Der Friede brach plötzlich herein wie ein Ungewitter. Die Wipfel der Bürger welkten. Die Kinder verloren den süßen Analphabetismus aus ihren (wie Tante sagte) Gesichtchen. Der Friede legte sich auf die Straße, in der unser Häuschen steht, da sah es bald aus wie der Turm zu Pisa, wissen Sie, die Toilette mit ihrem Schwerpunkt über den Unterstützungspunkt der Hauskapelle beinah hinausfallend. Miessauers Liebesgesang an Albanien erscholl draußen vor den Toren. Da sagte mir Klara:

„Die Lande in Ruhe! Atme auf, du Rumplertaube ob dem London meines nicht mehr stürmischen Busens.“ Ich lachte, wie nur der Glückliche im Frieden lachen kann — so nämlich:

. . . daß die Flöhe leiser stechen,

die dich kurz vorher behopsten,

und die Läuse, die sich moppsten,

in dein Fell von frischem brechen.

(Fortsetzung folgt.)

*

(Fortsetzung.)

Nun war Klara endlich eine alte Frau geworden, die sich meiner kaum noch erinnerte. Ich selbst ruhte auch lange schon von meinen Irrfahrten (auf dem Friedhof der Selbstmörder) aus. Unsre junge Generation feierte bereits ihre fünfzigsten Geburtstage; sie trug in ihren Anzügen Taschen, in denen sie die Fäuste ballen konnte. Sonst alles so liebenswürdig, selbst der Tod lächelte schelmisch, und in seinen Wangen zeigten sich liebliche Senkgrübchen. Da — ich glaube Mittwoch — karjolte mein Grab los. Ein langer Schleier von Verzweiflungen wehte flordünn über die Eingesunkenen, darunter her rollten unsre Gräber wie blumengeschmückte Autos beim Festkorso. Wir sausten zur Stadt, ich ließ mein Autograb vor dem Haus meiner greisen Wittib halten: „Wie bist noch gegen mich gesinnt? Und weinest oder lachst du?“