»Warum denn davonlaufen, werter Herr? Ich will nicht sagen, daß ich keine Angst verspürt hätte, aber ans Davonlaufen dachte ich doch nicht. Seine Majestät kamen indes immer näher und näher. Ich hörte schon deutlich, wie Ihre Stiefel klipp-klapp, klipp-klapp machten. Ich sah bereits Ihr sanftes Gesicht, den freundlichen Blick, und wissen Sie, in meiner Verwirrung dachte ich gar nicht mehr daran, daß ich gleich Ihren Augen sichtbar werden mußte. Da wandte der Kaiser den Kopf und, ich sah's, er richtete den Blick direkt auf mich und sah mich an.«

»Nun?« schrie der Diakon und wurde ganz bleich.

»Ich machte eine Verbeugung.«

Der Diakon atmete auf, drückte die Hand des Zwerges und flüsterte:

»Erzähle, sei so gut, erzähle schnell weiter!«

»Der Kaiser sah mich also an und geruhte auf Französisch zum Fürsten Golitzyn zu sagen: ›Ach, was für ein Miniaturexemplar! Wem mag es gehören?‹ Der Fürst Golitzyn war, wie ich sah, in Verlegenheit, was er antworten sollte, – und da ich die französische Rede wohl verstehen konnte, antwortete ich selber: ›Der gnädigen Frau Plodomasow, Kaiserliche Majestät!‹ Da wandte sich der Kaiser zu mir und geruhte zu fragen: ›Welcher Nation sind Sie?‹ – ›Ein treuer Untertan Eurer Majestät,‹ antwortete ich. ›Und geborener Russe?‹ fragte er weiter und ich antwortete: ›Ein Bauer und treuer Untertan Eurer Majestät.‹ Da lachte der Kaiser. ›Bravo,‹ scherzte er, ›bravo, mon petit sujet fidèle!‹ und faßte meinen Kopf mit der Hand und zog mich an sich.«

Nikolai Afanasjewitsch dämpfte seine Stimme und sagte mit einem leisen Lächeln im Flüstertone, als handele es sich um ein großes politisches Geheimnis:

»Er faßte mich um, wissen Sie, und dabei drückte ein Knopf seines Ärmelaufschlags mir die Nase zusammen, daß es mir ordentlich wehe tat.«

»Nun und du? Du schriest doch nicht?« rief der Diakon.

»Nein, Väterchen, nein, warum sollte ich schreien? Wie kann man schreien, wenn der Zar einen liebkost? Nein, als er mich losließ, küßte ich seine Hand … für das Glück und die Ehre … und das war mein ganzes Gespräch mit Seiner Kaiserlichen Majestät. Später natürlich, als sie mich vom Felsen heruntergenommen hatten und man mich in der Kutsche nach Hause fuhr, da hab' ich die ganze Zeit geweint.«