„Ach bitte, bitte! Abnossah!“ (Die Pomke war wie im Rausch, fast mänadisch, sie nannte ihn beim Vornamen, was noch nie geschehen war.) „Versuchen Sie’s doch noch an einer andern Stelle! Ich kann nicht genug hören — und wenn’s auch nur das Schnarchen wäre!“
Abnossah ließ den Apparat verschwinden und schnallte den Koffer zu. Er war sehr blaß geworden:
„Meine liebe Anna — meine Gnädigste,“ verbesserte er sich: „— ein andermal!“ (Die Eifersucht auf den alten Goethe zerwühlte ihm das Eingeweide).
„Wie wäre es,“ fragte Böffel, „mit Schillers Schädel? Das würde ja den Streit entscheiden, ob man den echten hätte.“
„Gewiß“, sagte Abnossah, „denn wenn man Schillern sagen hörte: ‚Wie wärsch mit e Scheelchen Heeßen?‘ — so wäre es nicht Schillers Schädel. — Ich überlege mir; ob sich die Erfindung nicht raffinieren ließe? Vielleicht stelle ich einen Durchschnittskehlkopf her, an dem man schrauben kann, wie an einem Operngucker, um ihn an alle irgend möglichen Schwingungsarten zu akkommodieren. Man könnte dann die Antike und das Mittelalter wieder sprechen hören, die richtige Aussprache der alten Idiome feststellen. Und die verehrten Zeitgenossen, die unanständige Dinge laut sagten, wären der Polizei auszuliefern.“
Abnossah bot der Pomke seinen Arm, und sie gingen wieder nach dem Bahnhof. Behutsam traten sie in den Wartesaal, aber die Stadtbekannte hatte sich schon entfernt. Abnossah sagte:
„Wenn sie mir den Kehlkopf des berühmten Bruders auslieferte? Aber sie wird es nicht tun; sie wird einwenden, das Volk sei noch nicht reif, und die Intelligenz habe nicht die Ehrfurcht des Volkes, und so ist nichts zu machen, Geliebte! Geliebte! Denn (oh!) das! Das sind! Das bist du! Du!“
Aber die Pomke hatte gar nicht hingehört. Sie schien zu träumen.
„Wie er die R’s betont!“ hauchte sie beklommen.
Abnossah schneuzte sich wütend die Nase; Anna fuhr auf, sie fragte zerstreut: