Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß mir bei diesem Geständnis eine schwere Last vom Herzen fiel; von Politik war anscheinend kein Gedanke.

»Ich betrüge meinen prächtigen, gütigen Mann. Und das sind nun sechs, ... nein, mehr! ..., ich muß die Wahrheit sagen, sonst lohnt es sich nicht, zu sprechen ... es sind jetzt acht Jahre her ... und dauert noch an ... Es begann im dritten Monat meiner Ehe. Etwas schmählicheres gibt es in der Welt nicht. Ich bin nicht alt, aber ich habe Kinder, verstehen Sie?«

Ich nickte zustimmend mit dem Kopfe.

»Sie verstehen, was das heißt. Zweimal in meinem Leben kam ich, wie zu Ihnen, zu ihm, den wir heute begraben haben und dessen Tod mich ganz durchwühlt, und gestand ihm, was mich bewegte. Einmal behandelte er mich barsch, das andere Mal zart, wie ein Freund. Wenn ich jetzt auch nicht mehr in der Verfassung bin, in der ich zu ihm kam, so bitte ich Sie schließlich doch, mir den Rat zu geben, den ich brauche. Das schlimmste im Leben ist der Betrug, und ich glaube zu fühlen, daß es besser ist, seine Niedrigkeit zu bekennen, die Strafe zu tragen, demütig und zerknirscht auf die Straße geworfen zu sein, — ich weiß nicht, was mit mir geschehen wird, — aber ich fühle das unbezwingbare Verlangen, hinzugehen und meinem Manne alles zu erzählen. Ich fühle dieses Bedürfnis seit sechs Jahren. Nach dem Beginn meines Verbrechens waren zwei Jahre vergangen, wo ich ihn nicht sah. Dann begann es von neuem, wie früher. Sechs Jahre habe ich den Vorsatz, es zu sagen, und habe es doch nicht gesagt, aber heute, als ich dem Sarge Dostojewskijs folgte, beschloß ich ein Ende zu machen und zwar so, wie Sie mir raten werden.«

Da ich die Geschichte nicht verstanden hatte, schwieg ich und konnte ihr durchaus keinen Rat erteilen. Sie sah es an meinem Gesichtsausdruck.

»Sie müssen natürlich mehr wissen. Ich bin nicht gekommen, um Rätsel aufzugeben, sondern um zu sprechen, um alles auszusprechen. Ich müßte schamlos lügen, wenn ich mich rechtfertigen wollte. — Ich habe niemals Not gekannt, ich bin im Wohlstand geboren und lebe im Wohlstand. Die Natur hat mir meinen Anteil Verstand nicht versagt. Man gab mir eine gute Bildung, und ich hatte die Freiheit, meinen Ehegenossen selbst zu wählen, — ich brauche darüber keine Worte zu verlieren. Ich heiratete einen Mann, der bis zur Stunde seinen guten Ruf mehr als bewahrt hat. Meine Lage war vortrefflich, als dieser Mensch, das heißt, ich wollte sagen, mein legitimer Gatte, mir seinen Antrag machte. Mir schien es, als gefalle er mir, und ich glaubte, daß ich ihn lieben könne; keinenfalls dachte ich, daß ich ihn betrügen würde, ihn auf die niedrigste Weise betrügen, dabei aber den Ruf einer ehrenhaften Frau und guten Mutter genießen würde, während ich keine anständige, ja vielleicht eine niederträchtige Mutter bin. Zu dem Betrug hat mich der Teufel selbst gebracht: wenn Sie wollen, glaube ich an den Teufel ... Im Leben hängt so viel von den Umständen ab. Man sagt, in den Städten sei viel Schmutz, auf dem Lande dagegen Reinheit: aber es war auf dem Lande geschehen, wo ich mit diesem Menschen, mit diesem verfluchten Menschen allein zusammen war, den mein Mann selbst zu mir gebracht und meiner Sorge überlassen hatte. Wenn Reue nicht nutzlos wäre, so müßte ich bereuen, müßte endlos diese Tat bereuen, die ich meinem Manne zu verdanken habe. Aber die Sache trug sich so zu, daß ich mich nicht an den Augenblick erinnere, ich erinnere mich nur an ein Gewitter, an eines der schrecklichen Gewitter, die ich seit meiner Kindheit immer gefürchtet habe. Ich liebte ihn damals nicht, ich hatte einfach Angst, und als uns in dem großen Saale ein Blitz erhellte, ergriff ich seine Hand ... Später, ich habe keine Erinnerung daran, ging es weiter. Dann machte er eine Weltreise, kehrte zurück, und es begann von neuem: aber jetzt will ich, daß es ein Ende nehme, und diesmal für immer. Ich wollte es schon mehrmals, aber nie reichte mein Wille aus, es zu ertragen. Die Entschlüsse, die ich gefaßt hatte, verflogen immer eine Stunde nach seinem Erscheinen, und das Schlimmste ist, — ich will nichts verheimlichen, — daß nicht er, sondern ich die Ursache war: ich selbst sagte und erreichte es und ärgerte mich, wenn es mir schwer fiel, es zu erreichen, — und wenn ich dies weiter fortsetze, so wird der Betrug, meine Erniedrigung niemals ein Ende haben ...«

»Was wollen Sie nun tun?« fragte ich.

»Ich will meinem Manne alles bekennen, ich will es unbedingt noch heute tun, wenn ich von Ihnen nach Hause komme.«

Ich fragte sie, wie ihr Mann sei und was für einen Charakter er habe.

»Mein Mann,« antwortete die Dame, »genießt den besten Ruf, hat einen guten Posten und ist ziemlich bemittelt; alle halten ihn für einen ehrenwerten und edlen Menschen.«