Ihre tiefe Altstimme bebte, und ihre Hände, für die sie keinen Platz fand, zitterten.
ZWEITES KAPITEL
Besuche und Anliegen dieser Art waren im Laufe meines literarischen Lebens, wenn auch nicht gerade häufig, kamen aber doch vor.
Am häufigsten waren es Menschen mit politischem Temperament, die ziemlich schwer zu beruhigen sind und denen zu helfen doppelt riskant und unangenehm ist, um so mehr, als man in solchen Fällen fast nie weiß, mit wem man es zu tun hat. Auch diesmal ging mir zuerst durch den Kopf, die Dame möge von politischen Leidenschaften umstürmt sein und habe irgendetwas vor, was sie unglücklicherweise mir anvertrauen wolle. Die Einleitung klang ganz danach, und darum sagte ich unangenehm berührt:
»Ich weiß nicht, worüber Sie sprechen werden. Ich wage nicht, Ihnen etwas zu versprechen, aber wenn Ihre eigenen Gefühle Sie hergeführt haben, in dem Vertrauen, das Ihnen mein Leben und mein Ruf einflößen, so werde ich keinenfalls Mißbrauch davon machen, was Sie mir anscheinend als Geheimnis anvertrauen wollen.«
»Ja,« sagte sie, »als Geheimnis, als absolutes Geheimnis, und ich bin überzeugt, daß Sie es für sich behalten werden. Ich brauche Ihnen nicht zu wiederholen, warum es geheim bleiben muß. Ich weiß, daß Sie es fühlen, ich kann mich nicht täuschen; Ihr Gesicht sagt es mir deutlicher als alle Worte, und zudem habe ich keine andere Wahl. Ich wiederhole Ihnen, daß ich bereit bin, eine Handlung zu begehen, die mir in diesem Augenblick ehrenhaft erscheint, und doch gleich wieder als eine Taktlosigkeit: die Wahl muß sofort getroffen werden, in diesem Augenblick, sie hängt von Ihnen ab.«
Ich zweifelte nicht, daß hierauf ein politisches Geständnis folgen würde, und sagte unwillig:
»Ich höre zu.«
Trotz des doppelten Schleiers fühlte ich den aufmerksamen Blick meines Gastes auf mir ruhen, sie sah mich unverwandt an und sagte fest: