommen, klugen Gazell’n;
Und in der Ferne rauschen
Des heiligen Stromes Well’n.
Dort wollen wir niedersinken
Unter dem Palmenbaum,
Und Lieb’ und Ruhe trinken
Und träumen seligen Traum.
Können Sie nicht nach »Artis« gehen, unserm Zoologischen Garten—Sie haben doch wohl Ihrem Vater geschrieben, dass ich Mitglied bin?—sagen Sie, kommen Sie denn nicht mit »Artis« aus, wenn Sie denn durchaus fremde Tiere sehen wollen? Müssen es gerade Gazellen am Ganges sein, die doch im wilden Zustande nicht so gut zu beobachten sind, wie hinter einem sauber geteerten Eisengitter? Warum nennen Sie diese Tiere fromm und klug? Das letztere lasse ich ja gelten—sie machen wenigstens solche dummen Verse nicht—aber: fromm? Was heisst das! Ist das nicht Missbrauch getrieben mit einem heiligen Ausdruck, der nur auf Menschen vom wahren Glauben angewendet werden sollte? Und dann der »heilige Strom«? Thun Sie recht, Marie Dinge zu erzählen, die sie zur Heidin zu machen geeignet sind? Dürfen Sie sie in der Überzeugung wankend machen, dass es kein anderes heiliges Wasser giebt denn das der Taufe, und keinen anderen heiligen Strom denn den Jordan? Ist das nicht Untergrabung von Sittlichkeit, Tugend, Religion, Christentum und Anstand?
Denken Sie über dies alles einmal nach, Stern! Ihr Vater ist ein sehr achtbares Haus, und ich bin mir gewiss, dass er es gut findet, dass ich so auf Ihr Gemüt wirke, und dass er gern mit jemandem Geschäfte macht, der Tugend und Religion hochhält. Ja, Grundsätze sind mir heilig, und ich scheue mich nicht, geradeaus zu sagen, was ich meine. Machen Sie also kein Geheimnis aus dem, was ich Ihnen sage, schreiben Sie ruhig an Ihren Vater, dass Sie hier in einer soliden Familie sind und dass ich Sie immer so aufs Gute weise. Und fragen Sie sich selbst einmal, was aus Ihnen geworden wäre, wenn Sie zu Busselinck & Waterman gekommen wären! Da würden Sie auch solche Verse aufgesagt haben, und da hätte man nicht auf Ihr Gemüt gewirkt, weil es niederträchtige Pfuscher sind. Schreiben Sie das ruhig an Ihren Vater, denn wenn Grundsätze in Frage stehen, schone ich niemanden. Da würden die Mädchen mitgegangen sein mit Ihnen nach dem Ganges, und dann lägen Sie da nun vielleicht unter dem Baum im nassen Gras, während Sie nun, weil ich Sie so väterlich verwarnte, hier bei uns bleiben können in einem anständigen Hause. Schreiben Sie das alles an Ihren Vater und sagen Sie ihm, dass Sie so dankbar sind, dass Sie zu uns gekommen sind, und dass ich so gut für Sie sorge, und dass die Tochter von Busselinck & Waterman durchgegangen ist, und grüssen Sie ihn sehr von mir, und schreiben Sie ihm, dass ich noch 1/16 Prozent von den Maklerspesen unter deren Gebot heruntergehen werde, weil ich die Unterbieter nicht ausstehen kann, die einem Konkurrenten das Brot aus dem Munde stehlen durch günstigere Bedingungen.
Und thun Sie mir doch den Gefallen, in Ihren Vorlesungen aus Shawlmanns Paket mehr etwas Solides zu bringen. Ich habe darin Aufstellungen gesehen von der Kaffeeproduktion der letzten zwanzig Jahre aus allen Residentschaften auf Java: lesen Sie doch so etwas mal vor! Sehen Sie, dann können die Rosemeyers, die in Zucker machen, einmal zu hören kriegen, was da vor sich geht in der Welt. Und Sie müssen auch die Mädchen und uns alle, wie Sie das an einer Stelle des Buches thun, nicht so als Kannibalen hinstellen, die etwas von Ihnen aufgefressen haben ... das ist nicht in der Ordnung, mein bester Junge. Glauben Sie doch jemandem, der weiss, was in der Welt passiert! Ich habe Ihren Vater schon vor seiner Geburt bedient—seine Firma meine ich, nein ... unsere Firma meine ich: Last & Co.—früher hiess sie Last & Meyer, aber die Meyers sind schon lange raus. Sie begreifen also, dass ich es gut mit Ihnen meine. Und spornen Sie Fritz an, dass er besser aufpasst, und lehren Sie ihn nicht Verse machen, und thun Sie so, als wenn Sie es nicht sehen, wenn er dem Buchhalter Gesichter schneidet und all solche Dinge mehr. Geben Sie ihm ein gutes Beispiel, da Sie doch so viel älter sind, und suchen Sie ein ernstes und würdevolles Wesen in ihn zu pflanzen, denn er soll Makler werden.