»Geh mal, mein liebes Goldsöhnchen, und sag dem Dienstmädchen, daß wir uns waschen wollen.«

»Das ist gar nicht mein Sohn,« sagte die Hausfrau verlegen.

Aber Termosesow hörte es nicht. Er glaubte nun einmal, den Sohn der Hausfrau vor sich zu haben, und hielt dieser eine Predigt, wie und wozu sie ihn erziehen solle.

»Bereiten Sie ihn für den Staatsdienst vor. Daß er nur keine literarischen Neigungen kriegt! Sehn Sie mich an. Ich dürfte eigentlich gar nicht Staatsbeamter sein, aber durch Hintertüren und auf Hintertreppchen hab' ich mich doch rangeschlängelt. Jawohl! Und bin doch früher selbst Nihilist gewesen und ärgerte mich sogar über Ihren Mann, als er Akzisebeamter wurde. Dumm war das! Warum soll unsereins nicht Staatsbeamter sein? Als Beamter kann man sich beliebt machen, als Beamter hat man Geld, als Beamter gewinnt man Einfluß, – das ist etwas ganz anderes als die blöde Schriftstellerei. Dort muß man noch Talent haben, hier aber wird es nur störend empfunden. Als Staatsbeamter kann ich die Leute sortieren. Was bist du für ein Kerl? – Du kommst hierher. Und du bist so einer? – Du kommst dahin. Du bist keiner von den unsern? So zwing' ich dich, ersticke dich, zerbreche dich, – und der Staat muß mich dafür bezahlen. – Na, was starren Sie mich so an? Es kommt Ihnen wohl sonderbar vor, was ich da aus der Praxis erzähle?«

Die verblüffte Hausfrau schwieg, der Gast aber fuhr fort:

»Ihr richtet hier Schulen ein, – na ja, wenn man sich an die landesübliche Schablone der roten Hähne halten wollte, müßte man das loben, aber Termosesow als praktischer Mensch tut das nicht. Termosesow sagt: Zum Teufel mit den Schulen, sie sind vom Übel; wenn das Volk zu lesen versteht, nimmt es die heiligen Bücher vor. Sie glauben, die Bildung gehört zu den zerstörenden Elementen? Keineswegs. Sie ist ein aufbauendes Element, wir aber wollen vor allem zerstören.«

»Es heißt doch aber, eine Revolution wäre jetzt bei dem Bildungsstand unseres Volkes nicht möglich,« wagte die Hausfrau einzuwerfen.

»Zu was Teufel brauchen wir sie denn, die Revolution, wenn es auch ohne Revolution ganz nach unsern Wünschen geht? Aber sehn Sie, da steht Ihr Söhnlein und spitzt die Ohren. Warum erlauben Sie ihm zuzuhören, was die Erwachsenen reden?«

»Das ist gar nicht mein Sohn,« sagte die Dame.

»Nicht Ihr Sohn? Wer ist es denn?«